Wir Amis / US-Kolumne : Warum ich Patriot bin
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Meine Sicht auf die Welt ist längst nicht mehr rein amerikanisch

Aber nicht nur Amerika bin ich dankbar. Ein Grund, warum ich vor einem halben Leben nach Deutschland kam, war die Uni: Abgesehen von ein paar mickrigen Gebühren kostete sie in Deutschland nichts, ganz im Gegensatz zu den USA. Auch für Ausländer, erfuhr ich mit freudigem Erstaunen. Also dachte ich mir: Ein Auslandsstudium! Auch gut!

Irgendwann mitten im Studium, als man mich als Ausländer immer noch nicht zur Kasse gebeten hatte oder gar rausschmiss, fragte ich mich dann: Warum sollte ein Staat seinen Bürgern und dazu irgendwelchen dahergelaufenen Amis eine sehr teuere Uni-Ausbildung umsonst anbieten? Klar: Der Staat hofft, dass ich ihm irgendwann etwas zurückgebe: indem ich einen guten Job finde und mehr Steuern zahle, indem ich mit meiner Bildung den Staat irgendwie bereichere, indem ich als Ausländer eine gute Beziehung zu Deutschland pflege. Jetzt weiß ich, Deutschland hat mir noch mehr gegeben als nur die Ausbildung.

Die Deutschen haben mich von Anfang an herausgefordert. Meine Vorstellung von der Welt, von Politik, auch von Moral habe ich aus einer relativ konservativen Familie mit hierher gebracht und nie geglaubt, dass sich irgendwas daran ändern würde.

Deutschland ist irgendwie... vernünftig

Weit gefehlt: Vom ersten Tag an stellte die deutsche Perspektive auf die Welt alles infrage, was ich bislang zu wissen meinte, angefangen von Punks auf dem Uni-Gelände, die mir als erstes Flugblätter der marxistisch-leninistischen Partei in die Hand drückten, bis hin zu großen politischen Umwälzungen wie dem Fall der Mauer oder dem Einzug einer Frau ins Bundeskanzleramt. Die Folge: Meine Sicht auf die Welt ist längst nicht mehr rein amerikanisch.

Ich schätze dieses Land, weil es irgendwie… vernünftig ist. Einerseits sind die Menschen hier echte Gewohnheitstiere. Das ist der Grund, warum wir Amis ihnen so viel Angst einjagen. Andererseits stürzen sie sich daher auch nicht gleich in abwegige Abenteuer wie einen Irakkrieg. Über die letzten 70 Jahre hat Deutschland es mit seiner vorsichtigen Art geschafft, so viel Vertrauen bei seinen Nachbarländern zu wecken, dass diese heute Deutschland bitten, in Europa eine Führungsrolle zu übernehmen. Das macht mich – selbst als Ausländer – stolz auf Deutschland.

In jener Nacht vor vier Jahren entschloss ich mich, dem Land etwas zurückzugeben, das mir so viel gegeben hat. Deswegen schreibe ich, was ich schreibe. Aber es fängt schon im Kleinen an: Indem ich mich als Patriot bekenne. Was sagen Sie da? Das geht nicht, denn der Patriot stuft automatisch alle anderen Länder herab? Doch doch, es geht, denn ich liebe beide: Amerika und Deutschland.

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