MilitäreinsatzFranzösische Bodentruppen rücken nach Nord-Mali vor

Frankreichs Armee beginnt eine Bodenoffensive. Panzer und Hunderte Soldaten rückten Richtung Norden aus. Präsident Hollande kündigte an, weitere Truppen zu schicken.

Französische Truppen rücken nach Norden vor

Französische Truppen rücken nach Norden vor  |  © Eric Feferberg/AFP/Getty Images

Die französische Armee hat in Mali mit einer Bodenoffensive begonnen. Aus der malischen Hauptstadt Bamako hat sich am späten Dienstagnachmittag ein Panzerkonvoi auf den Weg Richtung Norden gemacht. Etwa 30 Fahrzeuge fuhren vom Flughafen von Bamako in nördliche Richtung los, meldete der französische Auslandssender RFI in der Nacht. Die Panzer waren erst wenige Stunden zuvor aus der Elfenbeinküste eingetroffen. Außerdem wollten französische und malische Verbände die von den Rebellen gehaltene Stadt Diabali im Zentrum des Landes zurückerobern.

Aus malischen Sicherheitskreisen hieß es: "Bis morgen werden wir Diabali mit den Franzosen einnehmen." Islamisten hatten die Stadt, die etwa 400 Kilometer nördlich von Bamako liegt, am Montag eingenommen. Frankreich flog daraufhin Luftangriffe auf Diabali.

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Frankreich will weitere Soldaten nach Mali schicken

Laut Augenzeugen verließen die Islamisten die Stadt bereits kurz nach den Bombardements. Aus örtlichen Sicherheitskreisen hieß es, sie hielten sich jedoch noch in der Gegend auf. Laut Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian kontrollierten sie zudem weiter die zentralmalische Stadt Konna. Die malische Armee hatte das zuvor bestritten.

Frankreichs Präsident François Hollande kündigte unterdessen an, den Militäreinsatz auszuweiten. Demnächst würden weitere Soldaten in das westafrikanische Land geschickt, sagte er während eines Aufenthalts in Abu Dhabi. Laut französischen Medienberichten sollen bis zu 2.500 Soldaten nach Mali geschickt werden. Derzeit befinden sich etwa 800 französische Soldaten auf Bitten der malischen Regierung in dem Land.

Hollande betonte, Frankreich habe kein Interesse daran, langfristig in Mali zu bleiben. Vor einem Rückzug aus Mali müsse aber sichergestellt werden, dass es dort wieder Sicherheit und eine funktionierende Verwaltung gebe, dass Wahlen organisiert würden und dass keine Terroristen mehr das Land bedrohten. Frankreich hatte sich am Freitag militärisch in den Konflikt eingeschaltet.

Bewaffnete islamistische Gruppen kontrollieren den Norden Malis und kämpfen gegen Regierungstruppen. Aus Angst vor einem neuen Rückzugsgebiet für Terroristen hat Frankreich nun in den Konflikt eingegriffen.

Bewaffnete islamistische Gruppen kontrollieren den Norden Malis und kämpfen gegen Regierungstruppen. Aus Angst vor einem neuen Rückzugsgebiet für Terroristen hat Frankreich nun in den Konflikt eingegriffen.  |  © ZEIT ONLINE

Die US-Regierung äußerte sich positiv über Frankreichs Einsatz in Mali. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums sagte, die USA unterstützten Frankreich mit nachrichtendienstlichen Erkenntnissen über die Lage in Mali. Nach Worten von US-Verteidigungsminister Leon Panetta will die USA keine Streitkräfte nach Mali entsenden. "Es wird nicht in Erwägung gezogen, diesmal irgendwelche amerikanischen Stiefel auf den Boden zu setzen", sagte Panetta.

Die Bundesregierung will Frankreich womöglich mit Flugzeugen für den Truppentransport unterstützen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wird derzeit geprüft, ob Transall-Transportmaschinen und ein Airbus-Passagierjet entsendet werden.

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Leserkommentare
    • Sunio
    • 16. Januar 2013 9:52 Uhr

    Dann lesen Sie sich mal die Resolution der UN durch, die den Einsatz angeblich legitimieren soll. Dort wird mit keinem Satz begründet, warum die Aufständischen angeblich bereits den Weltfrieden bedrohen.
    Übrigens ist der neue kulturelle Rassimus ein global verbreitetes Phänomen, daher stimmt selbstverständlich auch China für solch einen Einsatz gegen Muslime. [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ds

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    sie sich zunächst informiere, was das Völkerrecht besagt.

    Angriffskriege gegen souveräne Staaten badürfen einer Zustimmung des UN-Sicherheitsrates, das ist richtig.

    Das militärische Eingreifen auf ausdrücklichen Wunsch eines souveränen Staates auf dem gebiet eben jenes Staates st durch das völkerrecht waserdicht abgesegnet.

    Haben Sie die Resolution selbst gelesen ? Ich habe dort keinen Satz gefunden, welcher "Bedrohung des Weltfriedens" beinhaltet.

    Die Schutzverantwortung (auch Verantwortung zum Schutz; englisch Responsibility to Protect, kurz R2P oder RtoP) ist ein Konzept der internationalen Politik und des Völkerrechts zum Schutze des Menschen vor schweren Menschenrechtsverletzungen und Brüchen des humanitären Völkerrechts.

    Das die Islamischen Milizen ( Rebellen / Freiheitskämper / "beliebiges Wort" ) in den von Ihnen kontrollierten Gebieten massiv gegen das Völkerrecht verstoßen ist ja unbestritten dokumentiert.

    Ob die Franzosen dies jetzt wegen der Bodenschätze machen, wegen ater Kolonialer Machtansprüche, oder weil Sie einfach mal Bock drauf haben ist nebenbei völlig Irrelevant. Als Nebenprodukt wird den Menschen dort geholfen welche unter den Islamisten leiden und sterben. Von denen hat sich kommischerweise noch niemand beschwer, nur von Zuhause im warmen Kämmerlein mit dem dicken Arsch auf dem Sofa, ist es natürlich immer einfach einen auf Gutmensch zu machen.

    PS: Natürlich gibt es dutzende Beispiele wo die internationale Gemeinschaft völlig konträr handelt, dass ist jedoch kein Argument dafür es hier auch sein zu lassen.

  1. Seltsam, dass NATO-Staaten in Syrien diese Islamisten stützen, oder? Deren dutzendfach erklärtes Ziel, einen Scharia Staat zu gründen, scheint uns nicht davon abzuhalten diese Gruppierungen tatkräftig zu unterstützen.

    Ich will jetzt garnicht behaupten, dass diese Islamisten nicht bekämpft werden müssen. Nur müssen wir uns im Klaren sein, dass sicher nicht der Schutz der Malischen Bevölkerung Ursache dafür ist.

    Wie immer geht es um eiskalte machtpolitische Interessen in der alten Frankophonie. Es geht um die Kontrolle Westafrikas und um Bodenschätze im Niger.

    Was aber nicht geht ist mit "Kampf gegen den Terror" oder gar "Menschenrechte" zu argumentieren. Denn das macht beim zweiten Mal hinschauen keinen Sinn. In Syrien und Libyen Islamisten stützen und in Mali bekämpfen?

    Tunesien hat gute Islamisten (weil Gewerkschafter bekämpfen)? Saudi-Arabien hat die sowieso besten Steinzeit-Islamisten (da über die Kontrolle einer Familie der halbe Nahe Osten und die Petrodollars kontrolliert wird)?

    Ägyptische Muslimbrüder sind schon wieder out (fangen langsam mit souveränder Politik an)? In Libyen kontrollieren islamistische Milizen das Land (gut solange die Ölforderung nicht beeeinträchtigt wird). In Syrien sind Terroristen Freiheitskämpfer (da Kampf gegen Freund des Iran und Sozialist). Im Iran sind Bombenleger in NGOs organisiert, nicht Terrororganisationen (MEK-Legalisierung)...

    ??? hääääääääh ????

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Guten Morgen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • F.R.
    • 16. Januar 2013 10:03 Uhr

    Vielen Dank, ein sehr guter und zutreffender Kommentar. Ich bin ganz Ihrer Meinung!

    Und dazu den Jörges, vorhin auf Radio1. Kann auch herunter geladen werden. Und in ein paar Jahren nochmal nachgehört.
    http://www.radioeins.de/p...

  2. responsibilty to protect ist kein geltendes Völkerrecht, sondern eine nachträgliche Legitimation von Angriffskriegen.

    Das hat man sich klug zusammengeschustert, um die Menschen besser über Sinn udn Unsinn solcher Einsätze in die Irre zu führen.

    Aber es ist KEIN geltendes Recht!

    3 Leserempfehlungen
    • F.R.
    • 16. Januar 2013 10:03 Uhr

    Vielen Dank, ein sehr guter und zutreffender Kommentar. Ich bin ganz Ihrer Meinung!

    3 Leserempfehlungen
  3. Krieg in Mali und wie immer werden am meisten die Frauen darunter leidern. Und wie immer wird es kaum ein europäisches Land geben, das bereit ist, die Flüchtlinge dauerhaft aufzunehmen.

    Basisinitiativen in Mali fordern dialogorientierte Lösung trotz drohender militärischer Eskalation im Norden des Landes.
    Sie berieten einen riesigen Friedensmarsch durch Mali vor, um Dialog zu fordern, statt Bodenoffensiven.
    Näheres dazu hier: http://www.afrique-europe...

    Und Frauen in aller Welt bereiten sich auf den 14.2.2013 vor, um sich der Kampagne ONE BILLION RISING anzuschließen und ein Ende der Gewalt zu fordern gegen Frauen und Mädchen im Krieg und im Alltagsleben.
    http://onebillionrisingos...

    2 Leserempfehlungen
  4. sie sich zunächst informiere, was das Völkerrecht besagt.

    Angriffskriege gegen souveräne Staaten badürfen einer Zustimmung des UN-Sicherheitsrates, das ist richtig.

    Das militärische Eingreifen auf ausdrücklichen Wunsch eines souveränen Staates auf dem gebiet eben jenes Staates st durch das völkerrecht waserdicht abgesegnet.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Völkerrechtsbruch"
    • Joyce
    • 16. Januar 2013 10:16 Uhr

    Nachdem die Islamisten sich nach Angriffen auf ihre Rückzugsräume aus vor 2 Tagen aus Gao zurückzogen, liefen die Frauen auf die Straße, rissen sich ihre Schleier von den Köpfen, feierten und riefen "Vive La France".
    (Quelle: WDR5)

    Die Freude darüber mischt sich mit Sorgen und Bedenken.
    Aber grundsätzlich freue ich mich mit diesen Frauen, die wieder mit größerer Freiheit und unverschleiert leben können, so wie sie es auch bis April dieses Jahres taten.

    MfG
    Joyce

    4 Leserempfehlungen
  5. 40. [...]

    sie sollten lieber dafür sorgen, daß flugzeuge(zivile) endlich auf dem neuen flughafen BER starten und landen können und nicht geld sowie logistik im ausland zu verschwenden !

    wir müsen ja geld haben.....???????????

    P.S.: Müssen wir jetzt überall dabeisein?

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Bundesregierung | Leon Panetta | Frankreich | Mali | Fahrzeug | Flughafen
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