Der Krieg gegen Irans Atomanlagen läuft seit Jahren und er läuft im Dunkeln. Die Etappen sind bekannt: der Stuxnet-Virus, der Turbinen der Anreicherung in Natans lahmgelegt hat; mysteriöse Explosionen in iranischen Raketendepots; Attentate auf iranische Nuklearwissenschaftler. Angeblich hat der Feind jetzt erneut zugeschlagen: in Fordo, der unterirdischen Urananreicherungsanlage nahe der Stadt Ghom, die im Zentrum des iranischen Atomprogramm steht und ganz oben als Ziel auf jeder Liste rangiert.

Einen Tag vor den israelischen Wahlen am vergangenen Dienstag soll dort eine mächtige Untergrundexplosion die Zentrifugen zerstört haben; 240 Arbeiter säßen in der unterirdischen Falle.

Im Internet tummeln sich Berichte, die alle gleich klingen und aus einer einzigen Quelle stammen: World News Daily, einer Anti-Regime-Webseite von nicht gerade 24-karätiger Glaubwürdigkeit. Der Autor ist ein gewisser Reza Khalili, ein Exil-Iraner in den USA, dem frühere Verbindungen zu iranischen Diensten und zu den Revolutionsgarden nachgesagt werden.

Der Mann versucht gerade, sein Buch A Time to Betray zu vermarkten. In einem Telefoninterview mit der israelischen Zeitung Ha’aretz behauptet er, sein Wissen basiere auf "mehreren Quellen bei den Revolutionsgarden sowie Regierungsbehörden und dem Amt des Revolutionsführers Chamenei".

Satellitenbilder geben nichts her

Wenn die Story stimmt, wäre es der größte Schlag, der je gegen das iranische Atomwaffenprogramm geführt worden wäre. Zumal es mit Fordo eine tief verbunkerte Anlage trifft, die von 60 Metern Gestein geschützt wird und nicht mit konventionellen Mitteln, nicht einmal mit dem amerikanischen Monster-Bunkerbrecher MOP, verlässlich geknackt werden kann.

Allerdings gibt es erhebliche Zweifel. Anshel Pfeffer beispielsweise, Iran-Experte der Ha’aretz, stellt die richtigen Fragen: Wenn eine so gewaltige Explosion Fordo erschüttert hätte, wären die Folgen dann nicht auf den Satellitenbildern zu erkennen? Zum Beispiel Rettungsfahrzeuge und –mannschaften mit schwerem Gerät, welche die Eingeschlossenen zu befreien suchen? Wieso wimmelt es in den sozialen Netzwerken nicht von Stimmen besorgter Familienangehörigen, die sich um die gefangenen Arbeiter ängstigen? Auch repressive Regime können solchen Digital-Verkehr nicht komplett ersticken.

Aus dem Iran kommen Dementis. Die Informationen über eine Explosion seien "falsch" und Teil "westlicher Propaganda", sagte am Montag der Vorsitzende des Außen- und Sicherheitsausschusses, Alaeddin Borudscherdi. Auch das Weiße Haus lässt wissen, dass es den Bericht nicht für glaubwürdig hält – seltene Eintracht zwischen Washington und Teheran.