EnergieReferendum über Atomkraftwerk in Bulgarien gescheitert

Dank Schnee und Eis hatten die Wähler in Bulgarien wenig Lust, über den Bau eines Atomkraftwerks abzustimmen. Die Beteiligung war zu gering, das Referendum ungültig.

Das Referendum über ein neues Atomkraftwerk in Bulgarien ist ersten Prognosen zufolge an einer zu geringen Wahlbeteiligung gescheitert. Nachwahl-Befragungen des Meinungsforschungsinstituts Gallup ergaben eine Beteiligung von nur 20,5 Prozent der insgesamt 6,9 Millionen Wahlberechtigten. Damit wurde die für ein verbindliches Ergebnis vorgeschriebene Hürde von 60 Prozent deutlich verfehlt.

Heftige Schneestürme und vereiste Straßen sorgten dafür, dass viele Bulgaren zu Hause blieben. An einigen Orten gab es nach den Stürmen keinen Strom. Dort wurden die Wahllokale nach Informationen des staatlichen Radios mit Gaslampen beleuchtet. Im verschneiten Südosten öffneten einige Wahllokale vier Stunden nach dem offiziellen Start. Die Sozialisten warfen der Regierung vor, für die unpassierbaren Landstraßen verantwortlich zu sein. Dadurch solle die Beteiligung an dem Referendum, das die Sozialisten durchgesetzt hatten, erschwert werden.

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Von denen, die teilnahmen, haben laut den Prognosen gut 60 Prozent für ein neues Atomkraftwerk bei Belene gestimmt und knapp 40 Prozent dagegen. Umfragen hatten zuvor ergeben, dass eine große Mehrheit für das Belene-Projekt stimmen würde.

Kommt es zu einer Mindestbeteiligung von 20 Prozent mit einer Mehrheitsentscheidung für den Bau muss sich das Parlament in Sofia erneut mit der Frage des Kraftwerks befassen. Borissow hat für diesen Fall aber bereits angekündigt, das Projekt mit der absoluten Mehrheit seiner Partei GERB abzulehnen.

Die Volksbefragung war das erste Referendum seit Ende der kommunistischen Ära in Bulgarien. Die konservative Regierung hatte das von den oppositionellen Sozialisten eingeleitete Milliarden-Projekt aus Kostengründen gestoppt. Das Lager um Ministerpräsident Boiko Borissow argumentiert, die Baukosten seien zu hoch, Rentabilität des Projekts fragwürdig und es würde zu einer noch größeren Abhängigkeit von Russland bei der Energieversorgung führen.

Erdbebengefahr

Umweltschützer lehnen den Neubau ab, da an dem Standort Erdbeben auftreten können.

Die Sozialisten sehen die Volksbefragung auch als einen Test für das Vertrauen zur GERB vor den regulären Parlamentswahlen im Juli. Exstaatspräsident Georgi Parwanow hatte Regierungschef Borissow bereits zum Rücktritt aufgefordert, sollte die Mehrheit der Wähler bei dem Referendum mit Ja stimmen.

Die EU und die USA lehnen den Bau ab. Sie befürchten ebenfalls, dass dadurch Bulgariens Abhängigkeit von Russland noch zunehmen könnte. Die Regierung in Moskau bietet an, das Kraftwerk zu finanzieren, das von der russischen Atomstroyexport gebaut werden soll. Bulgarien hängt bereits jetzt fast vollständig von russischen Gas- und Öllieferungen ab, auch sein einziges Atomkraftwerk in Kosloduj läuft mit russischen Reaktoren.

Die Befürworter des Projekts hoffen, dass durch den Meiler die Stromkosten sinken, neue Jobs entstehen und das Land zu einem Energiezentrum im Südosten Europas aufsteigt.

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Leserkommentare
  1. Und bei uns ist man der festen Überzeugung, daß hohe Energiepreise das beste ist, was uns passieren kann. Zumindest gibt es noch Völker in Europa, die nach Vorteilen suchen und sich nicht dem deutschen Masochismus fürsprechend eine Last nach der anderen aufbürden wollen. Gibt mir doch zu denken!

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    Die Kosten für den Bau werden mind. 9 Mrd € betragen.
    "Im August 2010 gab der bulgarische Wirtschaftsminister bekannt, dass die veranschlagten Kosten für das Kraftwerk auf 9 Milliarden EUR gestiegen seien und bestätigte damit die zuvor von RWE genannte Größenordnung."
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Belene

    Das für nur 2 Gigawatt.

    Für 2 Gigawatt Onshore-Windenergie-Strom würde man ca 4 Mrd. € zahlen:
    http://renewables.seenews.com/news/ge-says-600-mw-fantanele-cogealac-win...
    (600 MW = 1,1 Mrd. €)

    Zudem sind bei den Berechnungen zum AKW keine Kosten zur Entsorgung des Atommülls vorhanden. Dies werden ja meist durch den Steuerzahler subventioniert. Ebenso sind die Versicherungssummen lächerlich gering. Einen GAU kann kein AKW-Betreiber bezahlen.

    Ihren Beitrag beurteile ich als polemisch/ undifferenziert.

    ...und wenn das Ding dann irgendwann mal unbeabsichtigt Strahlung verliert werden sogar noch richtig viele Arbeitsplätze beim Katastrophenschutz geschaffen!

  2. Die Kosten für den Bau werden mind. 9 Mrd € betragen.
    "Im August 2010 gab der bulgarische Wirtschaftsminister bekannt, dass die veranschlagten Kosten für das Kraftwerk auf 9 Milliarden EUR gestiegen seien und bestätigte damit die zuvor von RWE genannte Größenordnung."
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Belene

    Das für nur 2 Gigawatt.

    Für 2 Gigawatt Onshore-Windenergie-Strom würde man ca 4 Mrd. € zahlen:
    http://renewables.seenews.com/news/ge-says-600-mw-fantanele-cogealac-win...
    (600 MW = 1,1 Mrd. €)

    Zudem sind bei den Berechnungen zum AKW keine Kosten zur Entsorgung des Atommülls vorhanden. Dies werden ja meist durch den Steuerzahler subventioniert. Ebenso sind die Versicherungssummen lächerlich gering. Einen GAU kann kein AKW-Betreiber bezahlen.

    Ihren Beitrag beurteile ich als polemisch/ undifferenziert.

    5 Leserempfehlungen
  3. ...und wenn das Ding dann irgendwann mal unbeabsichtigt Strahlung verliert werden sogar noch richtig viele Arbeitsplätze beim Katastrophenschutz geschaffen!

    3 Leserempfehlungen
  4. Aber vielleicht haben die Bulgaren einfach mehr Verstand als die Deutschen. Nachahmer werden die nie.

  5. Würden Sie einen Moskwitsch zum Preis eines Maserati kaufen? Zumal schon jemand dafür eine satte Provision im Voraus eingesteckt hat? Die schweigende Mehrheit von knapp 80% sagt "Nein". Was soll also der Unsinn von Schnee und Eis? Bulgarien produziert schon heute mehr Strom als es braucht und exportiert ihn zu Schleuderpreisen. Ganz zu schweigen vom geplanten Standort in einem Erdbebengebiet. Bleibt nur zu wünschen, dass sich auch die Erkenntnis stärker durchsetzt, dass in 30 Jahren unbedenklichere Energiequellen erschlossen sein werden.

  6. Aus eigener Anschauung weiß ich, daß viele Menschen in Bulgarien in existenzieller Not leben.

    Einen 20%-igen EE-Strom-Anteil bezahlt der deutsche Bundesürger derzeit freiwillg oder unwissend mit rund 200 EUR pro Kopf und Jahr obendrauf.

    200 EUR sind in Bulgarien bereits oft ein ganzer Monatslohn.

    Bei Baukosten von 9 Mia EUR für ein 2 GW KKW
    kostet die Produktion eines kWh Strom dann ca 4 ct/kWh.

    Da Bulgarien über recht geringe fossile Ressourcen verfügt, ist Kernkraft die für die Bevölkerung preisgünstigste Option.

    Ein Referendum gegen Kernkraft hat dort keine Chance.

    Eine Leserempfehlung
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    • MTnou
    • 28. Januar 2013 8:20 Uhr

    Tja, wenn das Referendum dort keine Chance hat, dann haben die Bulgaren jetzt gerade nochmal Glück gehabt.
    Die durchschnittlichen Stromgestehungskosten liegen auch bei der Atomkraft bei ungefähr 6 ct/kWh. Ihr Wert ist dann doch eher optimistisch.

    Zum Vergleich: Die durchschnittlichen (nicht optimistisch!) Stromgestehungskosten für Wind onshore betragen 7.5 ct/kWh.

    http://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/veroeffentlichungen-...

    Das ist offensichtlich mehr als für den Atomstrom. Was leider nur in sehr begrenztem Umfang in die Stromgestehungskosten der Atomkraft einfließt sind die unkalkulierbaren Kosten für eine "sichere Endlagerung" des über Jahrhunderte oder Jahrtausende strahlenden Mülls. Hier in Deutschland haben wir das Problem ja sehr elegant gelöst - Asse ist ja ein strahlendes Beispiel. Wer die Aufräumaktion dort wohl bezahlt?
    Nein, hier sollte man von Europa ein klares Signal setzen und den Bau einer sicheren und preisgünstigen Energieversorgung unterstützen. Strom aus Wind, Sonne oder Wasser ist jahrzehntelang erprobt, sicher und wird die Zukunft der kommenden Generationen nicht beeinträchtigen. Hier geht es um mehr als um den nackten Preis und eine simple Gewinn- und Verlustrechnung.
    Die existenzielle Not wird nicht gelindert, wenn sich die Atomkonzerne die Taschen vollstopfen (Die Stromgestehungskosten sind N I C H T der Strompreis, den der Verbraucher zahlt)

    • MTnou
    • 28. Januar 2013 8:20 Uhr

    Tja, wenn das Referendum dort keine Chance hat, dann haben die Bulgaren jetzt gerade nochmal Glück gehabt.
    Die durchschnittlichen Stromgestehungskosten liegen auch bei der Atomkraft bei ungefähr 6 ct/kWh. Ihr Wert ist dann doch eher optimistisch.

    Zum Vergleich: Die durchschnittlichen (nicht optimistisch!) Stromgestehungskosten für Wind onshore betragen 7.5 ct/kWh.

    http://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/veroeffentlichungen-...

    Das ist offensichtlich mehr als für den Atomstrom. Was leider nur in sehr begrenztem Umfang in die Stromgestehungskosten der Atomkraft einfließt sind die unkalkulierbaren Kosten für eine "sichere Endlagerung" des über Jahrhunderte oder Jahrtausende strahlenden Mülls. Hier in Deutschland haben wir das Problem ja sehr elegant gelöst - Asse ist ja ein strahlendes Beispiel. Wer die Aufräumaktion dort wohl bezahlt?
    Nein, hier sollte man von Europa ein klares Signal setzen und den Bau einer sicheren und preisgünstigen Energieversorgung unterstützen. Strom aus Wind, Sonne oder Wasser ist jahrzehntelang erprobt, sicher und wird die Zukunft der kommenden Generationen nicht beeinträchtigen. Hier geht es um mehr als um den nackten Preis und eine simple Gewinn- und Verlustrechnung.
    Die existenzielle Not wird nicht gelindert, wenn sich die Atomkonzerne die Taschen vollstopfen (Die Stromgestehungskosten sind N I C H T der Strompreis, den der Verbraucher zahlt)

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