Der venezolanische Präsident Hugo Chávez darf seinen Amtseid später ablegen. Wegen seiner Krebserkrankung kann er den von der Verfassung vorgesehenen Termin am 10. Januar nicht wahrnehmen. Der Oberste Gerichtshof Venezuelas entschied am Mittwoch, dass er das auch nicht muss: Seine Regierung könne auch über den 10. Januar hinaus im Amt bleiben.

Das Urteil ist wegweisend: Die Verfassung sieht den Fall nicht vor, dass ein gewählter Präsident das Amt nicht pünktlich übernimmt. Die Opposition hatte wegen der Verhinderung des in Kuba behandelten Staatschefs Neuwahlen gefordert. Für die Ausrufung von Neuwahlen muss der Präsident aber permanent an der Amtsausübung gehindert sein, etwa durch Tod, Rücktritt oder Amtsenthebung. In einem solchen Fall müssen innerhalb von 30 Tagen Neuwahlen angesetzt werden.

Venezuelas Opposition ist sich in einem Punkt mit der Regierung einig: Der 58-jährige war im Oktober mit fast 55 Prozent der Stimmen für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt worden. Damit ist Chávez der legitim wiedergewählte Präsident, und seine neue Amtszeit dauert bis 2019.

Nach Ansicht der Opposition beginnt die Amtszeit für das neue Mandat jedoch exakt am Donnerstag. Die Regierung hatte den Termin für den Amtsantritt dagegen als Formalie bewertet.

Regierung bemüht sich um Normalität

Chávez hat sich seit seiner vierten Krebsoperation am 11. Dezember auf Kuba nicht mehr zu Wort gemeldet. In den Medien wird spekuliert, dass er nicht mehr lange leben wird.

Die Regierung bemüht sich, die Geschäfte ohne ihren Chef weiterzuführen. Die für diese Woche geplanten Besuche der Präsidenten von Uruguay und Bolivien sollen stattfinden. Auch die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez soll am Freitag nach Venezuela reisen.