ZensurChinesische Journalisten beenden Proteste

Die liberale Wochenzeitung "Southern Weekly" erscheint wieder regulär. In dem Streit um einen gelöschten Artikel musste am Ende auch die KP-Zentrale in Peking vermitteln.

Ein Zeitungskiosk in Peking: Auch ein Stapel der "Southern Weekly" ist wieder ausgelegt

Ein Zeitungskiosk in Peking: Auch ein Stapel der "Southern Weekly" ist wieder ausgelegt  |  © Jason Lee/Reuters

Der beispiellose Aufstand chinesischer Journalisten ist beendet: An diesem Donnerstag erschien eine neue Ausgabe der einflussreichen liberalen Wochenzeitung Nanfang Zhoumo (Southern Weekly), die Redaktion hat ihre Proteste offenbar eingestellt.

Mehrere Tage hatten Journalisten des Blattes in der südchinesischen Metropole Guangzhou gegen harsche Eingriffe der Zensurbehörden protestiert. Sie drohten sogar mit Streik. Auf Transparenten war zu lesen: "Wir wollen Pressefreiheit, Verfassungsmäßigkeit und Demokratie".

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Auslöser für die Proteste war die Löschung eines Artikels, in dem zu größeren persönlichen Freiheiten und mehr Rechtsstaat aufgerufen worden war. Der zuständige Propagandaminister Tuo Zhen der wirtschaftlich wichtigen Provinz Guangdong in Südchina veranlasste, den Kommentar durch einen von ihm selbst geschriebenen Text zu ersetzen.

Redakteure fordern moderne Medienpolitik

Redakteure der Southern Weekly wollten das nicht hinnehmen und warfen Tuo in einem offenen Brief "diktatorische Methoden" vor. Ihr Fall wurde in China schnell publik, zahlreiche Blogs veröffentlichten Bilder der protestierenden Journalisten.

In der neuen Ausgabe ihrer Zeitung fordern sie eine moderne Medienpolitik. Die Regulierung durch den Staat müsse "mit der Zeit Schritt halten", hieß esin einem kommentierenden Text zu einem von offizieller Stelle verfassten Artikel über die Medienpolitik der chinesischen Führung. Zugleich wurde aber auch konstatiert: "Es  ist grundlegend, dass die Partei die Presse reguliert".

Medienberichten zufolge soll sich am Ende auch die Zentralregierung in Peking eingeschaltet haben. Die neue Führung unter Parteichef Xi Jinping hatte jüngst für einen freieren Umgang mit den Medien plädiert.

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Leserkommentare
  1. geht doch. Streik beendet, Diskussion angestoßen, Entscheidungen hinter verschlossenen Türen beeinflußt. Niemand wurde niedergeprügelt, niemand entlassen - und die ausländische Presse berichtet darüber. Wenn da nicht positive Veränderungen im Busche sind, dann weiß ich nicht, wo diese stattfinden sollen. Ich wiederhole meinen Post anläßlich einer ersten Meldung zum Thema:

    "Klingt interessant, sollte aber noch abgewartet werden, bevor es gewertet wird.
    Interessant aber auch: In China darf man sogar gegen Zensur demonstrieren ohne, daß gleich losgeknüppelt wird. Wo ist da eigentlich der viel beschworene Unterschied zu Hongkong (ehemals Kronkolonie des British Empire & nun China nach der Grundlage *Ein Land - zwei Systeme* zugehörig)? Darüber bitte denn ausführlicher berichten, nicht immer nur die Aufreger. Und immer aktuell über die neuesten Veränderungen unter dem Aspekt der Entwicklung."

    Xie

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  2. das sieht nicht schlecht aus.

    Ich hoffe, dass es den interessierten Kreisen in der westlichen Welt auch weiterhin nicht gelingt, irgendwelche Jasmin-, Orangen- oder was-auch-immer-Revolutionen in der Volksrepublik loszutreten.
    Wenn man relativ unbedeutende Staaten wie Libyen oder Syrien auf diese Weise destabilisiert, ist das für das Volk eine Katastrophe, hat aber wenig Einfluss auf die Welt.
    Bei China sähe das anders aus.

    Die Änderungen in China müssen made in China sein - und das, was auf diesem Gebiet in den letzten 20 Jahren geleistet wurde, kann sich wahrlich sehen lassen.

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    eine Jasmin- oder was auch immer Revolution anzetteln kann ist ziemlich gering. Denn diejenigen (siehe Liu Xiaobo, Ai Weiwei etc.) die sich in China vom Westen einspannen lassen, werden von den meisten Chinesen nicht erst genommen oder sind gar unbekannt. Die Chinesen und auch große Teile der KPCh wissen selbst, dass in ihrem Land viel falsch läuft. Aber sie wissen genauso, dass westliche Vorbilder und westliche Vorschläge kaum mehr als hohle Phrasen und Heuchelei sind.

    Die größere Gefahr liegt eher darin, dass der Westen mal wieder eine größere Provokation - a la Botschaftsbombardierung - planen könnte, in Syrien oder vielleicht auch künftig im Iran.

  3. eine Jasmin- oder was auch immer Revolution anzetteln kann ist ziemlich gering. Denn diejenigen (siehe Liu Xiaobo, Ai Weiwei etc.) die sich in China vom Westen einspannen lassen, werden von den meisten Chinesen nicht erst genommen oder sind gar unbekannt. Die Chinesen und auch große Teile der KPCh wissen selbst, dass in ihrem Land viel falsch läuft. Aber sie wissen genauso, dass westliche Vorbilder und westliche Vorschläge kaum mehr als hohle Phrasen und Heuchelei sind.

    Die größere Gefahr liegt eher darin, dass der Westen mal wieder eine größere Provokation - a la Botschaftsbombardierung - planen könnte, in Syrien oder vielleicht auch künftig im Iran.

    Antwort auf "Ja, gut so,"
  4. Sie brauchen für diese Form der Agitation keine Revolutionsführer, die kristallisieren sich im weiteren Verlauf des Aufstandes von selbst heraus.

    Man konnte das am Mittelmeer gut beobachten: es bedarf der Mobilisierung einer kritischen Masse von Unzufriedenen, und glauben Sie mir, Menschen, die mit irgendetwas im Staat nicht zufrieden sind, finden Sie überall auf der Welt in ausreichender Menge.
    Auch in China.
    Denen singt man das schöne Lied von Demokratie und Menschenrechten, bestärkt sie in dem Glauben, dass sie sich ihren Rechte selbst erkämpfen müssen (es gibt ja keinen rechtsstaatlichen Weg, mangels Demokratie!), und dann muss man nur noch die Staatsmacht diskreditieren, zum Beispiel durch tote oder verletzte Aktivisten, die auf unverhältnismäßige Gewalt seitens Polizei oder Armee zurückzuführen ist, und dann geht die Post schon ab!
    Sollten die Sicherheitskräfte wider Erwarten nicht ausreichend unverhältnismäßige Gewalt anwenden, kann man da ein wenig nachhelfen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, kg
  • Schlagworte Medien | Blog | Brief | Demokratie | Medienpolitik | Presse
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