Im syrischen Bürgerkrieg sind Vergewaltigungen ein ausschlaggebender Faktor für die Flucht von Frauen und jungen Mädchen in die Nachbarländer. Frauen würden verschleppt, vergewaltigt, gefoltert und getötet, teilte die US-Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) mit.

In dem IRC-Bericht Syrien: Eine regionale Krise heißt es, bei Befragungen im Libanon und in Jordanien hätten viele Frauen und Mädchen angegeben, in der Öffentlichkeit und zu Hause überfallen worden zu sein, in der Regel von bewaffneten Männern. Die Vergewaltigungen würden manchmal von mehreren Männern verübt und häufig vor den Augen der Familienmitglieder. Bisweilen würden die Opfer verschleppt, gefoltert und getötet. Wegen der "sozialen Konventionen und der Schmach" in Bezug auf Vergewaltigungen redeten aber nur wenige Opfer darüber.

Auch in den Flüchtlingslagern seien die Frauen vor Übergriffen nicht sicher. Dort komme es verstärkt zu Fällen häuslicher Gewalt, hieß es in dem Bericht des IRC, der auf Interviews mit Flüchtlingen basiert. In allen Kriegs- und Katastrophengebieten seien Frauen und Mädchen Opfer von physischer und sexueller Gewalt, Syrien sei da keine Ausnahme.

Die Flüchtlinge berichteten auch, dass Essen, Wasser und Strom knapp und die medizinische Versorgung schlecht seien. Syrische Mediziner berichten zudem von "gezielten Tötungen von Ärzten".

Hunderttausende Flüchtlinge

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) wurden seit Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen in Syrien im Frühjahr 2011 mehr als 600.000 Flüchtlinge in den Nachbarländern und in Nordafrika registriert, davon allein über 100.000 zwischen dem 11. Dezember und dem 11. Januar. In Syrien selbst gibt es mehr als zwei Millionen Flüchtlinge.

Vier Millionen Syrer benötigen nach UN-Schätzungen dringend Unterstützung. Nach Ansicht der Hilfsorganisation IRC treibt der Bürgerkrieg in Syrien den Nahen Osten in eine humanitäre Katastrophe. Die internationale Gemeinschaft müsse dringend ihre finanzielle Hilfe erhöhen. Sowohl Regierungstruppen als auch Rebellenkämpfern werden im syrischen Bürgerkrieg massive Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.