Wahllokal in Jerusalem © Ronen Zvulun/Reuters

Noch bis 22 Uhr (21 Uhr MEZ) wählen die Israelis ein neues Parlament. Nach ersten Umfragen kann das rechte Bündnis Likud-Beitenu von Regierungschef Benjamin Netanjahu und dem ehemaligen Außenminister Avigdor Lieberman damit rechnen, stärkste Kraft zu werden. 

Am Nachmittag hatte sich bereits eine höhere Wahlbeteiligung abgezeichnet als bei der Wahl 2009. Die zentrale Wahlkommission teilte mit, sie erwarte bis zum Ende der Abstimmung eine Beteiligung von mehr als 70 Prozent, etwa fünf Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren.

Die Führungsspitze der Likud-Partei sorgte sich wegen der Wahlbeteiligung im eigenen Lager und versuchte, gegenzusteuern. Parteichef Netanjahu sagte laut einem Bericht der Nachrichtenseite ynet, es gebe Berichte aus klassischen Hochburgen des Likud, wonach die Wahlbeteiligung dort niedriger sei als im Landesdurchschnitt. "Daher rufe ich Likud-Wähler aller Generationen dazu auf, alles stehen und liegen zu lassen und wählen zu gehen", sagte Netanjahu.

Bei der Wahl zur 19. Knesset, dem israelischen Parlament, sind mehr als 5,6 Millionen Israelis stimmberechtigt. 32 Parteien und Listen stehen zur Wahl. Von ihnen dürfte jedoch etwa die Hälfte an der Zweiprozentsperrklausel scheitern.

Netanjahu wird Auftrag zur Regierungsbildung bekommen

Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Netanjahu als Vorsitzender der stärksten Fraktion erneut mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Die könnte sich jedoch als schwierig erweisen. Likud-Mitglieder rechnen mit einer wackligen Koalition mit mehreren kleinen Partnern.

Shelly Jachimowichs sozialdemokratische Arbeitspartei lag in Umfragen bislang auf Platz zwei. Sie hat ein Bündnis mit Netanjahu kategorisch ausgeschlossen. Die beiden anderen Parteivorsitzenden aus dem Mitte-Links-Lager, Jair Lapid von der Zukunftspartei und Exaußenministerin Zipi Livni, scheinen jedoch für Angebote offen zu sein.