NahostIsraelis wählen neues Parlament

In einer vorgezogenen Wahl bestimmt Israel die Knesset neu. Ministerpräsident Netanjahu ist Favorit, aber eine kleine rechte Partei könnte an Einfluss gewinnen.

Unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen hat die Parlamentswahl in Israel begonnen. Rund 5,6 Millionen Bürger sind aufgerufen, die 120 Mitglieder der Knesset zu bestimmen. Seit sieben Uhr Ortszeit sind die Wahllokale geöffnet, erste Ergebnisse werden unmittelbar nach Ende der Abstimmung um 22 Uhr erwartet. Bisher haben etwa elf Prozent der Wahlberechtigen ihre Stimme abgegeben, berichtet Haaretz. Präsident Shimon Peres rief die Israelis auf, zur Wahl zu gehen: "Heute ist ein Feiertag der Demokratie."

Die Wahl war vorgezogen worden, weil sich die Rechtskoalition von Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Herbst nicht auf einen Sparhaushalt einigen konnte. Der Ministerpräsident geht als Favorit in die Abstimmung: Umfragen sehen die gemeinsame Liste aus Netanjahus Likud und der ultrakonservativen Partei seines früheren Außenministers Avigdor Lieberman als stärkste Kraft. Das Bündnis kann demnach mit mehr als einem Viertel der 120 Sitze rechnen. Allerdings war jeder fünfte Wähler noch bis zuletzt unentschlossen.

Anzeige

Auch wenn Netanjahus Bündnis am besten abschneidet, wird es vermutlich auf mehrere Koalitionspartner angewiesen sein. Die Arbeitspartei als stärkste Kraft der Mitte hat im Wahlkampf bereits eine Koalition mit Netanjahu abgelehnt. Insgesamt treten zur Wahl 34 Parteien und Listen an, von denen jedoch etwa die Hälfte an der Zwei-Prozent-Sperrklausel scheitern dürfte.

Netanjahu rückt Iran in den Mittelpunkt

Die religiöse Kleinpartei Jüdisches Haus (Habait Hajehudi), die von dem Millionär Naftali Bennett geführt wird, könnte Netanjahus Lager viele Stimmen abnehmen und drittstärkste Kraft werden. Habait Hajehudi steht politisch noch weiter rechts als das Bündnis von Netanjahhu und Lieberman.

Der seit 2009 regierende Netanjahu hat angekündigt, den Kampf gegen eine atomare Bewaffnung Irans zur Priorität einer neuen Amtszeit zu machen. "Aus historischer Sicht wäre es unverzeihlich, dem Iran eine Aufrüstung mit nuklearen Waffen zu erlauben", sagte er. "Dies ist und bleibt die Hauptaufgabe, nicht nur für mich und Israel, sondern auch für die USA." Im Wahlkampf hatte Netanjahu sich mehrfach demonstrativ zum Siedlungsbau bekannt.

Zur Startseite
 
Leserkommentare

Wegen des Relaunches steht die Kommentarfunktion gegenwärtig einigen Nutzern nicht zur Verfügung.

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Benjamin Netanjahu | Avigdor Lieberman | Aufrüstung | Außenminister | Demokratie | Feiertag
  • Neu auf ZEIT ONLINE
    1. Neu im Ressort
      1. Anzeige
      2. Anzeige
      3. Anzeige
      4. ARTIKEL ZUM THEMA Ausland IM RÜCKBLICK
        Juli | Juni | Mai | April | März
      Service