GleichberechtigungMehr als hunderttausend Menschen demonstrieren in Paris für Homo-Ehe

In Frankreich sind viele Menschen für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe auf die Straße gegangen. Das Gesetzesprojekt wird am Dienstag im Parlament diskutiert.

Kurz vor der Parlamentsdebatte über die geplante Einführung der Homo-Ehe und des Adoptionsrechts für homosexuelle Paare sind in Frankreich mehr als hunderttausend Menschen für das Vorhaben auf die Straße gegangen. An einer Kundgebung in Paris nahmen am Sonntag nach Polizeiangaben rund 125.000 Menschen teil, nach Veranstalterangaben waren es 400.000.

Nach Polizeiangaben vom Abend verlief der bunte Marsch durch die französische Hauptstadt friedlich. Die Organisatoren scheiterten allerdings damit, die Teilnehmerzahl einer Großdemonstration von Gegnern der Homo-Ehe zu übertreffen. An ihr hatten sich vor zwei Wochen laut Polizei 340.000 Menschen beteiligt. Die Organisatoren sprachen damals von sogar einer Million Demonstranten.

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Am Samstag hatte es bereits in Südfrankreich Demonstrationen der Befürworter für das Recht auf Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare gegeben. In Lyon waren es nach amtlichen Angaben 11.000 Menschen, die Organisatoren sprachen von 20.000 Teilnehmern. In Montpellier gingen nach offiziellen Angaben 2.100 Menschen auf die Straße, laut Organisatoren waren es 6.000 Demonstranten.

Laut einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop wird die Homo-Ehe von den Franzosen zunehmend befürwortet. 63 Prozent sprachen sich dafür aus, nachdem es Anfang Januar noch 60 Prozent gewesen waren. Für ein Adoptionsrecht homosexueller Paare waren 49 Prozent im Vergleich zu 46 Prozent am Monatsanfang.

Das Gesetzesprojekt soll von Dienstag an im Parlament diskutiert werden. Gegner haben mehr als 5.000 Änderungsanträge eingebracht. Mitglieder der konservativen Opposition fordern eine Volksabstimmung über das Projekt.
 

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Leserkommentare
  1. Es ist ein großer Fehler die Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe in einem Projekt mit der Möglichkeit der Adoption von Kindern zu kombinieren. Das spiegelt die Sichtweise wieder, die leider sehr verbreitet ist: Kinder werden als ein "Recht" der Eltern betrachtet. Und somit wird nicht nach dem Kindeswohl gefragt, sondern nach der vermeintlichen Gleichberechtigung zwischen homosexuellen und heterosexuellen Paaren getrachtet. Auf Kinder gibt es - in KEINER Elternkonstellation - einen Rechtsanspruch!

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    Natürlich muss bei Paaren, die ein Kind adoptiert werden, genau darauf geachtet werden, daß sie die notwendigen Qualifikationen dafür erfüllen.

    Es ist nur nicht einsichtig, warum das Geschlecht der Eltern eine Rolle spielen sollte.

    "Es ist ein großer Fehler die Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe in einem Projekt mit der Möglichkeit der Adoption von Kindern zu kombinieren. Das spiegelt die Sichtweise wieder, die leider sehr verbreitet ist: Kinder werden als ein "Recht" der Eltern betrachtet."

    Falsch! Die Zahl von Waisen, die von homosexuellen Paaren adoptiert werden, wird auch nach Verabschiedung des Gesetzes gering bleiben, weil viele Auslandsadoptionen die Heterosexualität der Adoptiveltern zur Bedigung machen. Worum es beim Adoptionsrecht in Frankreich vor allem geht, ist, dass die Partnerin einer Frau, die ein leibliches Kind hat, dieses adoptieren können möchte, um gesetzlich abgesichert zu sein. Stirbt z.B. die leibliche Mutter, so hat die andere Mutter des Kindes, also seine lebenslange Bezugsperson, derzeit absolut keinerlei Recht in Sachen Sorgerecht! Deswegen ist es ja genau im Sinne des Kindeswohls, dass beide Mütter rechtlich gleichgestellt werden. Denn: ob Sie es wollen oder nicht - diese Regenbogenfamilien existieren bereits, und zahlenmäßig nicht zu knapp! Es geht also um die Korrektur eines rechtlichen Vakuums.

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf undifferenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

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  3. Ich mache diese Anmerkung gefühlt zum tausendsten Mal: Wann lernen die JournalistInnen endlich, nicht "Homo-Ehe" zu schreiben? Es geht nämlich NICHT um die Einrichtung einer speziellen Sonderinstitution extra für Homosexuelle, sondern um die Ehe allgemein, also die, die Heteros schon seit Jahrhunderten eingehen und die nach dieser Gesetzesreform nun endlich Allen (Heteros wie Homos offensteht)! Die geplante Gesetzesreform heißt offiziell nicht umsonst "Le mariage pour tous". Und kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit journalistischer Freiheit oder der Behauptung, dass "Homo-Ehe" verständlicher wäre: Es ist inhaltlich nun mal nicht dasselbe!

    Weiterer Kritikpunk: "Die Organisatoren scheiterten allerdings damit, die Teilnehmerzahl einer Großdemonstration von Gegnern der Homo-Ehe zu übertreffen."
    Ich habe die Vorbereitung der Demo sehr genau verfolgt und gestern auch an ihr teilgenommen. Es war nie erklärtes Ziel, die Teilnehmerzahl der Homohasserdemo von vor 2 Wochen zu übertreffen. Somit ist der Ausdruck "scheitern" völlig fehl am Platze. Natürlich wünscht man sich bei einer Demonstration, die für die Verteidigung eines der Grundprinzipien der französischen Republik, nämlich GLEICHHEIT, einsteht, immer, dass noch mehr Leute auf die Straße gehen. In jedem Fall waren es dieses Mal doppelt so viele Teilnehmer wie bei der ersten Demo. Sie haben deutlich gemacht, dass den Homohassern und Scheinheiligen des Landes nicht einfach kritiklos das Feld überlassen wird, und das ist gut so.

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  4. "Es ist ein großer Fehler die Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe in einem Projekt mit der Möglichkeit der Adoption von Kindern zu kombinieren. Das spiegelt die Sichtweise wieder, die leider sehr verbreitet ist: Kinder werden als ein "Recht" der Eltern betrachtet."

    Falsch! Die Zahl von Waisen, die von homosexuellen Paaren adoptiert werden, wird auch nach Verabschiedung des Gesetzes gering bleiben, weil viele Auslandsadoptionen die Heterosexualität der Adoptiveltern zur Bedigung machen. Worum es beim Adoptionsrecht in Frankreich vor allem geht, ist, dass die Partnerin einer Frau, die ein leibliches Kind hat, dieses adoptieren können möchte, um gesetzlich abgesichert zu sein. Stirbt z.B. die leibliche Mutter, so hat die andere Mutter des Kindes, also seine lebenslange Bezugsperson, derzeit absolut keinerlei Recht in Sachen Sorgerecht! Deswegen ist es ja genau im Sinne des Kindeswohls, dass beide Mütter rechtlich gleichgestellt werden. Denn: ob Sie es wollen oder nicht - diese Regenbogenfamilien existieren bereits, und zahlenmäßig nicht zu knapp! Es geht also um die Korrektur eines rechtlichen Vakuums.

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  5. Natürlich muss bei Paaren, die ein Kind adoptiert werden, genau darauf geachtet werden, daß sie die notwendigen Qualifikationen dafür erfüllen.

    Es ist nur nicht einsichtig, warum das Geschlecht der Eltern eine Rolle spielen sollte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Paris | Gleichberechtigung | Recht | Hauptstadt | Homo-Ehe | Opposition
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