MilitäreinsatzStaaten unterstützen Mali mit Geld und Truppen

Auf einer Geberkonferenz für das Kriegsland ist eine dreistellige Millionensumme zusammengekommen, viele Länder sagten zudem Soldaten zu. Die Armee stößt gen Norden vor.

Malis Präsident Dioncounda Traore (l.) und der französische Außenminister Laurent Fabius auf der Geberkonferenz in Addis Abeba

Malis Präsident Dioncounda Traore (l.) und der französische Außenminister Laurent Fabius auf der Geberkonferenz in Addis Abeba  |  © Simon Maina/AFP/Getty Images

Staaten wollen den afrikanischen Militäreinsatz gegen Islamisten in Mali mit 455,53 Millionen Dollar (338 Millionen Euro) unterstützen. Die Summe kam auf einer Geberkonferenz in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zusammen.

Den weitaus größten Beitrag zur Finanzierung der afrikanischen Militärmission Afisma wollen die USA mit 96 Millionen Dollar beisteuern. Frankreich, das die malische Armee seit Wochen im Kampf gegen die Extremisten unterstützt, kündigte 47 Millionen Euro an. Zu den größeren Geberstaaten gehört mit 20 Millionen Dollar (15 Millionen Euro) auch Deutschland. Polen und Großbritannien boten an, Soldaten zur Militärausbildung zu schicken.

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Die Europäische Union hatte bereits am Montag einen Beitrag von 50 Millionen Euro angekündigt. Außerdem will die EU Militärausbilder entsenden. Die Afrikanische Union gibt 50 Millionen Dollar, die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas zehn Millionen Dollar. Viele Länder wollen Nothilfe leisten, sich jedoch nicht am Militäreinsatz beteiligen. Auch Österreich kündigte ein derartiges Engagement an.

Plünderungen in Timbuktu

Der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré dankte im Namen seines Landes den Teilnehmern der Konferenz. Er hoffe, in seinem Land bis zum 31. Juli freie und faire Wahlen zu organisieren, sagte er. Internationale Beobachter fordern seit Langem, dass das Land schnellstmöglich zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückkehrt.

Wie schwierig das ist, zeigte sich am Dienstag wieder: Hunderte Menschen stürmten in Timbuktu Geschäfte und zerstörten deren Einrichtung, wie ein Reporter schilderte. Die Menge ging gegen Läden von Arabern, Algeriern und Mauretaniern vor, die sie als "Terroristen" bezeichnete. Sie sollen während der Besetzung Timbuktus durch islamistische Kämpfer mit diesen gemeinsame Sache gemacht haben.

Die Bundeswehr transportiert seit gut einer Woche afrikanische und französische Soldaten in die malische Hauptstadt Bamako. Eine dritte Transall-Maschine startete am Dienstag im bayerischen Landsberg Richtung Einsatzgebiet. Die Bundeswehrtruppe für die logistische Unterstützung will das Verteidigungsministerium von derzeit 32 auf bis zu 75 Soldaten aufstocken.

Deutschland stellt auch Ausrüstung wie Lastwagen und Schutzwesten zur Verfügung. Ab Anfang März soll sich die Bundeswehr zudem an der EU-Mission zur Ausbildung der malischen Armee beteiligen.

Vorstöße nach Norden

Die USA planen eine Drohnenbasis in Nordwestafrika, um Gruppen des Terrornetzwerkes Al-Kaida und islamische Extremisten in der Region besser überwachen zu können. Zunächst sollten aber nur unbewaffnete Überwachungsmissionen starten, berichtete die New York Times. Spätere bewaffnete Flüge seien jedoch nicht auszuschließen.

Zu den möglichen Standorten zählten Regierungsmitarbeiter das im Osten an Mali grenzende Niger sowie das südlich von Mali gelegene Burkina Faso. Die Drohnen könnten so schnell wie möglich die von Frankreich geführte Mission in Mali unterstützen, hieß es.

Die Unterstützung für den Militäreinsatz in Mali bringt Deutschland nach Einschätzung der Bundesregierung nicht in erhöhte Terrorgefahr. Derzeit gebe es keine Erkenntnisse oder Hinweise, die auf eine konkrete Gefährdung deutscher Interessen hindeuten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Kaum Widerstand

Nach der Eroberung der Städte Gao und Timbuktu stoßen malische Soldaten weiter Richtung Norden und zur letzten Rebellenstadt Kidal vor, wie ein Offizier in Bamako sagte. "Die Zeit ist günstig für die Alliierten."

Die französischen und malischen Truppen hatten in den vergangenen Tagen Gao und Timbuktu besetzt. Dabei stießen sie kaum auf Widerstand der Islamisten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, tst
  • Schlagworte Europäische Union | Geld | Bundesregierung | Gao | Verteidigungsministerium | Afrikanische Union
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