Iraker besichtigen die zerstörten Gebäude nach der Bombenexplosion in Tus Chormato. © Marwan Ibrahim/AFP/Getty Images

Ein Selbstmordattentäter hat in einer schiitischen Moschee im Norden des Iraks mindestens 40 Menschen getötet. Nach Angaben der Polizei zündete er während einer Trauerfeier von Angehörigen der turkmenischen Minderheit einen Sprengstoffgürtel. 80 Menschen wurden bei dem Anschlag in der Ortschaft Tus Chormato etwa 175 Kilometer nördlich von Bagdad verletzt.

Der Anschlag war der schlimmste Angriff im Irak seit Juli. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand, doch verüben radikale sunnitische Gruppen wie Al-Kaida immer wieder derartige Angriffe auf Schiiten. Tus Churmatu liegt in einem Gebiet, das zwischen der Zentralregierung in Bagdad und der Autonomen Region Kurdistan umstritten ist.

Bei der Trauerfeier wurde ders Schwagers des Vizevorsitzenden der Turkmenenfront des Iraks, Ali Haschem Oghlu, gedacht. Der Schwager war am Vortag in Tus Churmatu erschossen worden. Unter den Verletzten waren auch Oghlu sowie weitere örtliche Regierungsvertreter und Stammesführer.

Der turkmenische Parlamentarier Abbas al-Bajati forderte die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki auf, die Siedlungsgebiete der Turkmenen besser zu schützen: "Ich gehe davon aus, dass diese Explosion mit der innenpolitischen Lage zusammenhängt."

Der Irak steckt seit Monaten in einer tiefen Krise. Die sunnitische Opposition wirft dem schiitischen Regierungschef Nuri al-Maliki vor, sich an die Macht zu klammern, ohne den Ausgleich mit anderen politischen Kräften zu suchen. Der sunnitische Vizepräsident Tarik al-Haschemi wurde in Abwesenheit wegen der Anordnung politischer Morde zum Tode verurteilt. Zudem sorgen Spannungen zwischen Arabern und Kurden für Unruhe.

Am Dienstag waren bei Anschlägen rund um Bagdad 26 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Bei einer Anschlagsserie zwischen dem 15. und 17. Januar, zu der sich Al-Kaida bekannte, waren landesweit 88 Menschen getötet worden.