Naher Osten Israel bestätigt Luftangriff auf Konvoi in Syrien

Israel soll gegenüber den USA eingeräumt haben, dass seine Luftwaffe einen Konvoi in Syrien bombardiert hat. Der habe Flugabwehrwaffen an die Hisbollah liefern sollen.

Ein israelisches Kampfflugzeug (Archivbild)

Ein israelisches Kampfflugzeug (Archivbild)

Amerikanische Regierungsbeamte sind nach US-Medienberichten über einen israelischen Raketenangriff in Syrien informiert worden. Die Kampfjets hätten nahe der Hauptstadt Damaskus einen Konvoi bombardiert, der mit hochmodernen Flugabwehrwaffen auf dem Weg zur Hisbollah-Miliz im Libanon gewesen sei, berichtete die New York Times. Israel habe die USA über seine Attacke in Kenntnis gesetzt, schrieb die Zeitung unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Informanten.

Der erste israelische Luftangriff auf syrischem Gebiet seit 2007 löse Besorgnis aus, dass der Bürgerkrieg in dem Land sich auf die Region ausweite, schrieb die Washington Post. Von der israelischen Regierung gab es keinen Kommentar.

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Syrien hatte die israelische Luftwaffe zuvor beschuldigt, Ziele nahe der Hauptstadt Damaskus bombardiert zu haben. Die Kampfjets hätten am Mittwoch ein Forschungszentrum für militärische Zwecke attackiert, hieß es in der von syrischen Staatsmedien verbreiteten Erklärung. Nach syrischen Angaben sollen bei den Angriffen zwei Menschen getötet worden sein.

Aus dem Libanon wurden die Meldungen über den Angriff dementiert. "Die Meldungen über einen israelischen Angriff an der syrisch-libanesischen Grenze entbehren jeder Grundlage", meldete die staatliche Nachrichtenagentur NNA. Die libanesischen Streitkräfte räumten ein, israelische Flugzeuge seien in der Nacht zum Mittwoch in den südlibanesischen Luftraum eingedrungen. "Jets haben die Region um Mitternacht herum in geringer Höhe überflogen, und es war ein Geräusch wie vom Durchbrechen der Schallmauer zu hören", hieß es. Die UN-Truppen im Libanon teilten mit, sie hätten keine Informationen über einen möglichen Angriff.

Israel verlegt Raketenabwehrsystem in den Norden

Israel hatte wiederholt mit Angriffen auf Konvois gedroht, die Chemiewaffen oder andere Waffen zur radikalislamischen Hisbollah-Miliz in den Libanon bringen könnten. Am Sonntag verlegte die israelische Armee zwei Batterien eines neuen Raketenabwehrsystems in den Norden des Landes. Zudem rief Regierungschef Benjamin Netanjahu zur Wachsamkeit vor den Bedrohungen für Israels Sicherheit auf – unter anderem aus Syrien.

Die Hisbollah-Miliz legte als Reaktion auf den Luftangriff einen Treueschwur zum Regime von Präsident Baschar al-Assad ab. "Hisbollah erklärt ihre volle Solidarität mit der syrischen Führung, ihrer Armee und dem Volk", teilte die Organisation mit. Man verurteile den israelischen Angriff auf eine syrische Forschungseinrichtung.

In Syrien kämpft das Regime von Präsident Baschar al-Assad seit knapp zwei Jahren gegen die Opposition. In dem Bürgerkrieg sind nach UN-Schätzungen mehr als 60.000 Menschen ums Leben gekommen. Auf Seite der Rebellen kämpfen auch Islamisten, die das Existenzrecht Israels infrage stellen. Die syrische Hauptstadt Damaskus ist nur 50 Kilometer von den Golanhöhen entfernt, die Israel besetzt hat.

 
Leser-Kommentare
  1. Auch wenn die israelische Palestinenser-Politik sicher kritisierbar ist, so ist ein Luftschlag gegen die Hizbulla (auf Syrischem Boden) ein nachvollziebarer Schritt. Diese schiitische Miliz birgt wohl das größte Risiko für den jüdischen Staat, weil elementar von der Achse Syrien-Iran unterstützt. Völkerrechtlich mag der Luftschlag bedenklich sein, militärisch ist er nachvollziehbar. Ich rate von einem "Israel-Bashing" in dieser Sache ab. Bei einer derartigen Bedrohungslage hätte wohl jeder Staat ähnlich reagiert.

    Der einzige Profiteur wird wohl Al Assad sein. Bei einem mit Konflikt mit Israel kann dies nationale Kräfte wieder bündeln und so die Halbwertszeit des Regime verlängern.

    4 Leser-Empfehlungen
  2. Wenn sich die syrische Version bestätigt - und das dürfte nicht schwerfallen - dann werden wir sehen, wie das Thema von den "Menschenrechtlern" im UN-Gremium behandelt wird.

    Dann wird sich wieder einmal zeigen, ob die UNO wirklich in der Lage ist, Konflikte zu lösen oder sich weiterhin, als von Kriegslobbyisten unterwanderte Nullnummer, zu präsentieren.

    11 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Man stelle sich vor"
    • eras
    • 31.01.2013 um 8:59 Uhr
    11. [...]

    "Israel tritt das Völkerrecht mit Füssen und bombardiert fremdes Territorium."

    Wissen Sie, als jemand der in der Region lebt, ist mir diese geheuchelte europäische Völkerrechtsmahnung sowas von Brust...

    Wenn in ihrer Nachbarschaft ein Regime auseinander fällt, die Kontrolle über seine Giftgasreserven und hochmoderne Waffen verliert und militante Islamisten kurz davor stehen, sich dieser zu bemächtigen, dann würden Sie die bestimmt auch gewähren lassen, weil man ja aus Völkerrechtsgründen nichts machen kann, nicht wahr?

    Die Chemiewaffen im bombardierten Komplex nahe Damaskus - denn das scheint der eigentliche Grund der Intervention gewesen zu sein -(http://www.ynetnews.com/a...) wurden bei dem Angriff wohl vollständig zerstört, ohne dass die Bevölkerung in der Umgebung der Anlage unter ihnen zu leiden hatte. Und auch in Israel kann man nach der Vernichtung dieser Waffen deutlich ruhiger schlafen. Meinetwegen können die Israelis sämtliche Giftgasreserven von Assad auf die gleiche Art und Weise entsorgen. Ob Ihnen das gefällt oder nicht, dass ist mir und wohl auch den meisten anderen Einwohnern der potenziell betroffenen Gebiete herzlich egal...

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

    12 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Im Osten nichts Neues:"
  3. ...islamisten" - was der "westen" augenscheinlich auch drauf hat und regelmäßig praktiziert.

    6 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Etwas Weitergedacht..."
    • eras
    • 31.01.2013 um 9:06 Uhr

    "...und heute schweigt Deutschland wegen des schlechten Gewissens und Schamgefühle wegen der Ahnen."

    Nö...man schweigt in Berlin, weil man weiß, dass die Israelis keine Wahl hatten. Und weil man froh ist, dass sich jemand des Problems der syrischen C-Waffen annimmt.

    "Aber gleichzeig auch fresch überheblich gegenüber von Arabern. Siehe Meldungen über Mursi!"

    Mursi ist angereist, um die BRD um Geld zu bitten. Und bevor man ihm in Berlin einen Scheck ausstellt, darf man wohl durchaus darauf hinweisen, dass man nicht für die Errichtung einer neuen, ägyptischen Diktatur zahlt. Im Übrigen war es mal an der Zeit, dass man den Herrn mit seiner "Affen und Schweine"-Bemerkung konfrontiert...

    10 Leser-Empfehlungen
  4. ........."Israel-Bashing" in dieser Sache ab.......

    das machen die israelis schon ganz alleine!

    3 Leser-Empfehlungen
  5. Aggressor (Deutsch)
    Bedeutungen:
    [1] allgemein: Angreifer; jemand, der einen Konflikt auslöst
    [2] speziell: Staat oder Oberhaupt eines Staates, das rechtswidrig einen anderen Staat angreift
    http://de.wiktionary.org/...

    Bezüglich Ihrer Unterstellungen, ich würde mich mit dem Thema nicht ausreichend auseinandersetzen und nur Überschriften lesen:

    http://www.zeit.de/politi...

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Welcher Aggressor"
    • NiktaM
    • 31.01.2013 um 9:12 Uhr

    So weit! Jetzt dürfen wir Bestätigung haben, dass sich Vermeiden jeder Kritik des Israels aus allen bekannten Gründen gelohnt hat, um mit einem echten Verbündeten im Nahen Osten zu rechnen, der sich leisten kann, was westlichen Regierungen noch planen. Nach der Intervention in Irak, wo angeblich Nuklearwaffen zum Angriff auf unsere Werte bereit gestellt waren, sollten jetzt sogar politisch Naiven verstehen, warum täglich Einpflanzung in die Hirne über syrischen Chemiewaffen stattfindet! Es läuft Kampf für öffentliche Meinung, die überzeugt werden soll, dass die modernen Kreuzritter dies mal auf dem rechten Weg sind! Was stört eigentlich, das zu beschleunigen?! Ah ja, wenn wir zu schnell sind, dann kann plötzlich einen kurdischen Staat entstehen, den keiner will, außer Kurden selbst, und unser zweiter echter Partner Türkei wird sich schrumpfen müssen! Es gibt noch Flüchtlingsproblem, das dank künstlicher Pflege s.g. syrischer Opposition mit illegalen Waffenlieferungen verursacht worden war. Flüchtlinge müssen jetzt vom Westen gerettet werden! Ja, sicher, wenn man selber was verursacht hat! Aber lasst uns dann konsequent überall und nicht nur wählrisch sein! Lasst uns Tibetaner retten, für Minderheiten in Sudan einsetzen, für die Schwulen in Russland kämpfen! Nun es gibt auch nähre, edle Ziele: lasst uns für Basken einsetzen! Lasst uns Grönland den Ureinwohnen schenken! Zu viel unerwünschter Information? Nun dann ist auch Platz 17 für Pressefreiheit erklärbar!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, nf
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  • Schlagworte Israel | Syrien | Libanon | Chemiewaffen
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