Nuri Al-MalikiGegner von Iraks Regierungschef rücken zusammen

Seit Wochen gibt es Proteste gegen Iraks schiitischen Regierungschef Maliki, anfangs nur getragen von Sunniten. Nun schließen sich Vertreter anderer Lager an.

Gegner von Iraks Regierungschef al-Maliki bezeichnen ihn bei einer Demonstration Anfang Januar auf diesem Plakat als Lügner, Dieb und Kolloborateur.

Gegner von Iraks Regierungschef al-Maliki bezeichnen ihn bei einer Demonstration Anfang Januar auf diesem Plakat als Lügner, Dieb und Kolloborateur.  |  © Azher Shallal/AFP/Getty Images

Im Irak wächst der Protest gegen Regierungschef Nuri al-Maliki und vereint Aktivisten aus verschiedenen politischen und konfessionellen Lagern. Zwar werden die seit Weihnachten andauernden Demonstrationen vor allem von sunnitischen Irakern getragen. Doch am Dienstag schlossen sich auch schiitische Geistliche aus der Stadt Nadschaf dem Protest an.

Ali al-Nadschafi, der Sohn des Religionsgelehrten Baschir al-Nadschafi, sagte dem irakischen Nachrichtenportal Schafak, sein Vater unterstütze die Forderung der Demonstranten nach besseren staatlichen Dienstleistungen. Gleichzeitig habe er die Gegner des Ministerpräsidenten davor gewarnt, bei ihren Protestaktionen Parolen zu rufen, die den Frieden zwischen Sunniten und Schiiten gefährden oder das Regime von Exdiktator Saddam Hussein verherrlichen.

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Ausgelöst wurden die Proteste vor zwei Wochen durch die Festnahme von neun Leibwächtern des sunnitischen Finanzministers Rifaa al-Issawi wegen Vorwürfen des Terrorismus. Al-Issawi ist ein Kritiker al-Malikis, dem vorgeworfen wird, die Macht an sich bringen zu wollen. Demonstrationen gab es unter anderem in Bagdad sowie Ramadi, Tikrit, Samarra, Mossul und Kirkuk. Neben der Freilassung der Gefangenen fordern die Demonstranten politische Reformen. Zudem werfen sie Maliki vor, unter dem Einfluss des schiitisch geprägten Nachbarlands Iran zu stehen.

Parlamentsgruppen unterstützen Protest

Die Organisatoren der Proteste in der fast ausschließlich von Sunniten bewohnten Anbar-Provinz kündigten an, sie wollten Aktivisten und Politiker anderer Religionsgruppen zu einem Besuch einladen, damit sich diese mit den Anliegen der Demonstranten vertraut machen könnten.

Unterstützung hatten die Demonstranten bereits von der Bewegung des Schiitenpredigers Muktada al-Sadr sowie von der Allianz Al-Irakija, die beide im Parlament vertreten sind, bekommen. Der Vorsitzende von Al-Irakija, Ijad Allawi, forderte al-Maliki in einer Fernsehansprache zum Rücktritt auf.

Al-Maliki hatte die Demonstranten vor "ausländischen Mächten" gewarnt, die versuchten, das Land zu spalten und Gewalt zwischen den verschiedenen Religionsgruppen zu provozieren. Er hatte zudem damit gedroht, die Proteste mit Gewalt zu beenden.

Al-Maliki will verhandeln

Inzwischen ist der Regierungschef aber um eine versöhnlichere Tonlage bemüht. Er gab mehreren Ministern seiner Regierung den Auftrag, die "legitimen Forderungen der Demonstranten" anzuhören. In einer Erklärung seiner Regierung hieß es, die Demonstranten müssten nun ihrerseits ein Komitee bilden, das in ihrem Namen mit den Ministern sprechen solle. Bei einer Sitzung des Parlaments kam es zu Wortgefechten zwischen Abgeordneten der von Säkularen und Sunniten gegründeten Al-Irakija-Liste und der schiitischen Rechtsstaat-Koalition von al-Maliki.

In Kerbela demonstrierten am Dienstag auch mehrere Hundert Anhänger von al-Maliki. "Wir werden der Türkei, Katar und Saudi-Arabien nicht erlauben, die Einheit des Iraks zu zerstören", stand nach Angaben der Nachrichtenagentur Sumeria News auf einem ihrer Transparente.

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Leserkommentare
  1. Es tobt gerade ein Krieg zwischen Sunniten und Schiiten.

    Noch innerhalb der Staaten. Demnächst aber dann die vereinigte sunnitische Front gegen den Iran.

    Die Saudis drehen gerade am ganz großen Rad. Hatte mich schon über die deutschen Leo's gewundert. Da man mit Iran keine gemeinsame Landgrenze hat, wären sie nutzlos.

    Irak könnte dann aber ganz blöd aus der Wäsche gucken, wenn die Kampfhandlungen zwischen Saudis und Persern hauptsächlich auf irakischem Boden stattfinden.

    5 Leserempfehlungen
    • gooder
    • 08. Januar 2013 22:00 Uhr

    Es sollte auch mal wieder über die Aktivisten in Bahrein und Saudi-Arabien berichtet werden, die gegen die dortigen Machthaber aufbegehren.In Saudi-Arabien haben Sicherheitskräfte vor wenigen Tagen durch Schüsse auf Demonstranten einen Menschen getötet und sieben weitere verletzt.Seit mehr als einem Jahr demonstrieren die Menschen in dort gegen die Politik des Saud-Regimes und fordern Reformen, wobei die Sicherheitskräfte immer gewaltsamer gegen die Demonstranten vorgehen.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, tis
  • Schlagworte Regierungschef | Saddam Hussein | Gewalt | Irak | Nachrichtenagentur | Nuri Al-Maliki
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