AlgerienViele Geiseln und Entführer sterben bei Luftangriff

Bei einem Luftschlag der algerischen Armee gegen die islamistischen Geiselnehmer wurden offenbar mehr als 30 Menschen getötet. Einigen war zuvor noch die Flucht gelungen.

Bei einem Angriff der nationalen Luftwaffe auf das Gelände einer Gasförderanlage bei In Amenas im Osten Algeriens sind laut Geiselnehmern 34 Geiseln und 15 Entführer getötet worden. Mit dieser Information zitierte die mauretanischen Nachrichtenagentur ANI einen Sprecher der Geiselnehmer, die dort eigenen Angaben nach mehr als 40 Menschen festgesetzt hatten. Der Sender Al Jazeera berichtete, dass der Angriff geschah, als die Geiseln in ein anderes Gebäude verlegt werden sollten.

Algerische Soldaten hätten vier ausländische Geiseln befreien können, meldete die staatliche algerische Nachrichtenagentur APS.

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Laut britischer Regierung hat Algerien bestätigt, dass eine Militäroperation im Gange ist.

Die Geiselnehmer sagten der Agentur ANI, dass in ihrer Gewalt noch immer sieben westliche Geiseln seien: drei Belgier, zwei Amerikaner, ein Brite und ein Japaner. Bei dem Luftangriff sei auch der Anführer des islamistischen Kommandos getötet worden, sagten sie.

Ausländer geflohen

Zuvor waren 30 algerische Arbeiter ihren Geiselnehmern entkommen. Ihnen gelang die Flucht aus dem Gasfeld, in dem Kämpfer einer islamistischen Gruppe Dutzende Menschen gefangen halten, meldete APS.

Laut dem algerischen Privatsender Ennahar konnten zudem 15 Ausländer fliehen. Unter den Entkommenen sei auch ein französisches Paar, berichtete der Sender unter Berufung auf eine "offizielle Quelle". Laut Reuters waren es sogar 25 Ausländer, die fliehen konnten.

Die Lage bei der Geiselnahme ist unübersichtlich, die Angaben zur Anzahl von ausländischen und algerischen Geiseln sind widersprüchlich. Auch die meisten anderen Informationen können nicht unabhängig überprüft werden.

Die algerische Armee hat die Anlage mittlerweile unter Kontrolle und den Einsatz beendet, berichtete der algerische Rundfunk. Ein Geiselnehmer sagte ANI, dass Kampfhubschrauber die Anlage beschossen hätten. Dabei seien mindestens zwei japanische Geiseln verletzt worden.

Die Al-Kaida nahestehende islamistische Gruppe hatte am Mittwoch die Einrichtungen in einem Erdgasfeld im Osten Algeriens gestürmt. Nach eigenen Angaben hielt sie zunächst mehr als 40 Ausländer als Geiseln, darunter Amerikaner, Briten, Franzosen und Japaner. Einem Teil der Geiseln sollen sie Sprengstoffgürtel umgelegt haben. Die Geiselnehmer fordern das Ende des Mali-Einsatzes französischer Truppen. Frankreichs Präsident François Hollande bestätigte inzwischen, dass auch Franzosen unter den Geiseln sind.

Unternehmen ziehen Mitarbeiter ab

Die Geiselnehmer sagten Al Jazeera, sie seien zu Verhandlungen bereit. Bedingung sei aber, dass sich die algerische Armee zurückziehe. Al Jazeera war es vor dem Luftangriff gelungen, mit Geiseln zu sprechen. Auch der Sender France24 konnte ein französische Geisel am Telefon erreichen. Sie sagte, die Geiseln würden gut behandelt. Ein festgehaltener Ire sagte, die Situation verschlechtere sich. Sie hätten Kontakt zu ihren Botschaften. Unter den Entführten seien auch etwa 150 algerische Arbeiter, hatte die irische Geisel am Mittag gesagt.

Ausländische Unternehmen bringen mittlerweile ihre Mitarbeiter in Sicherheit. Mitarbeiter, deren Anwesenheit für die Produktion nicht dringend notwendig ist, sollen außer Landes gebracht werden, teilte BP mit. Der spanische Konzern Cepsa holte die Mannschaft zweier Probebohrfelder zurück. Spanien bezieht einen großen Teil seines Erdgases aus Algerien.

Weitere Informationen über Twitter: von France24 (engl.), von der BBC oder via Reuters

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Leserkommentare
  1. Ich wurde aus unerklärlichen Gründen zensiert, obwohl ich nur zu ihrem Beitrag Stellung nahm.

    Deshalb noch ein Versuch.

    Sie schlagen also vor alle Extremisten umzubringen, bis keiner mehr lebt. Also da fehlen mir die Worte.

    Stattdessen sollten sie sich mal Fragen, warum es Extremisten gibt. Denn wenn sie ehrlich sind, werden sie erkennen, dass "westliche" Staaten eine Mitschuld für dortige Zustände tragen.

    Was sagen sie eigentlich zum Syrienkonflikt? Dort sind ja auch die von ihnen beschriebenen "Extremisten" am Werke. Sollte man diese, wie sie schreiben, auch alle bekämpfen bis keiner mehr lebt?

    Übrigens das hätten sie sich sparen können:

    "Leider, denn als Pazifist will ich keinen Krieg - aber die Realität hat keinen Platz für Pazifismus, wenn der Gegner der Islam ist."

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Naiv ist es..."
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    gab es lange vor der Existenz des 'Westens'!

    Stichwort: 'Kharijiden'

  2. gab es lange vor der Existenz des 'Westens'!

    Stichwort: 'Kharijiden'

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "neuer Versuch"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa, rav
  • Schlagworte Algerien | BBC | Ausländer | Agentur | BP | Information
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