US-PräsidentschaftClinton schürt Spekulationen über Kandidatur für 2016

Kein Ja, aber auch kein klares Nein: In einem gemeinsamen Interview mit Obama hält sich die scheidende US-Außenministerin eine Kandidatur fürs Präsidentenamt offen.

Die scheidende US-Außenministerin Hillary Clinton bei einem Auftritt in Washington

Die scheidende US-Außenministerin Hillary Clinton bei einem Auftritt in Washington  |  © Brendan Hoffman/Getty Images

US-Außenministerin Hillary Clinton, die demnächst auf eigenen Wunsch das Kabinett von Präsident Barack Obama verlässt, hat eine Präsidentschaftskandidatur bei den Wahlen 2016 nicht gänzlich ausgeschlossen. "Ich kann keine Voraussage machen, was morgen oder nächstes Jahr passiert", sagte sie in einem Fernsehinterview. Doch es liege ihr weiter sehr am Herzen, "was in Zukunft mit unserem Land geschieht".

Das Interview gab die 65-Jährige zusammen mit ihrem Dienstherrn, der seine Außenministerin in den höchsten Tönen lobte. "Ich glaube, dass Hillary als eine der ausgezeichnetsten Außenministerinnen in die Geschichte eingehen wird", sagte Obama. Die Zusammenarbeit in den vergangenen vier Jahren sei "großartig" gewesen. Als einer seiner wichtigsten Berater habe die Außenministerin eine außergewöhnliche Rolle in seiner Regierung gespielt. "Ich werde sie vermissen."

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Mit diesem öffentlichen Lob befeuerte auch der Präsident Spekulationen um eine Kandidatur Clintons. Zumal er sich mit Clinton vor die Kamera setzte – und nicht mit Vizepräsident Joe Biden, dem ebenfalls Ambitionen auf die Kandidatur der Demokraten nachgesagt werden. Darauf angesprochen tat er die Frage aber mit einem Lachen ab. "Ihr Leute von der Presse seid unbelehrbar", sagte der Präsident. "Ich wurde vor vier Tagen vereidigt, und ihr sprecht über Wahlen in vier Jahren."

Auszeit von der Politik

Clinton ergänzte, sie leide immer noch unter Nachwirkungen eines Blutgerinnsels in ihrem Kopf, das eine Krankenhausbehandlung erforderlich gemacht hatte.

2008 war sie in den Vorwahlen der Demokraten gegen Obama angetreten, der sich dann aber durchsetzte und schließlich ins Weiße Haus einzog. Zur Überraschung vieler machte er Clinton zur Außenministerin. Nach Ablauf ihrer Amtszeit soll sie nun von John Kerry abgelöst werden, der den Präsidentenwahlkampf 2004 gegen Amtsinhaber George W. Bush verloren hatte.

Clinton hatte bereits vor Obamas Wiederwahl im November angekündigt, nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Mehrfach erklärte die Frau des früheren Präsidenten Bill Clinton, sich nach zwei Jahrzehnten als First Lady, Senatorin und Außenministerin für eine gewisse Zeit aus dem öffentlichen Leben zurückziehen und eine Auszeit von der großen Politik nehmen zu wollen.

Bengasi-Vorfall vom Tisch

Zahlreiche ihrer Parteikollegen hoffen, dass Clinton 2016 antritt. Noch nie war die 65-Jährige in ihrer Heimat so angesehen wie heute. In einer aktuellen Umfrage der Washington Post und des Senders ABC erreicht sie einen Beliebtheitswert von 65 Prozent. Die New York Times feierte Clinton, die als Außenministerin mehr als 100 Länder besuchte, als "Rockstar-Diplomatin".

Zuletzt musste sich Clinton vor einem Ausschuss des Senats wegen des Terrorangriffs auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi verantworten. Für die schwerwiegenden Sicherheitsmängel vor Ort – bei dem Angriff im September wurden vier amerikanische Diplomaten, darunter der Botschafter, getötet –  übernahm sie die volle Verantwortung. Für viele Beobachter in Washington machte sie damit ebenfalls den Weg für eine Kandidatur frei.

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Leserkommentare
  1. aber wenn fast 70 -jährige in die Regierungsverantwortung gehen (auch mangels Alternative) , dann ist was defekt in der Gesellschaft.

    13 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    als Figuren wie [...] Rösler, der im Leben noch gar nichts gerissen hat...

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    und dass Sie so viele Empfehlungen haben finde ich sehr bedenklich. Nicht das offizielle Alter sollte über eine Eignung entscheiden sondern die tatsächliche Kompetenz. Über eine Gesellschaft würde es eher etwas negatives aussagen, wenn man jemanden aufgrund seines Alters ablehnt. Das ist oberflächlich und nicht menschlich.

    • efünf
    • 28. Januar 2013 7:27 Uhr

    Das hat ja gerade noch gefehlt.

    2 Leserempfehlungen
    • scoty
    • 28. Januar 2013 8:07 Uhr

    so wie wir es aus Amerika gewohnt sind.

    Wenn ja wäre Sie die Erste in der Geschichte Amerikas.

    Eine Leserempfehlung
  2. Dank Wikileaks können wir Clinton's Verständnis von Demokratie und Datenschutz besser verstehen:

    "In July 2009, a confidential cable originating from the United States Department of State, and under US Secretary of State Hillary Rodham Clinton's name, ordered US diplomats to spy on Ban Ki-moon, Secretary-General of the United Nations, and other top UN officials. The intelligence information the diplomats were ordered to gather included biometric information (which apparently included DNA, fingerprints, and iris scans), passwords, and personal encryption keys used in private and commercial networks for official communications.It also included Internet and intranet usernames, e-mail addresses, web site URLs useful for identification, credit card numbers, frequent flier account numbers, and work schedules.The targeted human intelligence was requested in a process known as the National Humint Collection Directive, and was aimed at foreign diplomats of US allies as well."(Wikipedia)

    13 Leserempfehlungen
  3. Wie sieht diese Verantwortung aus, die sie voll übernimmt ?

    Sie übernimmt verbal die volle Verantwortung. Punkt.

    Inwiefern machte sie damit den Weg frei für eine Kandidatur?

    Sie kann theoretisch unbelastet in den Wahlkampf gehen.

    Fern von alledem, würden sich die Präsidentenfamilien wieder nur die Klinke in die Hand geben.
    [...]

    Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/fk.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Volle Verantwortung"
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    "Sie übernimmt verbal die volle Verantwortung. Punkt."

    Sie weichen aus.Da sind vier Menschen gestorben und die hinterlassen Familien.Wie sieht die Verantwortung von Frau Clinton aus ?

    "Sie kann theoretisch unbelastet in den Wahlkampf gehen."

    Das bezweifle ich.

  4. "Sie übernimmt verbal die volle Verantwortung. Punkt."

    Sie weichen aus.Da sind vier Menschen gestorben und die hinterlassen Familien.Wie sieht die Verantwortung von Frau Clinton aus ?

    "Sie kann theoretisch unbelastet in den Wahlkampf gehen."

    Das bezweifle ich.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "wie immer ahlt"
    • SuR_LK
    • 28. Januar 2013 8:32 Uhr

    war eine CIA Station und Stevens mit involviert in das Ausrüsten der Freiheitskämpfer für Libyen, Syrien naja eigentlich Nordafrika, nun sind ja viele Ex-Libya Abenteurer zurück nach Mali mit ihren neuen Spielzeugen. Was dort am 11.9. genau ablief wird keiner öffentlich sagen, und das Petraeus nicht deswegen sondern einer Liebschaft seinen CIA Chefposten verlor, naja.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Volle Verantwortung"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, kg
  • Schlagworte Barack Obama | Bill Clinton | Hillary Clinton | John Kerry | Außenminister | Bill Clinton
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