FahnenstreitBelfast erlebt die fünfte Krawallnacht in Folge

Benzinbomben gegen die Polizei, Wasserwerfer gegen die Randalierer: Im nordirischen Flaggenstreit ist die Lage erneut eskaliert. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.

Konfrontation in Belfast: Pro-britische Loyalisten gegen die Sicherheitskräfte

Konfrontation in Belfast: Pro-britische Loyalisten gegen die Sicherheitskräfte  |  © Peter Muhly/AFP/Getty Images

Die nordirische Hauptstadt Belfast kommt nicht zur Ruhe. Die fünfte Nacht in Folge ist es dort im Streit um die britische Flagge zu Krawallen gekommen. Polizei und Demonstranten lieferten sich gewaltsame Auseinandersetzungen, vier Menschen wurden festgenommen.

Zunächst hatten rund tausend Menschen friedlich vor dem Rathaus protestiert, während der Stadtrat erstmals wieder seit seinem umstrittenen Flaggen-Beschluss tagte. Dann aber trafen etwa 250 pro-britische Protestanten auf dem Rückweg vom Rathaus auf katholische Republikaner und es kam zu Zusammenstößen.

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Die Polizei versuchte, beide Gruppen auseinanderzuhalten, und wurde attackiert. Auf die Beamten auf der Newtownards Road hagelte es Steine, Ziegel, Brandsätze, Benzin- und Farbbomben sowie Feuerwerkskörper. Die Randalierer errichteten eine Barrikade und zündeten sie an. Die Polizei wiederum setzte Wasserwerfer ein und feuerte Gummigeschosse gegen die aufgebrachten Demonstranten.

Bislang 70 Festnahmen

Die Proteste richten sich gegen eine Entscheidung des von pro-irischen Politikern dominierten Stadtrats vom 3. Dezember. Demnach soll der Union Jack nicht mehr jeden Tag über dem Rathaus wehen. Pro-britische Unionisten wehren sich dagegen seit Wochen. Sie sehen darin ein zu großes Zugeständnis an die nach einem vereinten Irland strebenden katholischen Republikaner und befürchten, dass mit dem Ende dieser 100 Jahre alten Tradition der Weg für eine Loslösung der Provinz von Großbritannien bereitet wird.

In den vergangenen Tagen hatte es in Belfast Ausschreitungen mit teils mehreren Hundert Demonstranten gegeben. Nach Angaben der Polizei wurden bislang mehr als 50 Beamte verletzt, zudem gab es 70 Festnahmen. Einige Beamte berichteten, sie seien von Demonstranten unter Beschuss genommen worden. Ein 38-jähriger Mann wurde wegen des Verdachts auf versuchten Mord festgenommen.

Kein Ende der Gewalt

Polizeichef Matt Baggott rief dazu auf, die Protestmärsche zu stoppen, da paramilitärische Gruppen sich den Streit zunutze machen würden. Er warf der Ulster Volunteer Force vor, die Gewalt zu steuern. 

Am Sonntag hatten Politiker und Kirchenvertreter gemeinsam versucht, eine Lösung zu finden. Die Beratungen blieben bislang aber erfolglos. Robin Newton von der protestantischen Democratic Unionist Party bedauerte, dass die Organisatoren der Proteste nicht gesprächs- oder kompromissbereit seien: "Wir müssen einen Weg finden, um da herauszukommen, aber wie wir das machen, weiß ich nicht".

Der Konflikt in Nordirland dauert seit drei Jahrzehnten an, dominiert von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen London-treuen Protestanten und den nach einem vereinten Irland strebenden Katholiken. Rund 3.500 Menschen wurden dabei getötet. Mit dem Friedensabkommen vom Karfreitag des Jahres 1998, das die Machtteilung zwischen Protestanten und Katholiken vorsieht, sahen viele den Nordirland-Konflikt weitgehend beendet.

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Leserkommentare
  1. Verschiedene Konfessionen - gleiche Dummheit!

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    Geht's noch etwas flacher? Hier geht es vorrangig um Politik - Religion ist da nur vorgeschoben.

    Das irische Volk geht dem überholten Kontrollmechanismus (Government = Govern = control, ment = mind) "teile und herrsche" auf den Leim. Das ist diabolisch. Dia = teilen. Erschaffe zwei Streithähne und finde einen Mechanismus, sie mit Gewalt zu befrieden und zu regieren (als Lösung).

    Egal wo man hinschaut - immer das gleiche diabolische Herrschaftsprinzip auf dieser Erde.

  2. ...denn bei diesem Flaggenstreit handelt es sich um einen demokratisch legitimierten Kompromiss.
    Sinn Fein wollte das die Flagge komplett verschwindet, die DUP wollte sie lassen wo sie ist. Die Alliance, eine kleine Partei im Assembly, hat dann für diese Lösung gestimmt und ihr die notwendige Mehrheit verschafft.

  3. Geht's noch etwas flacher? Hier geht es vorrangig um Politik - Religion ist da nur vorgeschoben.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ende der Vernunft!"
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    • Nizze
    • 08. Januar 2013 11:14 Uhr

    Religion nur vorgeschoben, schreiben Sie.
    Aber die Religion ist ein untrennbares Bestandteil der nationalen Identität und der Geschichte in Irland.
    Ganz anders als in den deutschen gemischten Gebieten, wo wirklich nur die Religion den Unterschied macht.
    Irland hat eine furchtbare Geschichte gewaltsamer Beherrschung durch die Briten.
    Wenn also die Protestanten heute noch ihre Triumphmärsche zur Erinnerung an die britische Eroberung Irlands in Nordirland durchfüheren, so ist das keine religiöse Manifestation sondern eine britisch-nationalistische.
    Es handelt sich also um weit mehr als "nur" die Religion.

  4. 4. Das...

    ...riecht nach einer Völkerwanderung... denn einen Mittelweg gibt es da nicht... entweder England oder Irland. Wer verliert wird in das Land seiner Wahl gehen wollen.

    In einem Land in dem man Schulen schon seit Jahren wie jetzt in Amerika schütz und dass auch noch weil es notwendig ist
    (Bei den Amis ist dass eine reine sich_selbst_erfüllende Paranoia/Propaganda... ) hat in meinen Augen kaum noch eine Chance die Konflikte friedlich zu lösen. Wenn eine Flaggenaktion so eine Resonanz erzeugt, dass muss man sich erst mal durch den kopf gehen lassen,wegen einer Flagge, dann liegen doch einige Sachen quer im Magen.

    entweder Nordirland zu irland und die protestanten nach England aussiedln oder halt umgekehrt...

    @Gerry10: Mit demokratie hat dass wenig zu tun. Dieser Flaggenstreit hat doch mit dem Streit an sich nichts zu tun, er war nur anlass oder Auslöser.. der HAss ist verdammt alt, ich weiß nicht wann England in Nordirland interveniert hat? Aber je länger Verachtung schwellt um so hemmlungsloser werden die Folgen sein...

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    • Aexl21
    • 08. Januar 2013 10:33 Uhr

    Ihr Kommentar erinnert mich an eine Folge "Big Bang Theory", in der Sheldon Cooper glaubte den Nahostkonflikt lösen zu können, indem man Israel in eine nordamerikanische Wüste verlagern würde. Rein formell und theoretisch scheint der Gedanke der Aussiedlung der unterlegenen Partei vielleicht plausibel, aber ich denke, die Autoren der Sendung wussten schon genau, weshalb sie diese Idee als Witz (!) in ihre Sendung einbauten.

  5. der Streit in der Tat nichts zu tun, hier geht es ja nicht im geringsten um religiöse Fragen. Dass die Katholiken dort eher die Arbeiter sind, waren, die Protestanten bessergestellt,dass liegt vermutlich auch noch in der Luft. Natürlich hat das was mit Flaggen bzw. der Zugehörigkeit, die vor allem die pro-britische zeigt zu tun. Wenn man durch Belfast läuft (das bin ich ab und zu) sehen in den eher protestantischen Teilen recht häufig,meist sehr gehäuft, britische Flaggen und merken dann wo sie sind (natürlich auch an den Wandmalereien),bei den katholischen Teilen ist dies eher nicht der Fall. Die Flaggen alleine sind mMn Provokation genug und ich kann diesen harten Kern der Protestanten nicht verstehen.

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    Sie unterschätzen die Integrations- und Identifikationskraft der Konfessionen. Der politische Konflikt ist offensichtlich, aber die Religion macht ihn unversöhnlich. Wenn zwei christliche Konfessionen, die der Nächstenliebe und der Vergebung verpflichtet sein sollten, sich derart feindlich gegenüber stehen, ist die Absenz von Glauben und Vernunft unübersehbar. Auch wenn der Kirchenkonflikt und der Abfall des britischen Königs mit Gründung einer eigenen Kirche Jahrhundert zurück liegt, so schwelt dieser Konflikt immer noch.

    Kolonialpolitik. In einem Konflikt, der Jahrhunderte andauert.

    Und es geht um einen Friedensprozess, der mit dem Friedensabkommen von 1998 vorankommt.

    Ganz wichtiger Teil dieses Friedensabkommens ist, dass es jetzt Kommissionen gibt, die sich mit der Chancengleichheit bei der Besetzung von Arbeitsplätzen beschäftigt.

    Damit eben die Iren (Katholiken) nicht nur die Drecksarbeit machen müssen, sondern auch in gut bezahlte Jobs, oder die Stadtverwaltung und Polizei kommen.

    Ich war im letzten Juni in Belfast und in dem Bereich der UDA fährt man durch ein britisches Fahnenmeer. An jedem Haus, an jedem Mast, an jeder Laterne eine britische Flagge!

    Die Bordsteine in Rot-Weiß-Blau angemalt.

    Das wirkt schon sehr befremdlich. Dazu die Heldenverehrung
    an den Häuserwenden.

    Riesige Scheiterhaufen, die in Vorbereitung der Märsche im Juli, aufgebaut wurden und das fast nur von Kindern und Jugendlichen.

    Eine Mauer, die durch die Stadt geht, Polizeistationen, die eingerüstet sind, wie bei uns ein Hochsicherheitsgefängnis.

    Auf der anderen Seite der Heldenfriedhof der IRA und pro irische Bekundungen.

    Wenn man das mit eigenen Augen gesehen hat, weiß man, dass der Friedensprozess noch Generationen braucht, um am Ende erfolgreich zu sein.

    Rückschläge wie jetzt, sind da unvermeidlich. Da braucht es viel Geduld.

    • krister
    • 08. Januar 2013 10:06 Uhr

    "Im nordirischen Flaggenstreit ist die Lage erneut eskaliert."

    wäre ein Volksentscheid nicht endlich mal sinnvoll.

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    Hier ist Nationalismus, Katholizismus, Protestantismus und soziale Folgen der englischen Politik nach religiösem Maßstab der erkenntnistheoretische Wahnsinn!

    Fanatiker ohne Verstand lassen sich für jeden Wahnsinn in den Tod schicken. Scheinbar ohne Rücksicht auf die eigene Familie u. eigene Interessen.

    Vor einem Volksentscheid müßte der Wahnsinn sortiert werden und England sich zurückziehen.

  6. Sie unterschätzen die Integrations- und Identifikationskraft der Konfessionen. Der politische Konflikt ist offensichtlich, aber die Religion macht ihn unversöhnlich. Wenn zwei christliche Konfessionen, die der Nächstenliebe und der Vergebung verpflichtet sein sollten, sich derart feindlich gegenüber stehen, ist die Absenz von Glauben und Vernunft unübersehbar. Auch wenn der Kirchenkonflikt und der Abfall des britischen Königs mit Gründung einer eigenen Kirche Jahrhundert zurück liegt, so schwelt dieser Konflikt immer noch.

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    Antwort auf "Mit der Religion hat "
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    Zwar wurde Irland das erste Mal um 1169 von England überfallen, aber lassen wir das. Fangen wir lieber mit 1606 an, wo die Engländer begannen, mit verschiedenen Gesetzen die Iren zu enteignen. In dem Zusammenhang wurde dann irgendwann die Konfession wichtig, da niemand etwas vererben durfte, der nicht Anglikaner war und es durfte natürlich auch kein Nicht-Anglikaner erben. So wollte man aus Iren Engländer machen. Hat aber nicht geklappt. Es ging nie wirklich um Konfessionen, sondern immer um Nationalismus.
    Da man ab dem 17. Jahrhundert Schotten und Engländer in Nordirland ansiedelte, blieb der Teil britisch, als die Iren 1921 sozusagen ihre Unabhängigkeit bekamen. Und seitdem kämpfen die Nordiren darum, zu Irland zu gehören und die Nachfahren der angesiedelten Engländer und Schotten wollen, dass die Iren keine Macht in Nordirland haben. Und keine Seite braucht die Konfession als Vehikel für das Zusammenhaltsgefühl. Dafür reichen Irland und England als zwei gegensätzliche Ziele.

    Sie schreiben: "...so schwelt dieser Konflikt immer noch."

    Und genau hier habe ich so meine Zweifel - dass der Konflikt IMMER NOCH schwelt.

    Ich habe vielmehr den Eindruck, dass dieser Konflikt gerne immer wieder aufgewärmt oder gar erst zum Leben erweckt wird, um eigene Ziele zu verfolgen, die i.d.R. mit dem eigentlichen Konflikt nichts zu tun haben - und sei es, einfach nur Randale zu machen.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Mehrheit der Iren/Nordiren die Hintergründe, die ursprünglich zu dem Konflikt geführt haben, wenn überhaupt dann nur in sehr groben Ansätzen kennen.

    Meist wird in Zeiten der allgemeinen Unzufriedenheit irgendein uralt Konflikt wieder aufgewärmt um sich mit dem "Recht auf seiner Seite" Luft zu machen weil für die eigentliche Unzufriedenheit keine Lösung gefunden werden kann.

  7. Das irische Volk erkennt das. Doch Gewalt ist der falsche Weg.

    Island macht den richtigen Weg vor:
    http://www.youtube.com/wa...

    Rücksichtnahme auf individuelle Gegebenheiten des irischen Volkes statt Einheitsbrei!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, kg
  • Schlagworte Belfast | Flagge | Gewalt | Karfreitag | Mord | Nordirland-Konflikt
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