Einfache Antworten auf komplizierte Fragen sollten uns stets stutzig machen. Das gilt auch für Mali. In der Tat ist die derzeitige Krise um einiges vielschichtiger, als es die beliebte Aufteilung in Gut und Böse vermuten lässt. Und ebenso vielschichtig müssen unsere Lösungsansätze sein.

Von einer chronischen Nahrungsmittelknappheit in der gesamten Sahel-Zone über ungelöste territoriale Konflikte bis hin zur Vereinnahmung des Nordens durch überregional vernetzte Kräfte des organisierten Verbrechens bietet Mali ein derart komplexes Bild, dass eines klar sein sollte: Eine militärische Notintervention – wenn sie überhaupt eine adäquate Antwort darstellt – darf nicht die alleinige, erst recht keine dauerhafte Reaktion sein.

Auch die zahlreichen (mittlerweile vom Internationalen Strafgerichtshof untersuchten) Menschenrechtsverletzungen sind durch Luftbeschuss und Bodentruppen nicht auszumerzen. Angesichts der Aussage aber, man wolle politische Gespräche erst dann aufnehmen, wenn die demokratischen Verhältnisse wieder hergestellt sind, stellt sich nicht nur die Frage, ob diese jemals in Mali bestanden haben. Man mag auch bezweifeln, dass die internationale Gemeinschaft aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.

Prinzip der Schutzverantwortung darf nicht nur reaktiv sein

Der Kern der malischen Krise gleicht dem der vorangegangenen Militäreinsätze. Zwar war die Notlage seit Langem bekannt. Erneut wartete die internationale Gemeinschaft aber, bis sich genügend Argumente für eine militärische Intervention angehäuft hatten – inklusive der Unterstützung durch die malische Bevölkerung. Solange also das völkerrechtliche Prinzip der Schutzverantwortung nur in seiner reaktiven, nicht aber in seiner vorbeugenden Form verstanden wird, wird auch Mali eine militärische Intervention unter vielen bleiben. Und keine noch so pazifistische Gegenargumentation wird angesichts der entstandenen Dringlichkeit vollends zu überzeugen wissen.

Denn so verständlich die Verweise auf Frankreichs wirtschaftliche Interessen, auf seine neokoloniale Afrikapolitik, auf das Scheitern vergleichbarer Militäraktionen auch sein mögen – sie liefern keine Antwort auf die wichtigste Frage: Was wäre ohne den französischen Einsatz geschehen? Die einzig ehrliche Antwort ist hier wenig überzeugend: Wir wissen es nicht.

Sollte die Bundesregierung Frankreich in diesem Zusammenhang aktiver unterstützen? Sollte sie nicht. Alles deutet darauf hin, dass aus der proklamierten Kurzintervention gegen terroristische Organisationen wie Aqmi, Ansar Dine oder Mujao ein weiterer langwieriger Krieg unter internationaler Beteiligung erwachsen wird. Deutschland sollte sich in einen solchen Dauerkonflikt nicht hineinziehen lassen. Und auch die beschlossene EU-Trainingsmission für malische Soldaten wird ihr Ziel verfehlen, wenn der begleitende politische Dialog ausbleibt.