ItalienBerlusconi will Wirtschaftsminister werden

Italiens Ex-Premier überrascht mit neuen Absichtserklärungen: Als Wirtschaftsminister will er zurück in die Regierung. Helfen soll ihm ein Bündnis mit der Lega Nord.

Italiens früherer Ministerpräsident Berlusconi Mitte Dezember in Rom

Italiens früherer Ministerpräsident Berlusconi Mitte Dezember in Rom  |  © Alberto Pizzoli/Getty Images

Silvio Berlusconi will als Wirtschaftsminister in die italienische Regierung zurückkehren. Helfen soll ihm dabei ein Bündnis seiner Partei PdL ("Volk der Freiheit") mit der Regionalpartei Lega Nord. Im Falle eines Wahlsiegs könnte dann PdL-Generalsekretär Angelino Alfano "unser Kandidat als Ministerpräsident sein, und ich kann den Wirtschaftsminister machen", sagte Berlusconi dem Sender RTL.

Er habe mit dem Chef der Lega Nord, Roberto Maroni, eine Zusammenarbeit vereinbart, sagte der umstrittene frühere Ministerpräsident. Demnach wird die PdL Maronis Kandidatur für die nördliche Region Lombardei unterstützen. Berlusconi sagte, er würde sich als "Anführer der Moderaten" in einer Mitte-rechts-Koalition mit der Lega sehen. Weitere Details zu den Inhalten der Übereinkunft nannte er nicht.

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Italien wählt am 24. und 25. Februar ein neues Parlament. Im Dezember war Ministerpräsidenten Mario Monti zurückgetreten, nachdem er im November 2011 den Posten des Regierungschefs übernommen hatte. Der Parteilose stand einem sogenannten Technokraten-Kabinett vor und verordnete Italien einen strikten Sparhaushalt – die Schuldenkrise in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone machte es notwendig.

"Keinen einzigen positiven Wirtschaftsfaktor"

Im Dezember dann kündigte Berlusconi sein Comeback an und schürte damit in Europa Sorgen vor einer Abkehr des Landes vom Sparkurs. Gespräche mit Monti lehnt er ab. "Die Enttäuschung über die Person ist so groß, dass ich nicht glaube, dass ein Dialog möglich ist", sagte der 76-Jährige RTL. Stattdessen fordert er eine parlamentarische Untersuchung der Vorgänge, die Monti 2011 an die Macht gebracht hatten.

An dessen Technokratenregierung ließ Berlusconi kein gutes Haar. "Die Technokraten haben dem Land Schaden zugefügt", sagte er. "Nach einem Jahr ihrer Regierung gibt es keinen einzigen positiven Wirtschaftsindikator." Und auch Monti habe sich als ein Anderer entpuppt, als er damals gedacht habe.

Niedrige Umfragewerte für Monti

Monti selbst hat angekündigt, er stehe für eine zweite Amtszeit bereit. Rund sieben Wochen vor der Wahl liegt der 69-jährige Wirtschaftsprofessor allerdings abgeschlagen in der Wählergunst zurück. Derzeit entfielen nur rund zwölf Prozent der Stimmen auf seine Allianz, wie aus der jüngsten Befragung des Instituts Tecne hervorgeht, die der Sender SkyTG24 veröffentlichte.

Das Mitte-Links-Bündnis unter Führung der Demokratischen Partei unterstützen dagegen 40 Prozent der Befragten. Für die mögliche Mitte-Rechts-Koalition von Berlusconis Partei Volk der Freiheit würden 25 Prozent votieren. Allerdings deuten mehrere Umfragen auf eine hohe Unentschlossenheit der Wahlberechtigten hin.

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Leserkommentare
  1. Sein Hoffotograf hat sehr offensichtlich herumgeshoppt, bis nur noch die Lachfalten übrig (sollen ihn wohl sympatisch machen) und die Geheimratsecken nicht mehr so offensichtlich waren.

    Leider hat ihn sein Visagist wohl auch noch versehentlich in die Bronzing-Puderdose getunkt, anders kann ich mir diesen seltsamen Terrcottastich nicht erklären.

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    Antwort auf "Grusliges Bild..."
    • Tho.mas
    • 07. Januar 2013 15:56 Uhr

    kommen Sie zurück Herr Berlusconi! Ohne Sie gibt es wenig zu lachen in dieser eher stumpfsinnigen Politlandschaft, außer vieleicht unseren Herrn Rössler aber dem fehlt so das gewisse Etwas, was Sie unbestreitbar ausmacht, wie z.B. der Größenwahn (hat er aber nur ein wenig ;-)
    Ausserdem bekommt Ihr Volk genau das, was es verdient, wenn es Sie nocheinmal wählt...
    Aber ich glaube so (ich will nicht sagen dumm ;-) zerstreut kann doch eigentlich kein Italiener sein - oder?

    • ruggero
    • 07. Januar 2013 16:01 Uhr

    .... aber nicht von Schönheitschirurgen sondern vom Psychater.

    Keiner mehr will ihn sehen, hören oder in Verantwortung wissen. bewundert wird er nur noch von dummen jungen Hupfdohlen, die er sich kaufen kann sowie von seinem plastischen Chirurgen, der sich eine goldene Nase am, Kunden Silvio verdient.

  2. 12. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

  3. leider scheint die Wahrscheinlichkeit zu wachsen, dass im italienischen Parlament auch nach dieser Wahl mal wieder keine stabilen Mehrheitsverhältnisse zu bilden sein werden.
    Ich befürchte, dass Mitte-Links und das Monti-Lager ihren momentanen Vorsprung nicht über die Ziellinie werden retten können. Und die Cinque Stelle-Bewegung um Grillo scheint nicht koalitionsfähig zu sein und demontiert sich darüber hinaus munter selber.
    Am Ende hat dann vielleicht doch wieder Mitte-Rechts um Berlusconi einen wie auch immer gearteten Fuss in der Tür.

  4. Eine Konstante der italienischen Politik ist der sogenannte "Trasformismo", die Fähigkeit, seine politischen Ideen je nach Bedarf zu ändern. Im Parlament sitzen Abgeordnete, die innerhalb einer Legislaturperiode bis zu fünf Mal die Partei gewechselt haben. Deshalb sind auch nach der nächsten Wahl ganz überraschende Konstellationen möglich, die Berlusconi zumindest als Minister wieder an die Macht bringen könnten. Der derzeit vernünftigste italienische Politiker, Bersani, wird es aus eigener Kraft nicht schaffen, Regierungschef zu werden, er wird entweder den autoritären Monti, dem die Demokratie ein Gräuel ist, oder Überläufer aus dem Berlusconi-Lager brauchen. Es wird auf jeden Fall spannend und unterhaltsam, aber nicht sehr erbaulich.

    Eine Leserempfehlung
  5. Die Egozentrik lässt in einer von der Umwelt geistig abgeschotteten Herrlichkeit Illussionen blühen, die sich solange den Regeln der sich selbst erfüllenden Prophezeiung bedienen können, bis die Öffentlichkeit für Kollisionen mit einer inkonpatiblen Realität sorgt.
    Wer Sieger feiert, fühlt sich oft als Teilnehmer in den mehr oder weniger glaubwürdigen Triumphmärschen. Eine ebenso verbreitete wie beliebte Masche in der Klatschpresse, deren Versuchungen auch seriöse Organe offenbar nicht wiederstehen können.
    Die Peinlichkeit wartet allerdings selten vergeblich auf ihre Opfer. Berlusconi scheint hier einem unübersehbaren masochistischen Drang zu folgen. Wo wird er und seine Bewunderer wohl ankommen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP kg
  • Schlagworte Silvio Berlusconi | Italien | Mario Monti | Wirtschaftsminister | RTL | Allianz
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