KoalitionsverhandlungenIsraels Wahlgewinner macht Friedensgespräche zur Bedingung

Die Zukunftspartei hat große Chancen, mit dem Bündnis von Benjamin Netanjahu zu koalieren. Dafür stellt sie aber eine Bedingung, die dem Premier nicht gefallen dürfte.

Yair Lapid, Spitzenmann der israelischen Partei Jesh Atid

Yair Lapid, Spitzenmann der israelischen Partei Jesh Atid  |  © Ahmad Gharabli/AFP/Getty Images

Yair Lapid, Spitzenmann der israelischen Partei Jesh Atid (Wir haben Zukunft), hat Friedensverhandlungen mit den Palästinensern zur Bedingung für eine Regierungsbeteiligung gemacht. Dies dürfte die Koalitionsgespräche erschweren: Der wahrscheinliche Regierungspartner, das Bündnis Likud-Beiteinu mit Premier Benjamin Netanjahu, hatte im Wahlkampf Zugeständnisse an die Palästinenser strikt abgelehnt. Keine einzige der im Westjordanland errichteten israelischen Siedlungen wolle er räumen lassen, hatte Netanjahu gesagt.

Strenggläubige auch zum Militärdienst

Netanjahus Bündnis war bei der Wahl am Dienstag trotz Verlusten stärkste Kraft geworden, er dürfte den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten. Netanjahu hatte sich bereits bei Lapid als Koalitionspartner ins Gespräch gebracht. Auch Lapid hat Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit signalisiert. (Eine Übersicht der Parteien finden Sie hier)

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Lapid verlangte außerdem laut der Zeitung die Zeitung Jediot Achronot, dass auch strenggläubige Juden Wehrpflicht leisten müssen.

Der frühere TV-Journalist hatte mit seiner liberalen Zukunftspartei bei der Parlamentswahl einen Überraschungserfolg erzielt. Seine Partei wurde mit 19 von 120 Mandaten zweitstärkste Kraft in der Knesset, dem Parlament.

Die offiziellen Koalitionsverhandlungen könnten kommende Woche beginnen. Zuvor muss Präsident Schimon Peres mit allen Parteiführern über die Frage beraten, wer für die Regierungsbildung am ehesten infrage kommt.

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Leserkommentare
  1. ...hoffentlich laesst sich Netanjahu darauf ein!

    7 Leserempfehlungen
  2. hat er ein bestimmtes ergebnis zur bedingung gemacht?

  3. wird Netanjahu Lapid vielleicht in Aussicht stellen, um sie dann weiter zu boykottieren. Von der Vereinnahmung des kompletten, oder wenigstens des brauchbaren Westjordanlands wird er währendessen nicht abrücken. Auf der Basis kann aber kein Frieden mit den Palästinensern geschlossen werden. Also würde Lapid sich wohl zum nützlichen Idioten machen lassen, falls er mit Netanjahu koaliert. Aber das dürfte er selbst wissen. Schon die Arbeitspartei hat Netanjahu per Koalition weitgehend neutralisiert bzw. zerlegt.
    Wenn Lapid wirklich einen Frieden wollte, müsste er mindestens Netanjahu zum Verzicht als Ministerpräsidentt und auf jeglichen Kabinettsposten bewegen. Das wird kaum gelingen. Er müsste auch die Trennung von beitenu/Liebermann fordern, was auch nicht gelingen wird.
    Aber was heißt eigentlich "liberal" bei Lapid? Nur wirtschaftsliberal? dann wäre er ja ein kongenialer Partner für Netanjahu und würde seinen politischen Non-Konformismus Aufgeschlossenheit nur vortäuschen. Oder liberal im Sinne von politisch und kulturell offen? Dann wird er, wie gesagt, über eine Koalition mit Netanjahu gar nichts ausrichten, sondern seine Anhänger und seine eigene politische Moral hinters Licht führen und der Friedenspolitik als dann nützlicher Idiot der Hardliner nur schaden.

    2 Leserempfehlungen
  4. Dass diese Zukunftspartei so viele Stimmen erhalten hat, freut mich. Hier kommt mit Lapid nun hoffentlich ein neuer Schwung in die israelische Politik, die auf Frieden und Ausgleich mit den Palestinensern ausgerichtet ist. Diese ständige Ausdehnung der Siedlungspolitik ist Gift für die ganze Region.

    2 Leserempfehlungen
    • JThaler
    • 24. Januar 2013 18:26 Uhr

    So sieht also die Bedrohung für den Weltfrieden aus...

    Wahrscheinlich tarnt er sich nur, indem er so aussieht wie George Clooney. Schon bald wird er sein wahres Gesicht zeigen.

    Ich höre schon die weisen Unkenrufe aus Deutschland über das Mittelmeer hallen.

    Israel bewegt sich. In die richtige Richtung. Die israelische Bevölkerung hat sich nicht radikalisiert.
    Was darf man von der Hamas erwarten?

    2 Leserempfehlungen
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    Wann und wo hat denn Grass behauptet, Israel an sich oder Yair Lapid im besonderen sei eine Bedrohung des Weltfriedens?
    Und Ihr Vergleich eines bislang ernsthaften israelischen Politikers (Lapid) mit einem Hollywood-Illusionisten ist nicht nur schräg und schrill, sondern hier ebenso substanzlos wie wegen Ihrer Banalisierung unangebracht: Israelische Politik ist weder eine Show noch eine Soap.

    • vonDü
    • 24. Januar 2013 19:02 Uhr

    zu diesem Ergebnis.

    Wenn es Kritik gibt, dann richtet sie sich an Wahlforscher und Medien, die ganz offensichtlich die wahre Stimmung der israelischen Gesellschaft nicht erkannt haben, oder nicht erkennen wollten.

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  5. Der gleiche Hype um einen angeblichen Erlöser wie vor vier Jahren, als Obama seinen ersten Amtseid ablegte, die gleiche Selbsttäuschung wie vor zwei Jahren, als ein angeblicher politischer Frühling die Menschen in Nordafrika auf die Straße trieb. Wann lernen die Naiven in Europa endlich, dass die Welt aus Tatsachen besteht und nicht aus frommen Wünschen?

    Herr Lapid hat schon erklärt, dass es mit ihm hinsichtlich Jerusalem keine Veränderung des Status geben wird. So, Ihr Träumer, und jetzt stellt Euch vor, wie die palästinensische Seite auf Gesprächsangebote einer neuen Koalition reagieren wird.

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    • JThaler
    • 24. Januar 2013 20:25 Uhr

    "Hype", "Erlöser", "Selbsttäuschung"?
    Finden Sie nicht, Sie übertreiben etwas?

    Mein Eindruck ist: Sie stilisieren Yair Lapid dermaßen hoch und erzeugen damit eine so große Fallhöhe, dass Sie ihn, wenn er erstmal unten angekommen ist, umso stärker als unfähigen Politiker kritisieren können. Und dann fühlen Sie sich auch noch in ihrer Annahme bestätigt.
    Auf diese Weise schließen Sie sich selbst aus jeder sachlichen Diskussion aus.
    Skeptisch zu sein, kann niemandem vorgeworfen werden.
    Jemanden vorzuverurteilen schon.

    Dazu die palästinensische Seite völlig aus der Verantwortung zu nehmen und eine mögliche ablehnende oder gar gewaltsame Reaktion zu rechtfertigen, geht ihrerseits an der Realität vorbei.

    • JThaler
    • 24. Januar 2013 20:25 Uhr

    "Hype", "Erlöser", "Selbsttäuschung"?
    Finden Sie nicht, Sie übertreiben etwas?

    Mein Eindruck ist: Sie stilisieren Yair Lapid dermaßen hoch und erzeugen damit eine so große Fallhöhe, dass Sie ihn, wenn er erstmal unten angekommen ist, umso stärker als unfähigen Politiker kritisieren können. Und dann fühlen Sie sich auch noch in ihrer Annahme bestätigt.
    Auf diese Weise schließen Sie sich selbst aus jeder sachlichen Diskussion aus.
    Skeptisch zu sein, kann niemandem vorgeworfen werden.
    Jemanden vorzuverurteilen schon.

    Dazu die palästinensische Seite völlig aus der Verantwortung zu nehmen und eine mögliche ablehnende oder gar gewaltsame Reaktion zu rechtfertigen, geht ihrerseits an der Realität vorbei.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Träumer"
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    Ich stilisiere Lapid doch gar nicht hoch, der Mann ist grundsolide, da er nicht bereit ist, den Status Jerusalems zur Disposition zu stellen. Den Fehler hat ja Barak vor 13 Jahren gemacht. Aber es gibt hier anscheinend Menschen, die Lapid zum Friedens-Messias erklären möchten, nur weil er überhaupt von Verhandlungen redet.

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