Unterstützung erhielt Cameron dagegen von Tschechiens konservativem Ministerpräsident Petr Nečas: "Wir teilen die Sicht des Vereinigten Königreichs, dass Europa flexibler sein sollte und offener. Es sollte sich mehr um das Vertrauen seiner Bürger bemühen. Wir haben ein Interesse daran, die Stärkung der EU-Wettbewerbsfähigkeit und die Vollendung des Binnenmarktes zu Kernpunkten der europäischen Integration zu machen."

Auch die Niederlande stimmten den Reformforderungen des britischen Premiers in vielen Punkten zu, sagte Außenminister Frans Timmermans, "doch die EU reformiert man von innen heraus und nicht durch Weglaufen." Das angekündigte Referendum nannte der Sozialdemokrat eine "britische Angelegenheit".

Unsicherheit in der Wirtschaft wächst

Richtiggehend verärgert reagierte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Es sei doch Großbritannien gewesen, das sich in der Vergangenheit stets als Reformbremse in Europa präsentiert hätte. "Das sind diejenigen, die an den Verzögerungen in Europa maßgeblich schuld sind, diejenigen, die mit dem Finger auf Europa zeigen", sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. Cameron ignoriere die europäische Idee und reduziere die EU auf den Binnenmarkt.

Mit Verunsicherung reagierte die Wirtschaft. "Kapital ist ein scheues Reh", sagte der Chefvolkswirt des Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Alexander Schumann. "Da müssen die Briten wirklich aufpassen." Der Ökonom geht davon aus, dass die Unternehmen wegen des möglichen EU-Austritts neue Investitionen verzögern. "Wir nehmen das sehr ernst. Voriges Jahr hatten wir die Grexit-Debatte", sagte er in Anspielung auf die Diskussion um einen möglichen Abschied Griechenlands aus der Euro-Zone. "Und jetzt droht eine lange Brexit-Debatte."

Die anhaltende Unsicherheit über die Stellung Großbritanniens in der EU schädigt nach Ansicht des britischen Vizepremierministers Nick Clegg die Wirtschaft des Landes. Die "langwierige, schlecht definierte Neuverhandlung unserer Position in Europa" sei nicht im nationalen Interesse, da sie dem Wachstum und der Lage auf dem Arbeitsmarkt schade, sagte der Politiker von den Liberal Democrats.

Die Opposition im eigenen Land sieht Cameron vor allem als Büttel des rechten Flügels seiner eigenen Konservativen Partei, dem er erneut nachgegeben hätte. "Spiel, Satz und Sieg für die Hardliner in seiner Partei", sagte der frühere Labour-Minister und ehemalige EU-Handelskommissar Peter Mandelson. Erneut habe der Tory-Chef Parteiinteressen über die Interessen des Landes gestellt.