Anhänger Benjamin Netanjahus feiern das Wahlergebnis in Tel Aviv. © Baz Ratner/Reuters

Das in Israel regierende Bündnis Likud-Beitenu von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seines bisherigen Außenministers Avigdor Lieberman hat bei der Parlamentswahl erhebliche Verluste erlitten. Nach übereinstimmenden Prognosen des israelischen Fernsehens kam der rechtsorientierte Block auf nur noch 31 Mandate, 11 weniger als bisher. Als Chef des stärksten politischen Lagers dürfte Netanjahu aber trotz des schlechten Abschneidens wieder mit der Regierungsbildung beauftragt werden.

Auf Platz zwei kam überraschend mit 19 Mandaten die neue liberale Zukunftspartei (Jesch Atid) des früheren Fernseh-Journalisten Jair Lapid. Drittstärkste Kraft wurde die Arbeitspartei unter Shelly Jachimowich mit 17 Mandaten.

Der neue israelische Politstar Naftali Bennett kann mit seiner ultrarechten Partei Habait Hajehudi (Das Jüdische Haus) auf 12 Abgeordnete hoffen, etwas weniger als erwartet. Die frühere Außenministerin Zipi Livni mit ihrer Neugründung Hatnua (Bewegung) erhielt 7 Mandate, genauso viele wie die linksliberale Merez-Partei. Die mit 28 Sitzen bisher größte Partei, die Kadima von Schaul Mofas, scheiterte an der Zwei-Prozent-Hürde.

Unerwartet hohe Wahlbeteiligung

Da keine der Parteien eine verbindliche Koalitionsaussage abgegeben hat und große Differenzen zwischen möglichen Koalitionspartnern bestehen, war unklar, welche Ausrichtung die künftige israelische Regierung haben wird. Die Koalitionsverhandlungen dürften für den geschwächten Netanjahu äußerst kompliziert werden.

Die Wahlbeteiligung lag bis zum Nachmittag deutlich höher als erwartet. Dies wurde als einer der Gründe für das überraschende Wahlergebnis genannt. Die zentrale Wahlkommission teilte mit, sie erwarte eine Beteiligung von mehr als 70 Prozent, etwa fünf Prozentpunkte mehr als bei der vorangegangenen Wahl 2009.

Kurz vor Schließung der Wahllokale hatte Netanjahu an seine Wähler appelliert. "Die Regierung des Likud ist in Gefahr, lasst bitte alles stehen und liegen und wählt uns", forderte Netanjahu über Facebook seine Wähler auf. "Dies ist sehr wichtig für eine sichere Zukunft des Staates Israel." Netanjahus Partei hatte befürchtet, dass die hohe Wahlbeteiligung bei der Parlamentswahl dem Mitte-Links-Lager zugute kommen könnte.

Bei der Wahl zur 19. Knesset waren mehr als 5,6 Millionen Israelis stimmberechtigt. Es traten 32 Parteien und Listen an, von denen jedoch viele an der Zwei-Prozent-Sperrklausel gescheitert sind.

Ständig aktualisierte Hochrechnungen und Berichte zur Wahl in Israel in englischer Sprache finden Sie auf den Seiten von Haaretz und der Jerusalem Post.