Abe hat bereits eine Aufstockung des Militäretats verkündet. Auf einer Reise durch Südostasien warb er kürzlich um Verbündete – mit Erfolg. So unterstützte zum Beispiel die philippinische Regierung eine Aufrüstung Japans als Gegengewicht zu China. Neben Japan, das mit China um die Senkaku-Inseln streitet, die China Diaoyu nennt, haben zahlreiche südostasiatische Länder Territorialkonflikte mit China. Dabei geht es neben den bloßen Ländereien und dem leichteren Zugang zu Märkten insbesondere um Rohstoffe und für den Handel wichtige Seewege.

Während sich Abe zuletzt mit Äußerungen zu China zurückhielt, drohten die japanischen Selbstverteidigungskräfte, chinesische Kampfflugzeuge mit Leuchtmunition zu beschießen, sollten diese den Luftraum der Senkaku-Inseln durchqueren. Schließlich handele es sich dann um einen Angriff auf japanisches Territorium. China entgegnete, dass auf so einen "ersten Schuss" vonseiten Japans kein zweiter mehr folgen würde. Die Drohung sei ein Witz, weil Japan seine eigenen Beschränkungen nicht begreife.

Japans Wähler befürworten traditionell die pazifistische Grundlinie in Artikel 9 ihrer Verfassung. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage war nur ein Drittel für dessen Abschaffung, während ihn mehr als die Hälfte behalten wollen. Seit dem Vorfall in Algerien aber greifen Onodera und Abe nach weiteren Argumenten für eine Aufrüstung. Sollte es ihnen gelingen, eine Verbindung zwischen der Geiselnahme und dem Konflikt mit China sowie Nordkoreas Raketenabschüssen zu ziehen, könnte die öffentliche Meinung umschwenken. Und falls die LDP die Oberhauswahlen im Sommer gewinnt, erhält die Regierung womöglich ohnehin eine Verfassungsmehrheit. Mit Japans Pazifismus könnte es dann bald vorbei sein.