VenezuelaChávez' Erben warten am Krankenbett

Venezuelas Präsident Chávez ringt mit dem Tod. Ob er am 10. Januar erneut seinen Eid ablegen kann, ist fraglich. Der Kampf um seine Nachfolge hat begonnen. von Camilo Jiménez

Oktober 2012. Wahlkampf in Venezuela. Hugo Chávez hält Reden in strömendem Regen. Er erobert die Straßen von Caracas und spricht vor brüllenden Menschenmassen. Rhetorisch glänzt er wie in seinen besten Momenten. Chávez siegt, am 7. Oktober wählen ihn die Venezolaner mit großer Mehrheit zum Präsidenten – zum vierten Mal. Doch viele fragen sich, woher der spätestens seit Sommer 2011 krebskranke Comandante die Energie nimmt, um Stimmen zu kämpfen.

Drei Monate nach diesem jüngsten Triumph hat ihn seine Krankheit eingeholt. In einem kubanischen Krankenhaus kämpft der 58-jährige Präsident Venezuelas derzeit um sein Leben. Im Juni 2011 war ihm ein Tumor im Beckenbereich entfernt worden. Wirklich glaubwürdige Berichte über seinen Gesundheitszustand gibt es nicht. Zuletzt hatte Chávez im Mai verkündet, die Behandlung sei abgeschlossen. Jetzt aber spricht viel dafür, dass er nicht wieder regieren können wird. Anfang Dezember musste er nach Kuba reisen. Die Ärzte fanden in seinem Körper "neue bösartige Zellen". Er müsse sich sofort einer Operation unterziehen, hieß es.

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Diesen Eingriff hat Chávez nicht gut überstanden. Kurz vor Anbruch der Silvesternacht sprach der frisch ernannte Vizepräsident Nicolás Maduro von einem "heiklen" Gesundheitszustand seines Chefs, von "Komplikationen" und von "Blutungen" in den Atemwegen und sagte das Neujahrsfest in Caracas ab. Chávez' Schwiegersohn, Technologie-Minister Jorge Arreaza, sagte kryptisch, der Präsident sei "stabil innerhalb eines fragilen Krankheitsbildes". Die spanische Zeitung ABC berichtete, Chávez befinde sich im künstlichen Koma.

Chávez will seinen Vize als Nachfolger

Zumindest einige Jahre lang könnte Chávez seine Krankheit noch durchstehen. Doch ob er weiter an der Macht bleiben kann, ist fraglich. Was, wenn er zum Amtsantritt am 10. Januar nicht erscheint? Diese Situation wäre in Venezuela ohne Beispiel und von der Verfassung nicht vorgesehen. Die Juristen grübeln, Regierungsmitglieder arbeiten an einer vermeintlich einfachen Lösung: Chávez soll seinen Eid einfach später ablegen.

So simpel dürfte es allerdings nicht sein. Die Opposition – auch außerhalb Venezuelas – könnte den Schachzug als Verfassungsbruch darstellen und so die Regierungskrise vertiefen. Als Chávez wieder krank wurde, stellte er zwei Forderungen für den Fall seines Todes: Maduro als Nachfolger und Respekt vor der Verfassung.

Sollten Chávez' Männer es trotzdem schaffen, die Spielregeln zu ändern, müssten sie unbestimmte Zeit warten, bis der Präsident wieder öffentlich auftreten kann. Dann läge das Amt zwar vorerst offiziell in Maduros Händen. Hinter den Kulissen müsste er sich jedoch auf eine schwierige Doppelspitze mit dem Vorsitzenden des als Asamblea Nacional bekannten Kongresses, Diosdado Cabello, verständigen.

Leserkommentare
  1. Nicht jeder lamentiert wenn der Chavez geht, genug Schaden hat er angerichtet, viele unerfüllbare Hoffnungen geweckt, viele Arme mit Illusionen stehen da und warten auf ein kostenloses müheloses Leben...Hass gesät und Zwietracht...Der Arme ist genau so arm wie vorher, glaubt aber besser da zustehen. Das ist seine einzigste Großtat.Die die können emigrieren, die ausgebildeten.... und das Land verelendet a la Nigeria oder Sambia...Nein, es lamentiert nicht jeder wenn er geht.

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  2. und eine schnelle Erholung von seinem Leiden.Was immer man an ihm bemängeln kann ,-nobody is perfect-siehe unsere eigenen Politiker,aber sein vorzeitiges Ableben wäre ein Verlust,nicht nur für viele in Venezuela,sondern auch in vielen Ländern Lateinamerikas.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Venezuela | Opposition | Präsident | Tumor | Verfassung | Vizepräsident
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