Parlamentswahl : In Israel werden Parteien immer unwichtiger
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 Rechts und links entscheidet sich an der Palästinenserfrage

Ein weiteres wichtiges Merkmal der Wählerlandschaft ist die Herkunft, denn das Land ist ein Einwandererstaat. Rund die Hälfte von Israels Juden sind Aschkenasim, Juden, deren Vorfahren aus Europa kommen. Die andere Hälfte sind die Misrahim, Juden, deren Ahnen aus arabischen Ländern einwanderten. Seit der Staatsgründung stellen Aschkenasim die akademische, wirtschaftliche und politische Elite. Kein Wunder also, dass gleich mehrere Parteien sich die Beseitigung der Diskriminierung der Misrahim zur Aufgabe gemacht haben.

Die wichtigste Trennlinie Israels jedoch sei "seit Jahrzehnten das Palästinenserproblem", sagt Professor Tamir Schäfer, Politologe an der Hebräischen Universität von Jerusalem: "Diese Frage spaltet Israelis letztlich zwischen rechts und links." Die Linke wolle durch mehr Zugeständnisse Frieden bringen, die Rechte durch ein stärkeres Auftreten Sicherheit. Diese Trennung bestimme das Wahlverhalten: "Seit Jahren wird die Bindung der Wähler an Parteien immer schwächer", sagt Schäfer, "Wähler werden individueller. Sie wählen nicht mehr die Parteien, sondern entscheiden sich für die Politiker, die ihnen am besten gefallen. Politik ist persönlich geworden."

Dies erkläre auch, weshalb es diesmal so vielen unerfahrenen neuen Politikern gelingt, rasch eine große Anhängerschaft zu gewinnen. Gleich zwei bekannte Journalisten und ein High-Tech-Millionär stehen an der Spitze der Parteien mit dem größten Stimmenzuwachs. Im ideologischen Vakuum wächst zugleich die Zahl der Unschlüssigen: Rund ein Viertel der Wähler haben sich knapp zehn Tage vor der Wahl noch immer nicht entschieden, welcher Partei sie ihre Stimme geben wollen. Für den amtierenden Premier Netanjahu wird das am Ende aber wahrscheinlich egal sein: Laut Umfragen ist der Block der rechten Parteien mit 48 Prozent der Wähler der größte.

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Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Der Artikel ...

... bereitet die Leserschaft auf die katastrophale Niederlage der Linke in Israel vor.

PS: Nach der Zahl der arabischer Israelis, müssten sie 24(!) arabische Abgeordnete im Knesset haben. Wieso gibt es nur 3(!) arabische, antiisraelische Abgeordnete? Kann es sein, dass die arabischen Israelis nichts von den sog. "Palästinenser" wissen wollen? Vielleicht, weil sie die israelische Wirklichkeit kennen?