WestafrikaSPD-Politiker fordert deutsche Hilfe für Mali

Die französische Luftwaffe kämpft in Mali gegen islamistische Rebellen. Die SPD verlangt auch deutsche Unterstützung. Europa könne sich keinen Unilateralismus leisten.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, fordert auch deutsche Hilfe für Mali. "Wenn wir in Europa zu einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik stehen, können wir uns keinen Unilateralismus leisten", sagte Arnold dem Tagesspiegel. "Wenn Frankreich Hilfe braucht im Zusammenhang mit dem Lufttransport, muss Deutschland Unterstützung leisten."

Deutschland sei immerhin Mitglied im gemeinsamen Kommando zum strategischen Lufttransport, sagte Arnold. Daher dürfe eine Unterstützung nicht "reflexhaft" abgelehnt werden. Auch an einer möglichen Ausbildungsmission für die malischen Streitkräfte sollte sich Deutschland beteiligen. "Langfristig sind in Mali auch europäische Sicherheitsinteressen bedroht", sagte der SPD-Abgeordnete.

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Frankreich unterstützt in Mali die Armee bei ihrem Kampf gegen Islamisten. Auch Großbritannien hat bereits seine Hilfe angeboten. Einen Bundeswehreinsatz lehnt Außenminister Guido Westerwelle (FDP) dagegen ab: "Ein Einsatz deutscher Kampftruppen steht nicht zur Debatte", sagte er. Die Planungen für eine EU-Ausbildungsmission für die malischen Streitkräfte würden aber fortgeführt. "Ob und wie sich Deutschland daran beteiligt, wird entschieden, wenn die Planungen abgeschlossen sind."

Französische Luftwaffe bombardiert innerstädtische Ziele

Auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bestätigte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Plan einer Ausbildungsmission. Das Eingreifen französischer Truppen in Mali bezeichnete er als "konsequent und richtig". Die malische Armee sei nicht in der Lage gewesen, die nach Süden vorrückenden Terroristen zu stoppen, sagte der Minister. Das sei aber dringend notwendig und das alleinige Ziel des französischen Eingreifens. Die Bundesregierung sei vorab über die Absicht Frankreichs informiert worden. Die mögliche deutsche Beteiligung an einer Ausbildungsmission sei damit nicht hinfällig geworden.

Die französische Luftwaffe griff zuletzt Ziele bei Gao im Norden des Landes an. Es habe etwa ein Dutzend Angriffe gegeben, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. Dabei seien Ausbildungsstätten und Logistikdepots der Rebellen zerstört worden.

Einwohner von Gao berichteten, dass die französische Luftwaffe auch Ziele in der Stadt angegriffen habe. Alle Stützpunkte der Islamisten seien zerstört worden. Die Angegriffenen seien alle geflohen. "Es gibt keinen einzigen Islamisten mehr in der Stadt", sagte einer der Bewohner. Gao ist eine der Hauptstädte der drei Nordprovinzen in Mali. Diese waren im März vergangenen Jahres von den Islamisten eingenommen worden.

Islamisten sind "überraschend" gut gerüstet

Das Vorrücken der Islamisten hatte die internationale Gemeinschaft beunruhigt. Sie befürchtet, dass Mali zu einem Rückzugsort für Al-Kaida-Terroristen und Taliban-Kämpfer wird. Am Freitag schließlich griff Frankreichs Armee in die Kämpfe zwischen Islamisten und Regierungstruppen ein.

Aus dem Umfeld des französischen Präsidenten François Hollande hieß es, die Rebellen seien überraschend gut ausgerüstet, gut bewaffnet und gut ausgebildet. Die Islamisten seien in Libyen an moderne und hochentwickelte Ausrüstung gelangt, die "viel robuster und effizienter als erwartet" sei. Am Freitag war während der Kämpfe in Konna der Pilot eines französischen Kampfhubschraubers bei einem Angriff auf eine Fahrzeugkolonne erschossen worden.

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Leserkommentare
  1. Die Bösen? Und wir sind die Guten?

    Warum ziehst Du nicht in den Kampf gegen die "Bösen"? Würdest Du für diese Sache Dein Leben in Mali geben? Oder das deiner Kinder? Denkst Du das macht Sinn? Was erklärst Du den Kindern, die Ihre Väter in Mali verlieren? Sei nicht traurig, er starb als Guter?

    Die Welt ist ein wenig komplexer als Grimms Märchen.

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    Eine sehr schwierige Frage, die man sicherlich nicht an einem simplen 'wer impft wen ?', oder 'wer sprengt wen dabei in die Luft ?', oder gar anhand der Richtungen von Migrationsbewegungen festmachen sollte.

    "Die Welt ist ein wenig komplexer als Grimms Märchen."

    Das mag sein, aber es gibt immerhin auch noch Karl May.

    Oder nehmen Sie Friedrich Engels:

    "Die Beduinen, arm und aus Armut sittenstreng, schauen mit Neid und Gier auf diese Reichtümer und Genüsse. Dann tun sie sich zusammen unter einem Propheten, einem Mahdi, die Abgefallnen zu züchtigen, die Achtung vor dem Zeremonialgesetz und dem wahren Glauben wiederherzustellen und zum Lohn die Schätze der Abtrünnigen einzuheimsen. Nach hundert Jahren stehn sie natürlich genau da, wo jene Abtrünnigen standen: eine neue Glaubensreinigung ist nötig, ein neuer Mahdi steht auf, das Spiel geht von vorne an."

    http://www.mlwerke.de/me/me22/me22_447.htm

  2. hat die ganze Welt völlig unbewegt zugesehen.

    Aber wenn ein paar Islamisten losmarschieren bombardiert der ganze Westen munter los.

    Wir sind doch immer noch Kreuzritter.

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    Wir kämpfen da nicht für Menschenrechte sondern für Schürfrechte

    3. Grösster Goldlieferant Afrikas

    Was bin ich doch für ein Plappermaul.

    Entschuldigung wir möchten da doch nur Brunnen bauen und Mädchen in die Schule helfen.

  3. Das ist das erste Mal seit Jahren, dass von Frankreich etwas konstruktives kommt. Etwas von dem auch wir und andere freie Nationen profitieren. Ich hätte mir gewünscht, dass auch Deutschland eingreift und ein klares Zeichen gegen die radikalen Islamisten setzt.

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    • ribera
    • 14. Januar 2013 1:42 Uhr

    Als Thatcher innenpolitisch mit dem Rücken zur Wand stand, erklärte sie Diplomatie zum Unwort und reagierte auf die Besetzung der Falklands mit Krieg.
    Hollande kann schon heute seine vollmundigen und unrealistischen Wahlversprechen nicht einlösen.
    Da kommt Mali wie gerufen. Man kann Stärke beweisen und weiß die Mehrheit der Franzosen hinter sich. So lenkt man von innenpolitischen Problemen ab. Altbewährtes Mittel.

  4. "Ich finde, die SPD hat recht. Mittel- und langfristig wird sich Deutschland ein zweites Libyen nicht leisten können."

    Spielen Sie damit auf die erhöhten Benzinpreise bei hiesigen Tankstellen an, nachdem es um Gaddafis Herrschaft geschehen war?

    Zu den zahlreichen Fragen, die Sie aufgeworfen haben: Wie ich in einem früheren Beitrag bereits bemängelt habe, sehe ich die Informationslage zu den Ereignissen in Mali kritisch. Würden Sie allen Ernstes von sich behaupten, Ihre eigenen Fragen auf Grundlage der verfügbaren Berichte guten Gewissens beantworten zu können? Falls ja, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir und anderen Lesern Hinweise auf geeignete Literatur geben könnten.

    Bis dahin bin ich eher dazu geneigt, solche Interventionen sehr kritisch zu sehen. Zeit dafür ist kaum geblieben, weil die Meldungen über den Militäreinsatz Frankreichs erst veröffentlicht wurden, als er schon beschlossene Sache gewesen war.
    Mein Empfinden: Angesichts solcher Ereignisse (*1) - die weitere Liste ist lang - werden sich gewisse Bündnispartner kurz-, mittel- und langfristig ein x-tes Desaster nicht leisten können.

    (*1) http://de.wikipedia.org/wiki/Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik

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    Antwort auf "Fragen über Fragen"
  5. 37. Danke,

    ich hatte schon aufgegeben hier noch einen vernünftigen Kommentar zu finden.

  6. dort bauen deutsche Soldaten Brunnen und bringen Mädchen zur Schule

    und wenn einer nicht zur Schule geht schicken wir ihm Oberst Klein - sorry jetzt General Klein vorbei!

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  7. Wir kämpfen da nicht für Menschenrechte sondern für Schürfrechte

    3. Grösster Goldlieferant Afrikas

    Was bin ich doch für ein Plappermaul.

    Entschuldigung wir möchten da doch nur Brunnen bauen und Mädchen in die Schule helfen.

    2 Leserempfehlungen
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    Ich will ja nicht dein Weltbild zerstören. Aber die Franzosen kamen auf Anfrage der malischen Regierung! Und warum legen die Chinesen im UN-Sicherheitsrat kein Veto ein, wenn es den Franzosen nur um Bodenschätze geht?

    Das Radio meldete, dass die Malier in Bamako ihre Fahrzeuge mit der französischen Flagge schmücken und SEHR ERFREUT sind. Freuen die sich, weil sie jetzt ausgeplündert werden?

    Ich weiß nicht, woher die Flaggen kommen. Aber die Freude sagt doch ALLES!

    Sie haben keinen Groll auf die Ex-Kolonialmacht, vielmehr erkennen sie die Hilfe, die gerade anläuft.

    ECOWAS will Anfang nächster Woche mit Hauptquartier und Truppen in Bamako sein. Kommen die auch nur, um ihren nationalen Konzernen die Bodenschätze zu sichern? Ihre Verschwörungstheorie ist doch äußerst fragwürdig.

    dann haben sich die Tschechen auch gefreut als die Deutschen da vorbei kamen. Die müssen sich noch mehr als in Mali gefreut haben, da habe ich mehr als eine Fahne beim Einmarsch gezählt.

    Mann sind sie naiv!

    "Die Regierung hat die gerufen" - Sie meinen doch nicht die Putschisten oder doch?

    Wie in Afg, erst bomben, dann eine Regierung einsetzen und dann um Hilfe rufen lassen. Mir wird schlecht!

    • ribera
    • 14. Januar 2013 1:35 Uhr

    Wenn die Konsequenz aus der Einigung Europas ist, dass wir heute vornehmlich französische Interessen in Mali, morgen englische Interessen in Simbawbwe und übermorgen spanische Interessen in Ceuta oder Mellia verteidigen sollen. dann ist das nicht mein Europa.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Bundesregierung | CDU | FDP | Guido Westerwelle | SPD | Mali
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