EU-Debatte : "Ein differenziertes Europa wäre ein gutes Modell"
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 "Wolfgang Schäuble hat 1994 bereits ein Kerneuropa gefordert"

ZEIT ONLINE: Betreibt er eine Spaltung der EU?

Lambsdorff: Großbritannien lehnt aufgrund seiner politischen Kultur eine weitere europäische Integration ab, möchte aber den Zugang zum europäischen Binnenmarkt behalten. Es wird den Kern der Länder bilden, die nicht in der Eurozone sind. Das halte ich nicht für eine Spaltung, sondern eine produktive Auflösung eines Grundkonflikts der EU – falls es gelingt.

ZEIT ONLINE: Werden alle EU-Länder einem solchen Modell zustimmen?

Lambsdorff: Ich glaube, dass es in einigen Ländern durchaus Sympathie dafür gibt. Dänemark, Schweden und manche Länder im Osten werden ebenfalls dauerhaft oder zumindest für lange Zeit der Eurozone nicht beitreten und deshalb nicht in den inneren Bereich der EU aufgenommen werden können. Wir müssen aber ein großes Interesse haben, all diese Länder einzubinden. Ein differenziertes Europa mit der Eurozone als Mittelpunkt und Ländern drumherum, die die gleichen Werte teilen und zum Binnenmarkt gehören, wäre ein gutes Modell für die Zukunft des Kontinents. Ich bin mir sicher, dass man nach reiflichen Diskussionen dafür Mehrheiten bekommen wird.

ZEIT ONLINE: Auch in Deutschland?

Lambsdorff: In der Bundesregierung und den deutschen Parteien geht die Diskussion ebenfalls in diese Richtung. Wolfgang Schäuble hat bereits 1994 in der CDU ein Kerneuropa gefordert. Die FDP fordert ebenfalls eine differenzierte Integration. Ich denke deshalb, dass die deutsche Politik konstruktiv über ein solches Modell nachdenken wird. 

ZEIT ONLINE: Alles hängt aber davon ab, ob die Briten am Ende einer solchen Konstruktion zustimmen.

Lambsdorff: Für die anderen EU-Staaten kommt das einer Erpressung gleich. Sie sollen mit London verhandeln und Zuständigkeiten zurückgeben, ohne Zugeständnisse von Großbritannien. Und am Schluss entscheiden die Briten alleine, ob ihnen das reicht oder nicht. Das wird weder in Berlin, Paris noch in Warschau auf Zustimmung stoßen. Darauf wird sich niemand einlassen. Dann muss man zur Not den Weg des Fiskalpakts gehen: Weitermachen ohne Großbritannien, weil es zwar bedauerlich, aber letztlich besser für Europa ist.

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Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Müsste ein differenziertes Europa nicht auch neu ausgehandelt

werden??????????????
Und wäre dann für die Briten nicht weiterhin die Möglichkeit in der halben EU zu bleiben?

Und müsste dann nicht vertraglich genau festgelegt werden was das sog. Kerneuropa darf und was das ``Randeuropa`` darf und würde das ebenfalls nicht erst nach 2015 gehen?