KriegZehntausende in Mali auf der Flucht

Der UN-Sicherheitsrat unterstützt Frankreichs Mali-Intervention. 30.000 Flüchtlinge versuchen, den Kämpfen zu entkommen, doch die Nachbarländer schließen ihre Grenzen.

Französische Soldaten auf eine Militärbasis in Mali

Französische Soldaten auf eine Militärbasis in Mali  |  © Joe Penney/Reuters

Die jüngsten Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Islamisten in Mali haben nach UN-Angaben etwa 30.000 Menschen in die Flucht getrieben. Die Flüchtlinge wollten das Konfliktgebiet in Zentral- und Nord-Mali Richtung Süden verlassen, teilte der stellvertretende UN-Sprecher Eduardo del Buey mit.

Er zeigte sich besorgt über Berichte, nach denen Islamistengruppen Menschen an der Flucht aus dem Gebiet hinderten, das inzwischen auch Ziel französischer Angriffe ist. Die Zahl der Flüchtlinge könne deshalb noch deutlich höher sein.

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Die malische Armee versucht seit vergangener Woche, einen Vormarsch islamistischer Kämpfer nach Süden zu verhindern. Am Freitag hatte Frankreich in den Konflikt eingegriffen. Die französische Armee fliegt seit Ende vergangener Woche Luftangriffe gegen Islamisten, die seit dem Frühjahr vergangenen Jahres bereits weite Teile des Nordens in ihre Kontrolle gebracht haben.

Nachbarländer riegeln Grenzen ab

Das westliche Nachbarland Mauretanien teilte mit, dass Tausende Menschen aus Mali auf dem Weg zur Grenze seien. Die Regierung in Nouakchott beorderte deshalb Soldaten an die Grenze, um diese abzuriegeln, hieß es aus Militärkreisen. Auch der nördliche Nachbar Algerien schloss angesichts der Ausweitung des Konflikts seine Grenze, bestätigte ein Sprecher des Außenministeriums in Algier.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die militärische Intervention Frankreichs in den Konflikt gutgeheißen. "Alle Mitglieder haben ihre Unterstützung für die französische Position ausgedrückt", sagte der französische UN-Botschafter Gérard Araud nach einer Sondersitzung des UN-Gremiums.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die von Malis Regierung erbetene militärische Hilfe. Er hoffe, dass dadurch die Offensive der in den Süden vorrückenden islamistischen Rebellen gestoppt werden könne, sagte er nach Angaben eines Sprechers.

Alle Ratsmitglieder hätten anerkannt, "dass wir uns hundertprozentig auf dem Boden des Völkerrechts bewegen", sagte Araud weiter. Die Russen hätten gelobt, dass Frankreich genau im Sinne der UN-Resolutionen handele. Auch Ban forderte eine Umsetzung der Resolution 2085, "die eine volle Wiederherstellung der konstitutionellen Ordnung und der territorialen Integrität Malis zum Ziel hat".

Leserkommentare
    • kai1
    • 15. Januar 2013 7:20 Uhr

    Ist die ganze Diskussion um eine potentielle deutsche Beteiligung am Unternehmen "Serval" eine reine Gespensterdiskussion:

    http://www.lefigaro.fr/as...

    2 Leserempfehlungen
  1. na, ob unsere medien syrien jetzt wieder vergessen werden?!

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    Im Herbst wollte Fabius, französischer Aussenminister, Syrien angreifen. Das ging nun nicht, wegen der russischen Präsenz in der Region. Nun greift er Mali an. So what? Sie wollten irgendwo angreifen, sie greifen irgendwo an. Normalerweise nennt man das Schurkenstaat. Die Medien sind dankbar dass sie irgendwie berichten können, und die think tanker zufrieden dass die Menschen nicht aufeinmal denken nun sei Frieden für alle Zeiten.
    M.E. kann man Militäreinsätze im Ausland diskutieren, wenn man einen friedlichen und prosperierenden Staat vorweisen kann. F, GB und USA können das nicht. Sie haben soziale Unruhen, marode Infrastruktur, Umweltprobleme, schrumpfende und entmachtete Mittelschicht, keinen Plan für die Zukunft, teilweise absurde Überwachungsstaaten. Es sind keine Vorbilder. Deutschland macht alles richtig wenn im eigenen Land die Welt geschaffen wird wie sie bestehen kann, anstatt sich als Friedensbomber zu betätigen. Russland hätte schon 1999 nicht einlenken dürfen als Serbien bombardiert wurde, war aber leider mit schwacher Führung. Nur deswegen haben wir seitdem ständig Kriege/Anschläge.

  2. .
    Was um aller Welt haben die Franzosen in Mali zu suchen?

    Anders gefragt: In wessen Interesse?!
    .

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    http://www.hintergrund.de...

    Es gibt ähnlich Begründungen wie beim Afghanistaneinsatz.

    • TDU
    • 15. Januar 2013 9:04 Uhr

    Sicher im Interesse des eigenen Einflusses und auch an Rohstoffen. Aber warum sollte man die Gewalttätern bzw. Diktatoren überlassen? Mobutu im Zaire hat man allerdings Jahrzehnte toleriert. Es gibt hier keine eindeutigen Wahrheiten. Verhandlungen sind auch nicht möglich da die Islamisten alles wollen.

    Wenn man widerspruchsfrei und stets mit sauberen Händen agieren will, bleibt nichts als sich rauszuhalten oder hinzugehen, die Verwundeten zu pflegen und ihnen Trost zu spenden wie die Kirchen und sozialen Organisationen das tun. Und dann kommen wieder die Vorwürfe, das sei alles nicht genug, und man mache sich im Ergebnis mit den Unterdrückern gemein.

  3. Den Franzosen wuensche ich alles Gute, aber ich befuerchte, sie haben aus ihren Fehlern in Algerien und anderswo nicht die richtige Lektion gezogen.

    Moeglicherweise bietet sich fuer Deutschland als unbeteiligtem Staat bald eine Chance, Frieden zwischen Frankreich und seinen Feinden in Mali zu vermitteln.

    6 Leserempfehlungen
  4. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/jp

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    Lieber Steinager,

    es ist weder besonders charmant, Leuten schon früh morgens mit Worten wie “Krebsgeschwür” um die Ohren zu hauen, noch zeugt diese Ausdrucksweise von Verständnis für die Situation. Ich nehme da ganz bewusst Bezug zu den Herrschaften, die unser Land in den Zweiten Weltkrieg geführt haben, denn die haben genau diese Unart biologistischer Sprache zur Rechtfertigung von Kriegspropaganda eingesetzt — und sind nun mal halt ein Meisterbeispiel dafür, wie man’s nicht machen sollte.

    Ich will Sie nicht beleidigen und Ihnen auch gar nichts unterstellen. Ich appelliere an mehr Sensibilität im Umgang solch derber Floskeln, da durch sie die Ursachen verteufelt und irrationalisiert werden und nun sowas von überhaupt nicht dazu beitragen, zu verstehen, was in Mali vor sich geht.

    Wer irrationale Politik betreibt, ist auch am Problem nicht interessiert, und noch weniger an dessen Lösung.

    • thwe74
    • 15. Januar 2013 8:18 Uhr

    ... die Luftwaffe mag ein schönes Mittel sein - ich schmeisse ein paar Bömbchen und flieg schnell weg in Sicherheit -, aber Kriege gegen derartige Banditen, Möchtegern-Gottes-Krieger, Einzelkämpfer und Banden sind so nie und nimmer zu gewinnen.

    Diese Kriege sind dreckig und erfordern den Einsatz von Bodentruppen in Form von Einzelkämpfern oder Kampfgruppen. Mann gegen Mann. Mit entsprechenden Verlusten.

    Und wenn die Zivilbevölkerung - wo sind hier die Grenzen - mit reingezogen werden, wird es ganz schlimm.

    Nein, die Ursachen liegen wie immer woanders, wie in @8 treffend gesagt.

    Klar, nach dem Zusammenbruch Libyen's ist ein Vakuum
    entstanden, ebenso wie wieder mal zu viele Waffen durch die Hände gereicht werden.

    Aber da sind immer noch zuviele dabei, die von Raub und Brandschatzung profitieren, die im Hintergrund die Waffen verteilen und entsprechende Ziele haben.
    Das gilt für Frankreich genauso wie für diese Terrorgruppen.

    4 Leserempfehlungen
  5. Wieso gerade Frankreich an erster Stelle hier aktiv ist?
    Wenn der Westen im Namen der Menschenrechte weit weg militärische Einsätze übt, erzählen sie nicht immer die ganze Wahrheit. Zeigte jedenfalls bisher die Vergangenheit.

    via ZEIT ONLINE plus App

    3 Leserempfehlungen
  6. Lieber Steinager,

    es ist weder besonders charmant, Leuten schon früh morgens mit Worten wie “Krebsgeschwür” um die Ohren zu hauen, noch zeugt diese Ausdrucksweise von Verständnis für die Situation. Ich nehme da ganz bewusst Bezug zu den Herrschaften, die unser Land in den Zweiten Weltkrieg geführt haben, denn die haben genau diese Unart biologistischer Sprache zur Rechtfertigung von Kriegspropaganda eingesetzt — und sind nun mal halt ein Meisterbeispiel dafür, wie man’s nicht machen sollte.

    Ich will Sie nicht beleidigen und Ihnen auch gar nichts unterstellen. Ich appelliere an mehr Sensibilität im Umgang solch derber Floskeln, da durch sie die Ursachen verteufelt und irrationalisiert werden und nun sowas von überhaupt nicht dazu beitragen, zu verstehen, was in Mali vor sich geht.

    Wer irrationale Politik betreibt, ist auch am Problem nicht interessiert, und noch weniger an dessen Lösung.

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    Antwort auf "[...]"
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    Ich sehe eher ein Problem darin, sieht man in einem Wort wie Krebsgeschwür Kriegspropaganda im NS-Stil. Versucht man die Situation in Mali an Begrifflichkeiten aufzuhängen, ist man der Problemlösung keinen Schritt näher.

    Wären Sie nicht an diesen Wort hängengeblieben, wäre Ihnen unter Umständen aufgefallen daß durch diese bildliche Darstellung die Situation sehr wohl treffend geschildert wird.

    Denn gerade aus meinem Satz geht hervor, daß die Islamisten nicht isoliert verantwortlich betreffend der Situation in Mali betrachtet werden dürfen. Das man sich eben nicht mit der Bekämpfung der Islamisten begnügen darf, sondern endlich auch einmal die Ursachen angehen muß.

    Leider lassen sich immer noch zuviele Menschen in vorgefertigte "Links-Rechts-Schemata" und Ideologien zwängen. Die einen machen nur die Islamisten verantwortlich, die anderen nur einzelne Ursachen. Wahlweise Westen, Golfstaaten, Islam, System.

    Genau hierdurch sind es aber diese Menschen, welche eine Lösung verhindern. Denn egal was sie bekämpfen, das andere Übel wird noch dasein. Die Opfer, wie hier die Einheimischen, haben schlußendlich gar keine Stimme und kommen unter die Räder.

    Ihre begriffliche Überkorrektheit ist es nach meiner Meinung daher eher, welche im menschlichen Sinne bedenkliche Folgen zeitigen kann.

    Vielleicht haben Sie meinen Satz aber auch einfach nicht richtig verstanden. Wie die Zensur auch. Denn Absicht möchte ich ja niemand unterstellen.

    Mit freundlichen Grüßen

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