Selbstverteidigung: Japans Abschied vom Pazifismus
Die neue Regierung in Tokio will die militärische Beschränkung des Landes aufgeben. Vorwand für jüngste Aufrüstungspläne ist die Geiselnahme in Algerien.
"Wenn wir uns ansehen, was wir in der gegenwärtigen Situation tun können, muss ich schon sagen, dass wir gehörige Beschränkungen haben", klagte Itsunori Onodera in einer Talkshow. Was der japanische Verteidigungsminister damit am Wochenende sagen wollte, war jedem Zuschauer klar: Japans Militär müsse dringend mehr Rechte erhalten, auch um in Krisen einzugreifen. Die Geiselbefreiung in Algerien, bei der vorige Woche auch sieben Japaner starben, habe das wieder einmal offenbart.
Als die algerische Armee die belagerte Gasförderanlage im Osten des Landes stürmte, hatte sie Japans Regierung nicht einmal vorab informiert. Premierminister Shinzo Abe nannte dies "einen Vorfall tiefster Betrübnis" und er meinte wohl nicht nur den Tod der Japaner.
Seit dem Zweiten Weltkrieg ist das wirtschaftlich bis vor einiger Zeit führende asiatische Land offiziell zum Pazifismus gezwungen, womit sich Nationalisten wie Abe nicht länger abfinden wollen. Die Verfassung, die dem Land nach der Niederlage von den USA aufgedrückt wurde, verbietet Japan das Führen von Kriegen sowie weitgehend den Einsatz des Militärs. Artikel 9 besagt: "Das japanische Volk wird Krieg sowie der Androhung oder Nutzung von Gewalt zur internationalen Konfliktlösung als souveränem Recht für immer abschwören."
Japan unterhält deshalb offiziell auch keine Armee, sondern bloß sogenannte Selbstverteidigungskräfte. Deren Einsätze blieben lange Zeit begrenzt, auch weil die USA bis heute militärisch stark in Japan vertreten sind.
Doch die Lage könnte sich bald ändern. Die von Abe angeführte Liberaldemokratische Partei (LDP), die nach den Parlamentswahlen Mitte Dezember nach drei Jahren Opposition zurück an die Macht kam, plädiert schon länger für eine Überprüfung der pazifistischen Verfassung. Als Abe zwischen 2006 und 2007 schon einmal für ein Jahr regierte, wertete er das Verteidigungsressort zu einem vollen Ministerium auf. Dessen heutiger Chef Onodera will in Kürze einen Versuch im Parlament starten, die Rechte der Streitkräfte zunächst für Rettungsaktionen im Ausland zu erweitern. Schon vor gut zwei Jahren hatte Onodera eine solche Initiative gestartet, die allerdings an der Mehrheit der damals regierenden Demokratischen Partei (DPJ) scheiterte.
Wenn Abe Ende Februar nach Washington reist, soll das Recht Japans zur Selbstverteidigung ebenfalls in diversen Ausformungen diskutiert werden. Ein Grund für den Elan, mit dem die neue Regierung das Thema verfolgt, sind die internationalen Absatzmärkte. Japanische Unternehmen machen einen Großteil ihrer Umsätze im Ausland, wobei mehrere wichtige Produktionsorte in instabilen Regionen liegen. So genießen die Pläne von Abe und Onodera, durch das eigene Militär Landsleute und Unternehmen im Ausland schützen zu können, Unterstützung auch von Wirtschaftsvertretern. Die Geiselnahme in Algerien zum Beispiel traf mehrere Arbeitnehmer und die kommerziellen Interessen der japanischen Baufirma JGC.
Mindestens so wichtig dürften aus Sicht der LDP aber die jüngsten Verschiebungen der Kräfteverhältnisse in der Pazifikregion sein. Lange war Japan auch ohne militärische Macht Asiens dominante Nation. Spätestens seit China das Land als die zweitgrößte Ökonomie der Welt abgelöst hat und alte Territorialkonflikte wieder aufflammen, vergleichen sich Japans Meinungsmacher immer besorgter mit den Nachbarn. Die größte Tageszeitung des Landes Yomiuri Shimbun schrieb in einem Leitartikel vom Dienstag: "Die Sicherheitssituation rund um Japan hat sich deutlich verschärft. China drängt mit militärischer Aufrüstung (…) und Nordkorea hat zwei Atomtests durchgeführt." Japans Fähigkeit zur Verteidigung und das Recht dazu müssten daher dringend ausgebaut werden.





manitas, darum nehme ich Ihnen das "Mund halten" mal nicht übel.
Den Satz, den Sie zitiert haben, haben Sie aber auch nicht richtig verstanden, ich versuche mal, Ihnen zu erklären, was ich damit sagen wollte:
Mir ist seit langem bekannt, dass Japan vor 1945 den asiatischen Raum mit einem aggressiven Angriffskrieg überzogen hat.
Dass das japanischen Militär dabei nicht zimperlich vorging, hat der auch in Deutschland sehr poluläre Film Die Brücke am Kwai (The Bridge on the River Kwai) von David Lean gezeigt, ich hatte aber, wie wohl die meisten meiner deutschen Mitbürger, keine Ahnung von dem, was da sonst noch so passiert ist.
- Von dem unglaublichen Ausmaß der Kriegsverbrechen der Japaner,
- von biologischer und chemischer Kriegsführung,
- von Massakern an Kriegsgefangenen und Zivilisten während der japanischen Besatzungszeit in China,
- von den Menschenversuche der Einheit 731 und von vielem anderen
habe ich erst durch das Internet erfahren, Wikipedia zum Beispiel ist da sehr ergiebig.
Was ich aber bis vor kurzem nicht wußte, ist, dass Japan offenbar große Probleme hatte, sich der Verantwortung aus dieser Zeit zu stellen.
Und diese Probleme wachsen mit dem zeitlichen Abstand.
Heute muß sich ein ehemaliger japanischer Ministerpräsident, der gerade privat in China weilt, vom amtierenden japanischen Verteidigungsminister des "Vaterlandsverrates" bezichtigen lassen, weil er sich für das Nanking Massaker entschuldigt hat.
geht gleich weiter
Weiterhin redet der amtierende Ministerpräsident Shinzo Abe in aller Öffentlichkeit davon, Hinweise auf japanisches Fehlverhalten während des Krieges aus den Schulbüchern entfernen zu lassen, er bestreitet, dass die sogenannten Trostfrauen zu ihren sexuellen Diensten für die japanischen Soldaten gezwungen wurden...
Und so geht das munter weiter.
DAS, manitas, meinte ich, als ich schrieb:
"Für mich ist das alles relativ neu, ich bin eigentlich erst durch den aktuellen Streit um die Inseln so richtig auf dieses dunkle Kapitel aufmerksam geworden."
Jeder Selbstverteidigung geht ein Angriff voraus. Wenn solche Situationen verstärkt auftreten, wie in Algerien, dann ist ein Drang sich selbst zu verteitigen immer erstmal ein menschlicher oder gar natürlicher.
Wenn man einen starken Nachbarn hat, der einem ständig am Gartenzaun sagt, dass er ja demnächst mal rüber kommt und ihm etwas klaut, ist ein Schutzreflex nur natürlich, vor allem, wenn es keine Polizei gibt, die man mal eben rufen kann!
Machtverhältnisse sind immer wieder neu verteilt und verschoben worden in der Menschheitsgeschichte. Jetzt wird's allerdings eng hier auf Mutter Erde!
Die Weisheit, dass man den Feind, den man nicht besiegen kann sich am besten zum Freund macht ist fernöstliches Gedankengut, aber was, wenn der Feind auf einmal besiegbar ist und man eh schon seit langem mit Souveränitäten herum spielt? Dann gilt das alles nicht mehr. Das ist aus der Menschheitsgeschichte auch mehr als bekannt.
Jetzt finde ich die Frage, ob dieses Bestreben auf der japanischen oder chinesisch/koreanischen Seite zu finden ist recht obszön ehrlich gesagt.
Natürlich ist der Zustand der Region derzeit trotz Insel Streitigkeiten nicht schwer zu definieren. Natürlich findet Japan sich trotz des Zweiten Weltkrieges und eigener Fehler darin und davor bedrängt. Wenn man eingemauert wird, dann versucht man auch, es zu verhindern.
Ist China mit Nord Korea vergleichbar? Der Nationalismus ist in allen Ländern der Region nicht abgeschafft worden, wie bei uns.
Ich habe keine Probleme mit Japans Selbstverteidigungsstreitkräften
- von der Weiterverwendung der kaiserlichen Kriegsflagge bei der Marine mal abgesehen.
Was mich stört, ist das Bestreben der japanischen Nationalisten, den einschränkenden Zusatz "Selbstverteidigungs-" unter den Tisch fallen zu lassen.
Das ist, zugegeben, eh nur eine symbolische Einschränkung.
Wenn man aber einem Volk angehört, das vor nicht allzu
langer Zeit unter diesen Streitkräften gelitten hat, klammert man sich auch an solche Symbole.
Ich habe keine Probleme mit Japans Selbstverteidigungsstreitkräften
- von der Weiterverwendung der kaiserlichen Kriegsflagge bei der Marine mal abgesehen.
Was mich stört, ist das Bestreben der japanischen Nationalisten, den einschränkenden Zusatz "Selbstverteidigungs-" unter den Tisch fallen zu lassen.
Das ist, zugegeben, eh nur eine symbolische Einschränkung.
Wenn man aber einem Volk angehört, das vor nicht allzu
langer Zeit unter diesen Streitkräften gelitten hat, klammert man sich auch an solche Symbole.
Ich habe keine Probleme mit Japans Selbstverteidigungsstreitkräften
- von der Weiterverwendung der kaiserlichen Kriegsflagge bei der Marine mal abgesehen.
Was mich stört, ist das Bestreben der japanischen Nationalisten, den einschränkenden Zusatz "Selbstverteidigungs-" unter den Tisch fallen zu lassen.
Das ist, zugegeben, eh nur eine symbolische Einschränkung.
Wenn man aber einem Volk angehört, das vor nicht allzu
langer Zeit unter diesen Streitkräften gelitten hat, klammert man sich auch an solche Symbole.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren