Israels früherer Geheimdienstchef Juval Diskin will nicht länger schweigen: Zweieinhalb Wochen vor der Wahl sagte Diskin in einem Interview mit der Zeitung Jediot Achronot, er müsse reden, bevor es zu spät sei – denn es drohe ein dritter Palästinenseraufstand und ein bewaffneter Konflikt mit dem Iran. Verbunden mit dieser Warnung übte Diskin ungewöhnlich scharfe Kritik an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak.

Diskin sagte, Netanjahu und Barak hätten persönliche Interessen über die des Staates gestellt. "Ich und auch viele andere hochrangige Mitarbeiter des Sicherheitsapparates haben den Eindruck bekommen, dass Netanjahu und Barak persönliche, opportunistische und kurzfristige Interessen wichtiger als alles andere nehmen", sagte der 2011 als Chef des Inlandsgeheimdienstes abgetretene Diskin.

Beispiele nannte Diskin mit Hinweis auf die Geheimhaltungspflicht nicht. Dennoch verriet er so viel: Es habe große Zweifel gegeben, ob Netanjahu und Barak die Statur gehabt hätten, Israel bei dem von ihnen angedrohten Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm zu führen.

Diskin fürchtet dritte Intifada

Ängstlichkeit und Entscheidungsschwäche Netanjahus hätten zudem den gemäßigten Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas geschwächt und die radikalislamische Hamas gestärkt. Wegen der Verzweiflung der Palästinenser drohe nun ein dritter Palästinenseraufstand.

Netanjahus Büro wies die Kritik als lächerlich zurück. Noch vor sechs Monaten wollte Diskin Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad werden. Er sei jetzt nur frustriert darüber, dass dies nicht geklappt habe.