AtomkonfliktExperten rätseln über Explosion in iranischer Atomanlage

Neuer Akt im Krieg gegen Irans Atomanlagen? Eine Explosion soll die zentrale Anlage in Fordo erschüttert haben. Sabotage oder Nervenkrieg, fragt Josef Joffe. von 

Der Krieg gegen Irans Atomanlagen läuft seit Jahren und er läuft im Dunkeln. Die Etappen sind bekannt: der Stuxnet-Virus, der Turbinen der Anreicherung in Natans lahmgelegt hat; mysteriöse Explosionen in iranischen Raketendepots; Attentate auf iranische Nuklearwissenschaftler. Angeblich hat der Feind jetzt erneut zugeschlagen: in Fordo, der unterirdischen Urananreicherungsanlage nahe der Stadt Ghom, die im Zentrum des iranischen Atomprogramm steht und ganz oben als Ziel auf jeder Liste rangiert.

Einen Tag vor den israelischen Wahlen am vergangenen Dienstag soll dort eine mächtige Untergrundexplosion die Zentrifugen zerstört haben; 240 Arbeiter säßen in der unterirdischen Falle.

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Im Internet tummeln sich Berichte, die alle gleich klingen und aus einer einzigen Quelle stammen: World News Daily, einer Anti-Regime-Webseite von nicht gerade 24-karätiger Glaubwürdigkeit. Der Autor ist ein gewisser Reza Khalili, ein Exil-Iraner in den USA, dem frühere Verbindungen zu iranischen Diensten und zu den Revolutionsgarden nachgesagt werden.

Der Mann versucht gerade, sein Buch A Time to Betray zu vermarkten. In einem Telefoninterview mit der israelischen Zeitung Ha’aretz behauptet er, sein Wissen basiere auf "mehreren Quellen bei den Revolutionsgarden sowie Regierungsbehörden und dem Amt des Revolutionsführers Chamenei".

Satellitenbilder geben nichts her

Wenn die Story stimmt, wäre es der größte Schlag, der je gegen das iranische Atomwaffenprogramm geführt worden wäre. Zumal es mit Fordo eine tief verbunkerte Anlage trifft, die von 60 Metern Gestein geschützt wird und nicht mit konventionellen Mitteln, nicht einmal mit dem amerikanischen Monster-Bunkerbrecher MOP, verlässlich geknackt werden kann.

Allerdings gibt es erhebliche Zweifel. Anshel Pfeffer beispielsweise, Iran-Experte der Ha’aretz, stellt die richtigen Fragen: Wenn eine so gewaltige Explosion Fordo erschüttert hätte, wären die Folgen dann nicht auf den Satellitenbildern zu erkennen? Zum Beispiel Rettungsfahrzeuge und –mannschaften mit schwerem Gerät, welche die Eingeschlossenen zu befreien suchen? Wieso wimmelt es in den sozialen Netzwerken nicht von Stimmen besorgter Familienangehörigen, die sich um die gefangenen Arbeiter ängstigen? Auch repressive Regime können solchen Digital-Verkehr nicht komplett ersticken.

Aus dem Iran kommen Dementis. Die Informationen über eine Explosion seien "falsch" und Teil "westlicher Propaganda", sagte am Montag der Vorsitzende des Außen- und Sicherheitsausschusses, Alaeddin Borudscherdi. Auch das Weiße Haus lässt wissen, dass es den Bericht nicht für glaubwürdig hält – seltene Eintracht zwischen Washington und Teheran.

Leserkommentare
  1. Affen ins All zu schicken, sollten vielleicht die Mullahs ihren Geheimdienst verbessern.

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    ""Statt..Affen ins All zu schicken, sollten vielleicht die Mullahs ihren Geheimdienst verbessern""

    Nehmen sie Bezug auf den Nokia-Siemens Deal , oder etwa andere 'Klangheimlichkeiten' ?

    "affe im All"?
    Ich denke, es war eine Ente - eine Zeitungsente.

  2. ..warum ein so ausführlicher Artikel?

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und diskutieren Sie den konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/jp

    Damit wenn du demnächst irgendwo von den Anschlägen auf iranische AKWs hörst weißt: Aha, das beruht nur auf Spekulationen und die Quelle ist ein unseriöses Internetportal.

    Solche Geschichten müssen doch weiter gesponnen werden. Und selbst eine äusserst dubiose Geschichte erhält durch den ZEIT Stempel eine gewisse Relevanz.

    Wenn ein ganz offenbar umstrittenes Thema in der Welt ist, dann ist die seriöse Erläuterung der bekannten Umstände genau das, was ich von einer Zeitung erwarte.
    Wer das kritisiert, der verwechselt Aufklärung mit den Aufgeregtheiten der stimmungsmachenden Medienwelt.

  3. müsste zumindest in den nächstgelegenen Erdbebenwarten registriert worden sein. Dieser Ansatz ist für mich wesentlich naheliegender, als irgendwelche Spekulationen um Satellitenbilder.

    Als Beispiel sei hier die ZAR-Bombe genannt, die größte jemals von Menschen verursachte Explosion.
    Das Erdbeben, welches durch die Detonation ausgelöst wurde, hatte eine Stärke von 5.25 auf der Richterskala und ging drei Mal um die Erde.
    http://de.wikipedia.org/w...

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    bisher sind anhand der Signatur der Wellenverhältnisse erst Detonationswerte > 1kt einer Kernexplosion eindeutig zuzuordnen.

    Allerdings pflanzen sich bei einer solchen Gebirgsüberdeckung in Folge der guten Einkopplung auch konventionelle Detonationen kleineren Maßstabes über erhebliche Distanzen fort.Beispielsweise entlag der Hauptstörungszonen die im besagten Gebiet NNW-SSE "streichen", also orientiert sind. Denn diese Störungszonen sind aufgrund der natürlichen Gebirgsbildungsprozesse sowies gewissermaßen vorgespannt und eine künstlich herbeigeführter zusätzlicher Druchaufbau würde eine ganze Kette von Entspannungsbeben nach sich ziehen.

    Ein solches Ereignis sollte seismisch gut fassbar sein, da es sich deutlich vom "ortsüblichen" Entspannungsverhalten unterscheiden kann.

    In den vergangenen 4 Tage gabs in der Region auch ein paar Flachbeben, aber ohne die zugehörigen Frequenzspektren läßt sich nicht mehr dazu sagen.

    Immerhinläßt sich die Größenordnung eines die Oberfläche erreichenden Ereignisses aus Gesteinsfestigkeit, Mächtigkeit und Ausbaustärke der Anlage annähern.

    Beste Grüße CM

    • Karl63
    • 29. Januar 2013 10:08 Uhr

    dann kommt es hin.
    Die "ZAR-Bombe" war eine experimentelle Kernwaffe, deren Zweck mehr in einer Demonstration der eigenen Fähigkeiten bestand. Alle Berichte dazu bestätigen, das Ding war so groß und schwer (27 Tonnen), dass keinerlei (wirkliche) Verwendbarkeit als Waffensystem gegeben war.
    Mit der Anreicherung von Uran hat diese Kernwaffe ungefähr soviel zu tun, wie der Motorblock eines Formel1-Rennwagen mit einer Fabrik, die Aluminium aus Bauxit gewinnt.
    Selbstverständlich wird bei der Anreicherung von Uran mit chemischen Substanzen hantiert, die für den Menschen extrem Giftig sind. Auch ist nicht auszuschließen, dass einige der verwendeten chemischen Verbindungen mit dem Sauerstoff der Luft explosiv reagieren können. Eine durch eine chemische Reaktion verursachte Explosion ist dennoch etwas grundsätzlich Anderes als eine thermonukleare Kettenreaktion. Beides in einem Kontext zu benennen ist schlicht Unsinn.
    Was der Artikel von Herrn Joffe klar belegt ist der Mangel an überprüfbaren Informationen. Möglicherweise hat es einen Unfall gegeben und möglicherweise sind Menschen zu Schaden gekommen. Möglicherweise hat auch jemand "gezielt nachgeholfen", oder aber es ist schlicht nichts außergewöhnliches passiert und das Ganze ist schlicht gezielt Desinformation - wir wissen es schlicht nicht.

    • SonDing
    • 29. Januar 2013 12:19 Uhr

    mein Augenmerk gilt gar nicht der nuklearen Komponente einer möglichen Waffe oder der Anlage, die man so gerne vernichten möchte.

    Das Beispiel dient schlicht und einfach als Anschauung dafür das Explosionen, egal welcher Art, Wellen auch in der Erde verursachen. Sicher war dies jetzt kein perfektes Beispiel, da diese Bombe Aussen getestet wurde, jedoch belegt der Fall eindrucksvoll, dass man eine grössere Explosion, nicht so einfach verheimlichen kann kann.

    • SonDing
    • 29. Januar 2013 12:42 Uhr

    Hier noch mal zum nachlesen:

    "Seismometers also record signals from non-earthquake sources ranging from explosions (nuclear and chemical), to local noise from wind or anthropogenic activities, to incessant signals generated at the ocean floor and coasts induced by ocean waves (the global microseism), to cryospheric events associated with large icebergs and glaciers."
    http://en.wikipedia.org/w...

    • SonDing
    • 29. Januar 2013 22:59 Uhr

    Die Produktion in Fordo, wird meines Wissens ständig, dh. rund um die Uhr, durch dort installierte IAEO-Videokameras, höchstwahrscheinlich auch übers Internet, überwacht.

    "All nuclear activities in Iran including enrichment in Natanz and Fordo are under the supervision of the International Atomic Energy Agency" and everything is monitored round the clock by IAEA inspectors and the cameras installed by the IAEA.
    http://www.payvand.com/ne...

    Mein letzter Tipp an Herrn Joffe:

    Rufen Sie doch einfach mal in Wien an. Oben steht die Nummer.

  4. bisher sind anhand der Signatur der Wellenverhältnisse erst Detonationswerte > 1kt einer Kernexplosion eindeutig zuzuordnen.

    Allerdings pflanzen sich bei einer solchen Gebirgsüberdeckung in Folge der guten Einkopplung auch konventionelle Detonationen kleineren Maßstabes über erhebliche Distanzen fort.Beispielsweise entlag der Hauptstörungszonen die im besagten Gebiet NNW-SSE "streichen", also orientiert sind. Denn diese Störungszonen sind aufgrund der natürlichen Gebirgsbildungsprozesse sowies gewissermaßen vorgespannt und eine künstlich herbeigeführter zusätzlicher Druchaufbau würde eine ganze Kette von Entspannungsbeben nach sich ziehen.

    Ein solches Ereignis sollte seismisch gut fassbar sein, da es sich deutlich vom "ortsüblichen" Entspannungsverhalten unterscheiden kann.

    In den vergangenen 4 Tage gabs in der Region auch ein paar Flachbeben, aber ohne die zugehörigen Frequenzspektren läßt sich nicht mehr dazu sagen.

    Immerhinläßt sich die Größenordnung eines die Oberfläche erreichenden Ereignisses aus Gesteinsfestigkeit, Mächtigkeit und Ausbaustärke der Anlage annähern.

    Beste Grüße CM

    9 Leserempfehlungen
  5. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und diskutieren Sie den konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/jp

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    Ich wüsste nicht, warum dies pro-Kriegs Propaganda sein sollte - aus israelischer Sicht würde mit einer Zerstörung der Anlage der Kriegsgrund eher schwächer. Es klingt für mich eher nach einem Wichtigtuer, der sein Buch verkaufen will.

  6. ""Statt..Affen ins All zu schicken, sollten vielleicht die Mullahs ihren Geheimdienst verbessern""

    Nehmen sie Bezug auf den Nokia-Siemens Deal , oder etwa andere 'Klangheimlichkeiten' ?

    Antwort auf "Statt.."
  7. derzeit Hochkunjunktur zu haben:

    "Britam-Fakes
    Der folgende Text betrifft die vor ein paar Tagen aufgetauchten “Leaks” der britischen Sicherheitsfirma"
    http://apxwn.blogspot.de/...

    3 Leserempfehlungen
  8. 8. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/jk

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