Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu spricht in Tel Aviv vor seinen Anhängern. © Menahem Kahana/AFP/Getty Images

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei der Parlamentswahl am Dienstag stark an Zustimmung verloren, seine Partei Likud ist aber trotzdem stärkste Kraft. Mit Blick auf die anstehende Regierungsbildung sprach sich Netanjahu darum für eine möglichst breite Koalition aus. "Ich habe schon heute Nacht damit angefangen", sagte er in der Nacht zum Mittwoch vor Anhängern in Tel Aviv. Die Wahlergebnisse seien "eine Gelegenheit, Veränderungen durchzusetzen, die Israels Bürger sich wünschen."

Netanjahu sagte, seine neue Koalition habe fünf Hauptziele: Eine iranische Atombombe zu stoppen, die Wirtschaft zu stabilisieren, an einer Friedensregelung in Nahost zu arbeiten, eine allgemeine Wehrpflicht einzuführen und die hohen Lebenshaltungskosten zu senken. "Ich sehe viele Partner für unsere Aufgaben und in einer breiten Regierung werden wir es gemeinsam schaffen", sagte der Regierungschef.

Der von Netanjahu angeführte rechte Block Likud-Beitenu ist nach offiziellen Angaben bei der Wahl nur auf 31 der 120 Sitze im Parlament gekommen – elf Sitze weniger als bisher. Großer Gewinner der Abstimmung war der frühere TV-Journalist Jair Lapid, dessen liberale Zukunftspartei (Jesch Atid) auf 19 Mandate und damit auf Platz zwei kam. Lapid sprach nach Bekanntwerden der Ergebnisse von einer "großen Verantwortung", die er von den Wählern erhalten habe. "Israels Bürger haben gegen eine Politik der Angst und des Hasses gestimmt."

Patt im Parlament

Auf Platz drei landete die Arbeitspartei von Shelly Jachimowich mit 15 Mandaten. Platz vier muss sich der Multimillionär Naftali Bennett mit seiner ultrarechten Partei Das Jüdische Haus mit der orthodoxen Schas-Partei teilen. Die religiöse UTJ-Partei kam auf sieben Sitze, gefolgt von der Ex-Außenministerin Zipi Livni mit ihrer neu gegründeten Partei Bewegung und der linksliberalen Merez-Partei mit je sechs Sitzen. Die drei arabischen Parteien erhielten zusammen zwölf Mandate. Die bisher mit 28 Sitzen größte Partei Kadima von Schaul Mofas konnte doch noch die Zwei-Prozenthürde nehmen und hat damit zwei Sitze.

Im Parlament besteht damit ein Patt zwischen dem religiösen rechtsnationalistischen Lager und den Parteien der politischen Mitte mit den arabischen Parteien: beide Seiten verfügen über je 60 Mandate. Als Chef des stärksten Blocks dürfte Netanjahu aber die Regierungsbildung übernehmen.

Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der zentralen Wahlkommission bei 66,6 Prozent, etwas höher als bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2009. Bei der Wahl zur 19. Knesset waren mehr als 5,6 Millionen Israelis stimmberechtigt. 32 Parteien und Listen traten bei der vorgezogenen Abstimmung an, von denen jedoch viele an der Zwei-Prozent-Sperrklausel scheiterten.