Der beispiellose Aufstand chinesischer Journalisten ist beendet: An diesem Donnerstag erschien eine neue Ausgabe der einflussreichen liberalen Wochenzeitung Nanfang Zhoumo (Southern Weekly), die Redaktion hat ihre Proteste offenbar eingestellt.

Mehrere Tage hatten Journalisten des Blattes in der südchinesischen Metropole Guangzhou gegen harsche Eingriffe der Zensurbehörden protestiert. Sie drohten sogar mit Streik. Auf Transparenten war zu lesen: "Wir wollen Pressefreiheit, Verfassungsmäßigkeit und Demokratie".

Auslöser für die Proteste war die Löschung eines Artikels, in dem zu größeren persönlichen Freiheiten und mehr Rechtsstaat aufgerufen worden war. Der zuständige Propagandaminister Tuo Zhen der wirtschaftlich wichtigen Provinz Guangdong in Südchina veranlasste, den Kommentar durch einen von ihm selbst geschriebenen Text zu ersetzen.

Redakteure fordern moderne Medienpolitik

Redakteure der Southern Weekly wollten das nicht hinnehmen und warfen Tuo in einem offenen Brief "diktatorische Methoden" vor. Ihr Fall wurde in China schnell publik, zahlreiche Blogs veröffentlichten Bilder der protestierenden Journalisten.

In der neuen Ausgabe ihrer Zeitung fordern sie eine moderne Medienpolitik. Die Regulierung durch den Staat müsse "mit der Zeit Schritt halten", hieß esin einem kommentierenden Text zu einem von offizieller Stelle verfassten Artikel über die Medienpolitik der chinesischen Führung. Zugleich wurde aber auch konstatiert: "Es  ist grundlegend, dass die Partei die Presse reguliert".

Medienberichten zufolge soll sich am Ende auch die Zentralregierung in Peking eingeschaltet haben. Die neue Führung unter Parteichef Xi Jinping hatte jüngst für einen freieren Umgang mit den Medien plädiert.