Frankreichs MilitärinterventionDas Mali-Abenteuer
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Zeit überbrücken, bis afrikanische Militärmission steht

Was will Frankreich erreichen?

Zunächst wollen die Franzosen keine größeren Anstrengungen unternehmen, um den besetzten Norden zurückzuerobern. Das Ziel der Angriffe sieht Präsident François Hollande darin, eine spätere Intervention unter Führung des westafrikanischen Ecowas-Blocks vorzubereiten. Militärisch dürfte sich der Einsatz also vorerst darauf beschränken, die Rebellen von einem weiteren Vormarsch nach Süden abzuhalten und sie mit Luftangriffen auf Ziele im Norden zu schwächen – mehr kann Frankreich allein nicht erreichen.

Hollande hofft, dass der jetzige Einsatz eine Angelegenheit weniger Wochen ist. Doch dann müsste entweder die Mission der westafrikanischen Nachbarn Malis sehr viel schneller beginnen als man bislang erwarten durfte. Oder weitere Länder müssten Frankreich entschieden zur Seite springen. Einige Europäer haben bereits Unterstützung angekündigt. Die meisten wollen sich jedoch nicht direkt an Kämpfen beteiligen, allen voran Deutschland. Die USA helfen in Mali wie auch Frankreich längst bei der Ausbildung des Militärs und haben Spezialkräfte im Land. Sie könnten neben häufigeren Einzeleinsätzen auch bei der Aufklärung oder mit Drohnenangriffen die Zeit überbrücken, bis eine afrikanisch geführte Militärmission steht. Bislang halten sie sich jedoch zurück.

Wie lange könnte eine Intervention dauern?

Da die Rebellen ein großes Areal kontrollieren, dürften sie nicht im Handstreich zu besiegen sein. Zudem gibt es Berichte, nach denen sie neben Minen auch Flugabwehrwaffen besitzen könnten, bis hin zu Boden-Luft-Raketen. Sicher ist jedoch, dass der ersten Angriffswelle der Franzosen ein langwieriger Bodeneinsatz folgen muss, um die Aufständischen zu schlagen. Sie aus den wenigen größeren Städten im Norden zu vertreiben, dürfte der leichtere Teil dieser Aufgabe sein; ihre Rückzugsgebiete in der Wüste zu kontrollieren, erfordert mehr als eine Militärintervention – eine langfristige Lösung müsste auch die Nachbarn Algerien, Mauretanien und Niger einbinden und würde eine bessere Kontrolle der porösen Grenzen erfordern.

Wie konnten Islamisten den Norden Malis unter ihre Kontrolle bringen?

Im März vergangenen Jahres war ein Militärputsch in der Hauptstadt  Bamako im Süden des Landes der Auslöser für den Zerfall des Staates: Der politische Stillstand in der Hauptstadt spielte Rebellengruppen in die Hände, deren Vorstößen die malische Armee nichts entgegenzusetzen hatte. Binnen weniger Tage eroberten sie den Norden des Landes. Nach dem Ende des Gaddafi-Regimes in Libyen waren erfahrene Tuareg-Söldner nach Mali zurückgekehrt, die Geld und moderne Waffen mitbrachten. Der eigentliche Konflikt hinter dem Aufstand schwelt seit Jahrzehnten, die Nomaden streiten unter anderem für mehr Autonomie, verfolgen zum Teil aber auch schlicht kriminelle Interessen.

Doch die Tuareg in der "Befreiungsbewegung von Azawad" verloren ihren Einfluss schnell an radikalislamistische Milizen mit Al-Kaida-Kontakten, mit denen sie eine unselige Allianz eingegangen waren. Dazu gehört die Gruppe Ansar Dine (Verfechter des Glaubens), die nach der Eroberung des Nordens mit der "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (Mujao) dort vielerorts mit Gewalt ein strenges Scharia-Regime durchsetzte. An der Spitze der Aufständischen steht der afrikanische Terrorableger Al-Kaida im islamischen Maghreb (Aqmi).

Wie geht es weiter?

Noch am Montag befasst sich der UN-Sicherheitsrat mit der Lage in Mali. Die bestehende Resolution vom 20. Dezember sieht den Einsatz von Truppen westafrikanischer Staaten vor: 3.300 Soldaten sollten entsandt werden, allerdings erst für September 2013. Sie sollten in Logistik und Ausbildung von westlichen Staaten unterstützt werden, auch Deutschland hat dabei grundsätzlich Hilfe in Aussicht gestellt. Die Europäische Union wollte bislang 200 militärische Ausbilder schicken, die malische Regierungstruppen auf den Kampf gegen die Aufständischen vorbereiten sollen. Mit seinem Alleingang hat Hollande Druck auf die Vorbereitungen dafür gemacht. Der Aufruf des Sicherheitsrats vom vergangenen Donnerstag, der den unverzüglichen Einsatz internationaler Truppen fordert, ist völkerrechtlich nicht bindend.

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Leserkommentare
  1. Aqmi = "Al Qauida im Maghreb", also Aqim?

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    aber man versteht trotzdem, was gemeint war, oder?

  2. aber man versteht trotzdem, was gemeint war, oder?

    Antwort auf "Aquim - Aqumi"
  3. geht es nur noch überall darum Islamisten zu bekämpfen. Sind wir in das Zeitalter der Kreuzzüge zurückgekehrt....

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    Man kann auch, selbst wenn das heute nicht mehr politische korrekt ist, zumindest die ersten Kreuzzüge als Reaktion auf die imperialistische Expansion des Islam sehen.
    Warum also nicht? Man muss sich dieser menschenverachtenden Ideologie des politischen Islam (im Unterschied zum säkulärem Islam) entgegen stellen.

    In Mali werden Islamisten bekämpft.
    Sind sie denn dagegen Islamisten zu bekämpfen ?
    Nach allgemeiner Meinung sind Islamisten Verbrecher.
    Wenn die Kreuzritter Islamisten bekämpft haben, wie Sie schreiben, dann waren sie doch die Guten ?

    • Heinz_K
    • 15. Januar 2013 17:07 Uhr

    Welche Freiheit hier verteidigt werden soll ist mehr als unklar - Mali war zwar bis Anfang letzten Jahres eine Demokratie , dann erfolgte aber ein Staatsstreich.
    Andererseits ist das Land aber reich an Bodenschätzen und Islamisten ( wie immer das definiert wird ) sind doch recht eigenwillig.Da könnte man mit einem Militärdiktator besser verhandeln.
    Wozu unsere Bundeswehr da ist ,hat der vorletzte Bundespräsident doch mehr als deutlich gesagt !Wenn also nicht in Mali wo sonst sollte sie eingesetzt werden ?
    Oder die gegenwärtige Politik müßte komplett überdacht werden - das wird aber die Entscheidung des Wählers am Ende des Jahres sein !

  4. Der Zustimmung des UNSC zu einer Militärmission bezog sich auf eine afrikanisch geführte Eingreiftruppe.
    "Als islamistische Kämpfer nun weiter auf den Süden vorrückten, sah sich Frankreich gezwungen, schnell zu handeln."
    Hier wird nebulös umschrieben, dass Frankreich gerade einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führt. Warum nur? Bitte schreiben Sie es klipp und klar, dann können wir drüber diskutieren, ob wir das gut oder schlecht finden und eventuell unter diesen Vorraussetzungen mitmachen wollen.
    Meine Meinung dazu ist durchaus positiv, wir dürfen uns bei unseren Hilfsmissionen nicht mehr von Bürokraten behindern lassen. Syrien belegt, dass dadurch alles noch schlimmer wird. Am besten kurz und schmerzlos handeln, dann ist der Zivilbevölkerung am meisten geholfen.

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    Juristisch ist niemand überfallen worden! Die rechtmäßige Regierung Malis hat Frankreich und die beteiligten Nachbarstaaten schriftlich um Hilfe gebeten. Das sind SOUVERÄNE Akte der Staaten und verletzen nicht das Völkerrecht. Damit muss die UNO in diesem Fall nicht beteiligt werden!

    Lesen Sie einfach die Studie „Militärische Intervention als Problem des Völkerrechts“. Sie wurde herausgegeben von der österreichischen Landesverteidigungsakademie Wien/Büro für Sicherheitspolitik. Unter Punkt 2.3 wird das bewaffnete Eingreifen auf Ersuchen diskutiert.
    http://www.bmlv.gv.at/pdf...

    Aber die UNO wurde bereits beteiligt und hat sich in der Resolution 2085 für eine Befreiung Nordmalis ausgesprochen.
    http://www.ag-friedensfor...

    Der UNO-Sonderbeauftragte für die Sahelzone, Romano Prodi, verteidigte das militärische Engagement Frankreichs in Mali. "Frankreich hat auf Basis einer breiten Übereinstimmung eingegriffen", sagte Prodi am Sonntag (http://derstandard.at/135...).

    Obwohl die UNO nicht erforderlich ist, wird sie auch weiterhin beteiligt bleiben. Sie können also beruhigt sein, dass alle Maßnahmen rechtlich korrekt verlaufen. Die Franzosen sind doch nicht dumm!

    (Wenn Russland, China, die AU oder sonst ein Staat der Welt nicht protestieren, dann müssen wir es in diesem Forum auch nicht tun!)

  5. Redaktion

    Aqmi = al-Qaïda au Maghreb islamique

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    Al Quaida in Maghreb

    So benutzen es auch die Franzosen von France 24 in der englischsprachigen Grafik zur detaillierten Gefechtslage:
    http://www.france24.com/e...

    Wegen Achim --> AKIM --> AQIM findet sich sogar eine Eselsbrücke. :-)

    Also eigentlich kann man ja beides benutzen.

  6. "The French bombing of Mali, perhaps to include some form of US participation, illustrates every lesson of western intervention. The "war on terror" is a self-perpetuating war precisely because it endlessly engenders its own enemies and provides the fuel to ensure that the fire rages without end. But the sloganeering propaganda used to justify this is so cheap and easy - we must kill the Terrorists! - that it's hard to see what will finally cause this to end. The blinding fear - not just of violence, but of Otherness - that has been successfully implanted in the minds of many western citizens is such that this single, empty word (Terrorists), standing alone, is sufficient to generate unquestioning support for whatever their governments do in its name, no matter how secret or unaccompanied by evidence it may be."
    http://www.guardian.co.uk...

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    Sie sollten aber nicht vergessen, dass Al Quaida mindestens genauso aggressiv-expansionistisch ist, wie der Westen. Und da würde ich dann doch die Demokratie vorziehen.
    Nach der Eroberung Malis wäre für Aqmi bestimmt nicht Schluss, dann käme der nächste Staat dran.

    „Während der 1980er-Jahre wurde er [Bin Laden] von der CIA bewaffnet und von den Saudis finanziert, um den Jihad gegen die russische Besetzung Afghanistan zu führen. Al-Qaida, wörtlich ‚die Datenbank‘, war ursprünglich eine Computer-Datei mit den Tausenden Mudschahidin, die mit Hilfe des CIA rekrutiert und trainiert wurden, um die Russen zu besiegen”.
    Robin Cook [Ex-Fraktionsführer der Labour-Partei im britischen Unterhaus]

    "Once upon a time, the CIA trained, financed and supported Osama bin Laden and his mujahidin networks in Afghanistan to repel the Soviet invasion of Afghanistan. After the end of the Cold War, bin Laden turned against the West and we no longer had any use for him. His persistent terrorist attacks against us for more than a decade, culminating in 9/11, provoked our own response, in the form of the ‘War on Terror’. This is the official narrative. And it’s false. Not only did Western intelligence services continue to foster Islamist extremist and terrorist groups connected to al-Qaeda after the Cold War; they continued to do so even after 9/11." [Nafeez Ahmed]
    http://www.newint.org/fea...

    "This catastrophe did not “just happen.” It is the direct result of an episode that may at first seem unrelated: the US-led intervention in Libya last year. Rarely in recent times has there been a more vivid example of how such interventions can produce devastating unexpected results.(...)Under the regime of Moammar Khadafy, who was killed during the Libyan war, a portion of the army was made up of Tuaregs. They are a nomadic people whose traditional homeland is centered in northern Mali. After Khadafy was deposed, they went home — armed with potent weaponry they brought from Libya. Seeking to press their case for a homeland in Mali, they quickly overran the lightly armed Malian army.(...)This is an emerging crisis that could engage the world for years. A vast region has fallen out of the control of central government and into the hands of violent radicals. They may cause far more death and suffering than Khadafy ever did.(...)By building a jihadist army in Afghanistan, the United States helped create a transnational terrorist force that has plunged an entire region into war. The invasion and occupation of Iraq set off a shattering civil conflict. Now Mali can be added to the list of countries that have been pushed into instability by American-led military action."
    http://www.bostonglobe.co...

  7. und wieder einmal sehen wir, dass der französische staat (unter einem sog. sozialisten) noch nicht die volle unabhängigkeit seiner alten territorien anerkennt.
    dasselbe verhalten hatten die franzosen in der elfenbeinküste an den tag gelegt, als sie das wahlergebnis dort nicht unterstützten und das land fast in einen bürgerkrieg getrieben haben.. und alle schauen zu. ach ja, deutschland denkt ja darüber nach in diesem unmenschlichen theater mitzuwirken.
    hoffentlich werden die soldaten von den an ghaddaffi gelieferten gsg9 maschinengewehren bekämpft. dann würden solch schlechte nachrichten wenigstens eine öffentliche debatte auslösen, wenn es irgendwann heißt" französischer soldat durch deutsches gewehr von islamisten ermordet"

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    • Els
    • 15. Januar 2013 7:49 Uhr

    Sie sollten sich etwas besser informieren, bevor Sie solche Sachen schreiben...

    • Georg34
    • 14. Januar 2013 17:43 Uhr

    Unfassbar! Die politische Dummheit
    ist bei den Grünen zu hause!
    Die Bilanz der grünen Kriegstreiber-
    Politik ist eine Katastrophe. Erst
    deutsche Soldaten in den sinnlosen
    Afghanistan-Krieg schicken und nun
    auch wieder in einen muslimischen Krieg,
    der weit weg von Deutschland stattfindet
    und mit dem wir nichts zu tun haben.
    Fazit: Die Grünen sind als Partei nicht wählbar
    und schaden deutschen Sicherheits-Interessen.

    15 Leserempfehlungen
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    Ich bin mit Ihnen einer Meinung was Die Friedensliebe Der Grünen betrifft. Aber Sie sollten nicht vergessen das Die SPD. und Die Grünen es waren als erste Regierungs Parteien nach 1945 Deutsche Soldaten in den Krieg zuschicken. Endschuldigung Wie komme Ich jetzt auf Krieg, Ich meine natürlich Humaniteräre Hilfs Einsätze zb. Balkan, Horn von Afrika und Afghanistan. Das alles ist kein Krieg sondern nur Kriegsähnliche Einsetze. Genau so wie Politiker nicht Lü... sondern nur Lüg......... Reden Halten.

    • bayert
    • 14. Januar 2013 20:13 Uhr

    "War is Peace", das ist der neue Pazifismus. Der Krieg gegen den Terror erinnert an den im Roman 1984 geführten Krieg gegen Ozeanien.

    • hg2000
    • 14. Januar 2013 20:25 Uhr

    Meiner Meinung nach sind die Grünen erst durch die Abkehr vom idealistischen Pazifismus ein gutes Stück wählbarer geworden.

    Es ist ein universelles moralisches Gebot, dass Menschen vor gewalttätigen Aggressoren geschützt werden müssen. Auch wenn dafür ebenfalls Gewalt nötig ist. Das sollte natürlich immer die letzte Option sein und muss von Fall zu Fall sorgfältig abgewägt werden. Eine Partei, die jedoch diese Option pauschal ausschließt handelt unmoralisch weil sie Menschen, die Aggressoren ausgeliefert sind im Stich lassen muss, wenn alle friedlichen Optionen erschöpft sind.

    Es ist naiv anzunehmen, dass sich jeder Konflikt friedlich lösen lässt. Ein Hitler oder ein Milosovic lies sich nicht mit friedlichen Mitteln stoppen. Auch nützt es Menschen, deren Leben in einem Konflikt akut bedroht ist nichts, wenn man argumentiert, dass man doch vorher bessere präventive Politik hätte machen sollen. Natürlich ist es immer besser Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. Wenn es allerdings zu spät ist, ist es zu spät. Es gibt zudem zahlreiche Beispiele, in denen militärische Interventionen schlimmeres verhindert haben. Der Jugoslawien-Einsatz, den die Grünen befürworteten, gehört dazu.

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