NordmaliMalische Armee erobert strategisch wichtigen Ort Diabali zurück

Französische und malische Soldaten haben zwei Städte im Norden Malis befreit. In anderen Teilen des Landes bombardierten sie weitere Stellungen der Islamisten.

Ein französischer Soldat in Diabali

Ein französischer Soldat in Diabali  |  © Joe Penney/Reuters

Die malische Armee hat Augenzeugen zufolge den Ort Diabali in Zentralmali wieder unter ihrer Kontrolle. Mit Unterstützung französischer Truppen konnte die Armee die islamistischen Rebellen demnach aus der Stadt vertreiben. Vor gut einer Woche hatten die Islamisten den 400 Kilometer nördlich der malischen Hauptstadt Bamako gelegenen Ort eingenommen.

Ein Bewohner schilderte die Lage am Telefon: Die malische Armee sei dort gewesen. Alle Islamisten hätten die Stadt verlassen. Der Mann sagte auch, er habe französische Truppen in Niono – etwa 60 Kilometer vor Diabali – gesehen. Ein Armeesprecher bestätigte das. "Wir können uns in Diabali frei bewegen", sagte er. "Derzeit scheinen keine bewaffneten Gruppen in dem Ort unterwegs zu sein, aber wir beobachten die Lage sehr genau."

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Auch die Stadt Douentza sei unter der Kontrolle der französischen und malischen Einsatzkräfte, teilte das französische Verteidigungsministerium mit. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte, die Rückeroberung der Städte sei ein "sicherer militärischer Erfolg".

Luftangriffe werden fortgesetzt

In allen Gebieten Nordmalis, in denen die Islamisten das Sagen haben, gingen die Luftangriffe unterdessen weiter. Die Gotteskrieger änderten offenbar ihre Taktik und bewegten sich nicht mehr in größeren Fahrzeugen fort. Einem Militärsprecher zufolge benutzen sie derzeit überwiegend Motorräder, um aus der Luft nicht so gut sichtbar zu sein.

Bewaffnete islamistische Gruppen kontrollieren den Norden Malis und kämpfen gegen Regierungstruppen. Aus Angst vor einem neuen Rückzugsgebiet für Terroristen hat Frankreich nun in den Konflikt eingegriffen.

Bewaffnete islamistische Gruppen kontrollieren den Norden Malis und kämpfen gegen Regierungstruppen. Aus Angst vor einem neuen Rückzugsgebiet für Terroristen hat Frankreich nun in den Konflikt eingegriffen.  |  © ZEIT ONLINE

Augenzeugen schilderten, die Islamisten versammelten derzeit viele Kämpfer in Autos im nordmalischen Ansongo. Die Stadt liegt nur 200 Kilometer von Niamey entfernt, der Hauptstadt des Nachbarlandes Niger. Beobachter vermuten, dass die geplanten Bodentruppen aus Niger und dem Tschad durch Ansongo in Mali einmarschieren müssten. Offenbar wollen die Islamisten die afrikanischen Soldaten, die zu einer multinationalen Truppe gehören sollen, schon an der Grenze abwehren.

In Kona kehrt etwas Normalität ein

In Kona an der Grenze zu Burkina Faso kehrte unterdessen eine Art Normalität sein. Der Ort in der Landesmitte war seit dem Beginn der Militäroffensive stark umkämpft, jedoch hatten Regierungsverbände ihn mit französischer Unterstützung Ende vergangener Woche unter ihre Kontrolle gebracht.

"Kona ist frei", sagte der Bürgermeister. "Die Menschen haben ihre gewöhnlichen Aktivitäten wieder aufgenommen und die Straße nach Sevare ist offen". In Sevare liegt ein wichtiger Flughafen, weshalb die Islamisten tagelang versucht hatten, das Gebiet einzunehmen.

Mehrere Extremistengruppen hatten den Norden Malis vor rund zehn Monaten im Zuge eines Militärputsches erobert und dort eine strenge Auslegung der Scharia eingeführt. Nachdem sie zuletzt immer weiter in Richtung Süden vorgerückt waren, hatten französische Truppen gemeinsam mit malischen Soldaten vor zehn Tagen eine Militäroffensive gestartet.

EU plant Unterstützer-Konferenz

Die französische Armee hat inzwischen 2.150 Soldaten direkt in Mali im Einsatz. Die Europäische Union will in zwei Wochen eine internationale Unterstützer-Konferenz für Mali in Brüssel ausrichten. Das Treffen soll am 5. Februar stattfinden und gemeinsam mit der Afrikanischen Union, der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas und den Vereinten Nationen organisiert werden, kündigte der Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton an.

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Leserkommentare
  1. Ähnlich wie einst die tapferen Kämpfer in Afghanistan wurden auch die Separatisten in Mali von der USA geschult und ausgerüstet. Auf RiaNovosti gibt es einen Artikel dazu:

    http://de.rian.ru/securit...

    Die Information dort stammt aus der New York Times, welche am heutigen Montag darüber berichtet.
    .
    Danke Fefe, auch für die passende Formulierung:
    "Wisst ihr, wer die Terroristen in Mali ausgebildet hat? Kommt ihr NIE drauf! Die Amis. Also DAMIT konnte ja wohl NIEMAND rechnen!1!!"

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    Bin Laden bekam seine Ausbildung beim CIA in den USA und wurde ausgerüstet mit Geld und Waffen nach Afghanistan geschickt.
    Das fanden die USA seinerzeit ganz toll, weil man damit dem Einsatz der Sowjetarmee ein Ende bereiten wollte.
    In Ungnade viel er erst, als er eigene Wege ging.
    Kriegsherde sichern auf der anderen Seite die Existenz einer ganzen Industrie.

    Ich bin mir nicht sicher was Sie mit dieser Theorie aussagen möchten. Sollte sie jedoch wahr sein, macht es den Terrorismus weder friedlicher noch die islamischen Terroristen in Nordmali minder bekämpfenswert.

  2. Man vertreibt sie aus einer Stadt und in einer anderen werden sie wieder auftauchen.
    Inzwischen weiß man ja, dass sie aus vielen Regionen der Welt kommen.
    Sie führen einen Stellvertreterkrieg gegen die ehemaligen und durch die Hintertür auch noch heutigen Kolonialherren.
    Die Kriege, nicht nur in Mali werden kein Ende nehmen, solange viele Staaten dieses Verhalten nicht verändern.
    Wenn ich die Ölpfützen in anderen Ländern Westafrikas sehe, die die Konzerne hinterlassen haben, dann kann man nur darauf warten, dass die Konflikte sich ausweiten.

  3. Bin Laden bekam seine Ausbildung beim CIA in den USA und wurde ausgerüstet mit Geld und Waffen nach Afghanistan geschickt.
    Das fanden die USA seinerzeit ganz toll, weil man damit dem Einsatz der Sowjetarmee ein Ende bereiten wollte.
    In Ungnade viel er erst, als er eigene Wege ging.
    Kriegsherde sichern auf der anderen Seite die Existenz einer ganzen Industrie.

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  4. liebe zeit online redaktion,

    die nord malischen gebiete als "von islmaisten kontrolliert" zu beschreiben ist unpräziese. sie suggerieren dem thematisch fremden leser eine insel militanter gläubiger in nord mali. die meisten tuareg gruppen der region kämpfen schon seit ewigkeiten gegen die wechselnden unterdrücker, welche sich anmaßen nomadengebiete in nationalstaaten einzubinden.
    islamisten, wie auch immer dieser völlig inflationär verwendete begriff bei ihnen zu verstehen ist, ist eine grobschlächtige verallgemeinerung.

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    Der Norden Malis wird sehr wohl von Islamisten unterschiedlicher Gruppierungen (Ansar Dine, al-Qaida des Islamischen Maghreb, Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf) kontrolliert, von daher liegt die "Zeit" da völlig richtig. Die Tuareg, genauer die MNLA, sind derzeit eher nicht an dem Konflikt beteiligt; sie halten nur noch ein paar kleine Bereiche an der Nordgrenze.

  5. Der Norden Malis wird sehr wohl von Islamisten unterschiedlicher Gruppierungen (Ansar Dine, al-Qaida des Islamischen Maghreb, Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf) kontrolliert, von daher liegt die "Zeit" da völlig richtig. Die Tuareg, genauer die MNLA, sind derzeit eher nicht an dem Konflikt beteiligt; sie halten nur noch ein paar kleine Bereiche an der Nordgrenze.

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    Antwort auf "islamisten?"
  6. Wer jedoch wegen anfaenglicher franzoesischer Erfolge auf dem Schlachtfeld mit einem politischen Sieg der Franzosen rechnet, der solle sich mit der juengeren Geschichte Frankreichs befassen.

    Napoleon ----------> Waterloo

    L'Empire Napoleon III ----------> Sedan

    Versailles ----------> Compiègne

    Indochina ----------> Dien Bien Phu

    Algérie française ----------> Massaker von Oran 1962

  7. Ich bin mir nicht sicher was Sie mit dieser Theorie aussagen möchten. Sollte sie jedoch wahr sein, macht es den Terrorismus weder friedlicher noch die islamischen Terroristen in Nordmali minder bekämpfenswert.

    • Sunio
    • 22. Januar 2013 1:42 Uhr

    Von welchen Terroristen in Mali ist die Rede? Dass es dort Terroristen gäbe ist bloße Kriegspropaganda. Wann gab es denn bitte in Mali Terroranschläge? Oder wann gab es Terroranschläge die von angeblichen Terroristen von Malis aus auf Europa verübt worden, so dass Frankreich sich bedroht fühlen müsste? Es gab nicht einen einzigen Terroranschlag in Mali, das ist die Wahrheit. Somit handelt es sich bei den Angregriffenen in Mali eben nicht um Terroristen. Das heißt, Frankreich greift unschuldige Menschen an, bloß weil sie Muslime sind und ihnen Terrorismus unterstellt wird. Frankreich passt es schlichtweg nicht, dass die ehemals Kolonialisierten ihre Staatsform wieder selber bestimmen wollen.

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