ItalienBerlusconis Widerspruch gegen Ruby-Prozess abgelehnt

Silvio Berlusconi wollte die Fortsetzung des Prozesses um eine Sex-Affäre während des Wahlkampfs verhindern. Nach Ansicht der Richter hat er trotzdem genügend Zeit.

Der Gerichtsprozess gegen den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wird auch während des Wahlkampfs fortgesetzt. Der 76-Jährige scheiterte vor einem Mailänder Gericht mit dem Versuch, das Verfahren wegen des Vorwurfs des bezahlten Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen bis zur Parlamentswahl Ende Februar zu unterbrechen.

Die drei Richter folgten Berlusconis Argument nicht, wonach er als Chef eines Wahlbündnisses vor dem Votum keine Zeit habe, dem Prozess beizuwohnen. Berlusconi-Anwalt Niccolo Ghedini kritisierte die Entscheidung als schweren Eingriff in den Wahlkampf. Das Urteil werde mit Sicherheit vor der Wahl am 24./25. Februar fallen.

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Berlusconi wird vorgeworfen, für Sex mit der damals minderjährigen marokkanischen Nachtclub-Tänzerin Karima El Mahroug, die sich "Ruby die Herzensbrecherin" nannte, bezahlt zu haben. Der Milliardär weist die Vorwürfe zurück. Bei einer Verurteilung drohen Berlusconi bis zu 15 Jahre Haft. Die Anklage lautet auf illegalen Sex mit minderjährigen Prostituierten sowie Amtsmissbrauch: Er soll 2010 versucht haben, Rubys Freilassung nach ihrer Festnahme durch die Polizei zu erreichen.

Eine Gefängnisstrafe gilt aber selbst bei einer Verurteilung als relativ unwahrscheinlich. Zwar stehen auf die Vergehen mehrjährige Haftstrafen, doch das italienische Recht sieht einen recht milden Umgang mit Angeklagten über 70 Jahren vor.

Marokkanerin nur schriftlich angehört

El Mahroug erschien am Montag erstmals persönlich vor Gericht. Allerdings strichen Berlusconis Verteidiger sie von ihrer Zeugenliste. Die Richter erklärten, Rubys schriftliche Aussage würden berücksichtigt. Sie sagte darin aus, sie habe nicht mit Berlusconi geschlafen. Nach Worten ihrer Anwältin war sie sehr überrascht darüber, dass sie nicht angehört wird.

Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Mario Monti wählt Italien Ende Februar ein neues Parlament. Berlusconis Volk der Freiheit liegt in den Umfragen bislang deutlich hinter dem Mitte-Links-Lager, das als Favorit gilt.
 

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, AFP, tis
  • Schlagworte Silvio Berlusconi | Italien | Gericht | Geschlechtsverkehr | Mario Monti | Ministerpräsident
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