AlgerienCameron verschiebt EU-Grundsatzrede wegen Geiseldrama

Europa wird noch auf die Positionsbestimmung des britischen Premiers warten müssen. Die für Freitag gespannt erwartete Rede zur Rolle des Landes in der EU ist abgesagt.

Das Geiseldrama von Algerien lässt Großbritanniens Premier David Cameron nach eigener Aussage keine Ruhe für europapolitische Angelegenheiten: Er verschob seine für Freitag angekündigte Grundsatzrede, die er in den Niederlanden halten wollte.

Cameron hatte über das Verhältnis seines Landes zur EU sprechen wollen. Es wurde erwartet, dass er dabei die Rückholung von Befugnissen von Brüssel nach London fordern würde. Zudem wurde angenommen, dass er für die Zeit nach der Wahl 2015 ein Referendum zu der Frage ankündigen werde. Cameron steht unter Druck des euro-skeptischen Flügels seiner konservativen Partei. Die pro-europäischen Liberaldemokraten, die mit an der Regierung beteiligt sind, lehnen ein Referendum aber entschieden ab.

Anzeige

Cameron begründete seine Absage mit der instabilen Lage am Ort der Geiselnahme. Es herrsche eine sich ständig verändernde und sehr unsichere Situation, sagte Cameron. "Wir sollten auf noch schlechtere Nachrichten vorbereitet sein."

Eine Al-Kaida nahestehende islamistische Gruppe hatte am Mittwoch eine Förderanlage in einem Erdgasfeld im Osten Algeriens gestürmt. Nach eigenen Angaben hielt sie zunächst mehr als 40 Ausländer als Geiseln, darunter Amerikaner, Briten, Franzosen und Japaner. Die Geiselnehmer fordern das Ende des Einsatzes französischer Truppen in Mali, die dort das Vorrücken der Islamisten einzudämmen versuchen.

Bei einem Luftangriff des algerischen Militärs auf die Geiselnehmer starben nach Angaben der Islamisten 34 Geiseln und 15 Entführer. Soldaten konnten nach Informationen der algerischen Nachrichtenagentur APS vier ausländische Geiseln befreien. Zuvor waren 30 algerische Arbeiter ihren Geiselnehmern entkommen.

Die Entführer sagten der Agentur ANI, dass in ihrer Gewalt noch immer sieben westliche Geiseln seien: drei Belgier, zwei Amerikaner, ein Brite und ein Japaner. Viele der Informationen sind nicht unabhängig zu überprüfen. Von algerischen Offiziellen waren bisher keine Informationen zu bekommen.

Cameron sagte, er habe mit US-Präsident Barack Obama über die Lage in Algerien gesprochen. Sie seien sich einig gewesen, dass die Entwicklung dort volle Aufmerksamkeit brauche, insbesondere was die Lage am Ereignisort betreffe.

Eine Sonderkommission der Regierung arbeite rund um die Uhr, um mit den Familien der Geiseln in Kontakt zu bleiben. Zudem versuche sie, sich schnellstmöglich ein umfassendes Bild von der Lage zu verschaffen.

Weitere Informationen über Twitter: von France24 (engl.), von der BBC oder via Reuters

Zur Startseite
 
Leserkommentare

Wegen des Relaunches steht die Kommentarfunktion gegenwärtig einigen Nutzern nicht zur Verfügung.

  • Quelle ZEIT ONLINE, tst
  • Schlagworte David Cameron | Europäische Union | Algerien | BBC | Barack Obama | Ausländer
  • Neu auf ZEIT ONLINE
    1. Neu im Ressort
      1. Anzeige
      2. Anzeige
      3. Anzeige
      4. ARTIKEL ZUM THEMA Ausland IM RÜCKBLICK
        Mai | April | März | Februar
      Service