US-Außenministerin Hillary Clinton, die demnächst auf eigenen Wunsch das Kabinett von Präsident Barack Obama verlässt, hat eine Präsidentschaftskandidatur bei den Wahlen 2016 nicht gänzlich ausgeschlossen. "Ich kann keine Voraussage machen, was morgen oder nächstes Jahr passiert", sagte sie in einem Fernsehinterview. Doch es liege ihr weiter sehr am Herzen, "was in Zukunft mit unserem Land geschieht".

Das Interview gab die 65-Jährige zusammen mit ihrem Dienstherrn, der seine Außenministerin in den höchsten Tönen lobte. "Ich glaube, dass Hillary als eine der ausgezeichnetsten Außenministerinnen in die Geschichte eingehen wird", sagte Obama. Die Zusammenarbeit in den vergangenen vier Jahren sei "großartig" gewesen. Als einer seiner wichtigsten Berater habe die Außenministerin eine außergewöhnliche Rolle in seiner Regierung gespielt. "Ich werde sie vermissen."

Mit diesem öffentlichen Lob befeuerte auch der Präsident Spekulationen um eine Kandidatur Clintons. Zumal er sich mit Clinton vor die Kamera setzte – und nicht mit Vizepräsident Joe Biden, dem ebenfalls Ambitionen auf die Kandidatur der Demokraten nachgesagt werden. Darauf angesprochen tat er die Frage aber mit einem Lachen ab. "Ihr Leute von der Presse seid unbelehrbar", sagte der Präsident. "Ich wurde vor vier Tagen vereidigt, und ihr sprecht über Wahlen in vier Jahren."

Auszeit von der Politik

Clinton ergänzte, sie leide immer noch unter Nachwirkungen eines Blutgerinnsels in ihrem Kopf, das eine Krankenhausbehandlung erforderlich gemacht hatte.

2008 war sie in den Vorwahlen der Demokraten gegen Obama angetreten, der sich dann aber durchsetzte und schließlich ins Weiße Haus einzog. Zur Überraschung vieler machte er Clinton zur Außenministerin. Nach Ablauf ihrer Amtszeit soll sie nun von John Kerry abgelöst werden, der den Präsidentenwahlkampf 2004 gegen Amtsinhaber George W. Bush verloren hatte.

Clinton hatte bereits vor Obamas Wiederwahl im November angekündigt, nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Mehrfach erklärte die Frau des früheren Präsidenten Bill Clinton, sich nach zwei Jahrzehnten als First Lady, Senatorin und Außenministerin für eine gewisse Zeit aus dem öffentlichen Leben zurückziehen und eine Auszeit von der großen Politik nehmen zu wollen.

Bengasi-Vorfall vom Tisch

Zahlreiche ihrer Parteikollegen hoffen, dass Clinton 2016 antritt. Noch nie war die 65-Jährige in ihrer Heimat so angesehen wie heute. In einer aktuellen Umfrage der Washington Post und des Senders ABC erreicht sie einen Beliebtheitswert von 65 Prozent. Die New York Times feierte Clinton, die als Außenministerin mehr als 100 Länder besuchte, als "Rockstar-Diplomatin".

Zuletzt musste sich Clinton vor einem Ausschuss des Senats wegen des Terrorangriffs auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi verantworten. Für die schwerwiegenden Sicherheitsmängel vor Ort – bei dem Angriff im September wurden vier amerikanische Diplomaten, darunter der Botschafter, getötet –  übernahm sie die volle Verantwortung. Für viele Beobachter in Washington machte sie damit ebenfalls den Weg für eine Kandidatur frei.