Parlamentswahl Israels Mittelschicht verweigert den Rechtsruck
Moderat, pragmatisch, offen: In Israel ist die politische Stimmung gekippt. Die Parteien der Mitte konnten den rechten Block Netanjahus ausbremsen.
© Jack Guez/AFP/Getty Images

Yair Lapid (Mitte), einer der Wahlgewinner und Repräsentant der säkularen Mitte Israels
Selten sah ein Wahlsieger so sehr nach Verlierer aus. Benjamin Netanjahu wird zwar höchstwahrscheinlich auch die nächste israelische Regierung bilden können, aber die Botschaft an ihn ist unmissverständlich: Seine Politik ist passé. Statt einen "historischen Sieg" einzufahren, wie es Netanjahus Nummer zwei, Avigdor Liebermann, angekündigt hat, muss sich das rechte Parteienbündnis Likud-Israel Beitenu mit 31 (statt den erhofften 45) Sitzen in der Knesset zufrieden geben. Das ist eine der großen Überraschungen dieser Wahl.
Die andere heißt Yair Lapid. Seine Jesh Atid (Zukunftspartei) kommt mit 19 Sitzen an zweiter Stelle. Der bekannte Fernsehmoderator und Zeitungskolumnist hat im Gefolge der sozialen Proteste vom Sommer 2011 eine "neue Politik" versprochen. Er machte Netanjahu für eine falsche Prioritätensetzung bei der Verteilung von Ressourcen verantwortlich und gründete Jesh Atid. Seine Kampagne, vornehmlich auf Facebook, eröffnete er mit einer Frage: "Wo ist das Geld geblieben?" Lapid will die Interessen der überwiegend säkularen Mittelklasse vertreten. Die "moderate und respektable Mehrheit der Israelis identifiziert sich schon längst nicht mehr mit den Parteien von gestern", behauptet er.
Die hohe Wahlbeteiligung macht aber auch deutlich, dass die Israelis alles andere als politikverdrossen sind. Die Befürchtung, dass mehrheitlich die Rechten, die Religiösen und die Siedler wählen gehen, während die anderen apathisch einfach zu Hause bleiben würden, hat sich als falsch erwiesen. Schließlich stellte sich auch die Annahme als falsch heraus, dass die beide großen politischen Blöcke so festgezurrt wären, dass sich am eindeutigen Übergewicht der rechten und religiösen Parteien nichts ändern würde und mit Wechselwählern in Richtung Zentrum kaum zu rechnen sei. Das Wahlergebnis hat nun immerhin ein Patt zutage gefördert: 60 zu 60.
Eine Chance zur Veränderung
Der große Rechtsruck ist also ausgeblieben. Dass extremistische Politiker wie Moshe Feiglin den Likud bei den parteiinternen Vorwahlen regelrecht unterwandert hatten, gilt sogar als einer der Gründe für das schlechte Abschneiden des Likud. Auch der neue junge Star auf der Rechten und Siedler-Liebling, Naftalie Bennett, hat mit seiner Habait Hayehudi (Das jüdischen Haus) weniger Stimmen als vermutet bekommen. "Israel ist also nicht nach rechts gedriftet", konstatierte der prominente Kommentator Ari Shavit am Wahlabend im Fernsehen, was aber nicht notwendig einen Linksruck bedeuten würde. Aber das Land habe sich offener, moderater und pragmatischer als erwartet erwiesen. Deshalb gebe es eine Chance zur Veränderung.
Dazu aber braucht es erst einmal eine tragfähige Koalition. Lapid hatte schon vor der Wahl angekündigt, dass er kein Feigenblatt in Netanjahus Koalition sein wolle, aber in jedem Fall bereit sei, mitzuregieren. Die Journalisten auf dem Bildschirm schmunzelten nun ein wenig, als am Wahlabend – zumindest theoretisch – auch die Möglichkeit erwähnt wurde, ihr Exkollege Yair Lapid könnte statt Netanjahu vom Präsidenten Schimon Peres auserkoren werden, die nächste Koalition zu bilden.
- Datum 23.01.2013 - 11:25 Uhr
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Die Einordnung in links und rechts in Israel hat eine andere Bedeutung als in Deutschland.
Entfernt, da Doppelposting. Die Redaktion/cv
Entfernt, da Doppelposting. Die Redaktion/cv
... dass die deutsche Linke sich in der Frage der Araber so zerreißt. In Israel rangiert diese Frage hinten, ganz ganz hinten.
via ZEIT ONLINE plus App
Die Rechtsparteien (einschließlich der religiösen) haben 5 Sitze verloren, aber sie bleiben immer noch deutlich stärker als die Parteien der Mitte und der Linken, da man diesen nicht die arabischen Abgeordneten zurechnen kann, die nicht für eine Koalition in Betracht gezogen werden. Die neue ''Zukunftspartei'' ist außen- und siedlungspolitisch keineswegs eindeutig gegen die Rechte eingestellt. Sie besteht auf der Zugehörigkeit Ostjerusalems zu Israel und dem Erhalt der bestehenden Siedlungen. Sie befürwortet die Zweistaatenlösung und Verhandlungen. Sie stellt eine pragmatische Korrektur der Konfrontationspolitik der Rechten dar, die zur Entfremdung von den westlichen Staaten einschließlich des Verbündeten USA führen würde. Angesichts des Staatsbankrotts ist Israel auf die Zuwendungen des Westens angewiesen. Diese sind nichts anderes als das Blutgeld für die Ermordung zahlloser Juden, für die damals keine Staatsführung auch nur den kleinsten Finger krumm gemacht hat.
"Die liberale, weltoffene und stabile Zivilgesellschaft Israels zeigt dem Schubladendenken der Europäer mal wieder die lange Nase.."
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"Mal wieder"? Zählen Sie den "liberalen", "weltoffenen" Liebermann auch dazu?
Den Rechtsruck hat es schon vor langer Zeit gegeben. Seitdem hat die Rechte oft die absolute Mehrheit, bleibt aber immer - wie jetzt mit der Hälfte aller Abgeordneten - stärker als Mitte und Linke zusammen. Man darf die arabischen Abgeordneten nicht der israelischen Mitte und Linken zuordnen, das die israelischen Parteien Koalitionen mit diesen ablehnen.
Na, Ihre Beiträge werden ja immer umgänglicher. Diesmal keine persönlichen Angriffe. Das erfreut mich.
Warum Sie allerdings trotzdem Ihnen unliebsame Aussagen lieber diskreditieren, als sich in der Sache zu äußern verstehe ich nicht. Sie haben doch die besseren Argumente. Sezieren Sie mich einfach messerscharf inhaltlich, wie der werte Mitforist Jakoro ein Beitrag "tiefer". Da bleibt mir dann nur betretenes Schweigen.
Was ich sagen wollte steht übrigens in meinem Text. Wenn sie daher schon gegen mich sticheln wollen, dann doch bitte mit einer etwas weniger plump anmutenden Rhetorik. Dann habe ich vielleicht sogar Freude dabei und so ein bisschen positives Gefühl können Sie doch sogar einem Unmenschen wie mir gönnen, oder?
Da nicht ein einziger meiner Vrienscanner angeschlagen hat (und ich habe viele darüber laufen lassen), könnte übrigens die Möglichkeit bestehen dass eines der von ihrem Surfverhalten induzierten Werbebanner ein Problem verursacht. Aber halt. Solche Seiten besuchen Sie ja sicher nicht. -- Dann weiß ich es auch nicht.
Äh, was wollte ich noch sagen?
Ach ja. Über sich selbst lachen zu können, Selbstironie ist etwas Wunderbares und Ausdruck eines ausbalancierten Menschen. Leider aber nur selten anzutreffen. Aber wie komme ich jetzt eigentlich darauf?
Ihnen ein schönes Wochenende.
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