Frankreichs MilitärinterventionDas Mali-Abenteuer

Frankreich hat sich den Islamisten in Mali in den Weg gestellt. Werden die Kämpfe wirklich nur wenige Wochen dauern, wie es der Präsident verspricht? Von Carsten Luther von 

Kämpfer der Islamistengruppe Mujao im malischen Gao

Kämpfer der Islamistengruppe Mujao im malischen Gao  |  © Romaric Ollo Hien/AFP/GettyImages

In den Konflikt zwischen Regierungstruppen und Islamisten in Mali hat sich seit Freitag Frankreich mit Kampfflugzeugen und mehreren Hundert Soldaten eingeschaltet. Nach malischen Angaben wurden die Aufständischen aus Gao, Kidal und Timbuktu vertrieben. Andererseits haben die Rebellen in einigen Gebieten auch an Boden gewonnen.

Warum hat Frankreich gerade jetzt militärisch eingegriffen?

Den Norden Malis kontrollieren seit Monaten mehrere, teils islamistische Rebellengruppen. Die Angst, das Land könne außerhalb staatlicher Kontrolle zu einem neuen Rückzugsgebiet für Terroristen werden, verschaffte dem Konflikt in Mali von Beginn an internationale Aufmerksamkeit. Doch vor einer militärischen Intervention, zumal geführt von einem nicht-afrikanischen Land, schreckten westliche Länder lange zurück. Frankreich und auch die USA hatten sich zwar offen dafür gezeigt, die Initiative sollte in ihren Augen aber unbedingt afrikanische Staaten ergreifen, am besten Mali selbst.

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Der westafrikanische Ecowas-Block fuhr in dieser Lage zweigleisig: Beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen warb er für eine Militärmission, die zwar beschlossen wurde, deren Realisierung sich aber noch Monate hätte hinziehen können. Experten zweifelten an den Fähigkeiten der Afrikaner, ungeklärt war auch, wer den Einsatz finanzieren sollte. Gleichzeitig sprachen Unterhändler mit Teilen der Aufständischen, bis zuletzt aber ohne Erfolg.

Als islamistische Kämpfer nun weiter auf den Süden vorrückten, sah sich Frankreich gezwungen, schnell zu handeln – auch auf Bitten der malischen Übergangsregierung und weil im Süden des Landes rund 6.000 Franzosen leben. Mit den Angriffen auf die Islamisten riskiert die französische Regierung auch das Wohlergehen von Geiseln, die Al-Kaida-nahe Gruppen in mehreren afrikanischen Ländern gefangen halten; einen Zusammenhang zu einer missglückten Befreiungsaktion in Somalia weist Frankreich jedoch zurück.

Bewaffnete islamistische Gruppen kontrollieren den Norden Malis und kämpfen gegen Regierungstruppen. Aus Angst vor einem neuen Rückzugsgebiet für Terroristen hat Frankreich nun in den Konflikt eingegriffen.

Bewaffnete islamistische Gruppen kontrollieren den Norden Malis und kämpfen gegen Regierungstruppen. Aus Angst vor einem neuen Rückzugsgebiet für Terroristen hat Frankreich nun in den Konflikt eingegriffen.  |  © ZEIT ONLINE

Wie sind die Rebellengruppen ausgestattet?

Die verschiedenen Gruppen sollen zusammen rund 3.000 Kämpfer haben, die bestens ausgestattet und erfahren im Wüstenkrieg sind. Sie kennen die Gegend gut und dürften über ausreichend geländegängige Fahrzeuge verfügen, auf deren Ladeflächen teils schwere Waffen montiert sind. Auf die größten finanziellen Mittel kann sich der Al-Kaida-Ableger Aqmi stützen, dessen Mitglieder in der Region seit Langem ihr Geld mit Drogenschmuggel, Menschenhandel und Entführungen verdienen. Experten sprechen von Millioneneinnahmen, die jetzt auch dazu dienen könnten, ausländische Dschihadisten als Söldner zu bezahlen.

Leserkommentare
  1. 49. Krieg

    Dieser Krieg wir mit Sicherheit keine 2 oder 3 Wochen dauern!
    Es wird ein länger Krieg werden mit hohen zivilen Opfer!
    Frankreich sollte seine eigene Sicherheit nicht aufs Spiel setzen nur um post koloniale Traumvorstellung wieder zum Leben zu erwecken.
    Mein Beileid an die Bevölkerung Malis. Und mein Beileid an die Völker Afrikas die an die post-kolonialen Mächte Europas immer noch zu leiden haben!!

  2. Es ist unverständlich wie viele Menschen immer noch an die alten Propagandatricks Frankreichs glauben. Mali wird rekolonialisiert, begründet mit Al Quaida, viele Menschen in Mali sterben durch französische und britische Angriffe. Mali zahlt diese Intervention mit ihren Naturressourcen. Das Land wird ausgebeutet und geht Pleite. Mit Hilfe des Westens hat damit absolut nicht zu tun. Moralisch lässt sich diese Unterstützung nicht begründen? Der Eingriff ins innere Angelegenheit fremde Länder müssen durch die UNO legitimiert werden. Bis heute könnte ich keine Legitimation der UNO feststellen. Es geht hier nur um die Interessen Europa. Afrika wird nie zur Ruhe kommen. Es geht nach den Stärkeren und nicht wer Recht hat.

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  3. ob Frankreich Samthandschuhe anzieht. Das Gebiet, um das es geht, ist Wüste, ideales Gelände für Luftwaffe. Es gibt keine Möglichkeit, sich zu verstecken, nicht am Tag bei wolkenlosem Himmel und nicht bei Nacht vor Nachtsicht- und Wärmebildgeräten. Flak, die der französischen Luftwaffe gefährlich werden könnte, ist bisher auch nicht aufgetaucht. Also geht es wie in Libyen. Die Rebellen werden, wenn sie die ersten Luftangriffe abbekommen haben, sehr schnell nach dem einzigen Schutzschild greifen, den sie haben: Zivilisten. Je mehr die Franzosen auf die Zivilisten Rücksicht zu nehmen versuchen, desto länger dauert es. Das war schon in Libyen so. Mit Flächenbombardements wäre die Sache in einer Woche erledigt, aber das will glücklicherweise keiner. Die "erfahrenen Wüstenkämpfer" sind vielleicht ein Problem für die desolate malische Armee, aber sicher nicht für die Fremdenlegion.

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    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dann wird die liebe gute Fremdenlegion moeglicherweise recht alt aussehen. Und der Krieg koennte nicht nur 2 oder 3 Wochen dauern, sondern 20 oder 30 Jahre.

    Die Bundeswehr koennte unter Umstaenden Frankreich nicht nur mit ein paar Ausbildern und 2 Transall auhelfen muessen, sondern mit mehreren Divisionen.

    Wieviel zusaetzliche Soldaten aus Deutschland braucht Frankreich, um flaechendeckend Kindergaerten, Schulen, Einkaufszentren, U-bahnstationen, Dorffeste, Strassen, Banken und Verwaltungszentren zu schuetzen, falls die Islamisten massiv zurueckschlagen, und zwar in Frankreich, wie sie selbst bereits angekuendigt haben? Waeren 100,000 Mann genug, oder duerfen es auch ein paar mehr sein, um zusaetzlich auch noch Kirchen, Synagogen und Moscheen zu sichern, Maerkte, Altersheime, Krankenhaeuser und andere Orte, an denen sich schutzlose Menschen aufhalten?

    Monsieur Hollande hat den Feldzug gegen die Islamisten geausogut vorbereitet wie Napoleon den seinigen gegen Russland. Am Ende war das l'Empire vernichtet.

    Assymetrische Kriegsfuehrung ist dabei das Stichwort. Franzoesische Hubschrauber und die Genfer Konvention auf der einen Seite, bewaffnete Zivilisten und religioeser Fanatismus auf der anderen Seite: die Chancen fuer Frankreich, aus dem Schlamassel noch heil herauszukommen, stehen schlecht.

    Schon im Algerienkrieg vor 50 Jahren, militaerisch eigentlich fast gewonnen, wurde Frankreich an der Heimatfront besiegt, durch Terror.

  4. Dann wird die liebe gute Fremdenlegion moeglicherweise recht alt aussehen. Und der Krieg koennte nicht nur 2 oder 3 Wochen dauern, sondern 20 oder 30 Jahre.

    Die Bundeswehr koennte unter Umstaenden Frankreich nicht nur mit ein paar Ausbildern und 2 Transall auhelfen muessen, sondern mit mehreren Divisionen.

    Wieviel zusaetzliche Soldaten aus Deutschland braucht Frankreich, um flaechendeckend Kindergaerten, Schulen, Einkaufszentren, U-bahnstationen, Dorffeste, Strassen, Banken und Verwaltungszentren zu schuetzen, falls die Islamisten massiv zurueckschlagen, und zwar in Frankreich, wie sie selbst bereits angekuendigt haben? Waeren 100,000 Mann genug, oder duerfen es auch ein paar mehr sein, um zusaetzlich auch noch Kirchen, Synagogen und Moscheen zu sichern, Maerkte, Altersheime, Krankenhaeuser und andere Orte, an denen sich schutzlose Menschen aufhalten?

    Monsieur Hollande hat den Feldzug gegen die Islamisten geausogut vorbereitet wie Napoleon den seinigen gegen Russland. Am Ende war das l'Empire vernichtet.

    Assymetrische Kriegsfuehrung ist dabei das Stichwort. Franzoesische Hubschrauber und die Genfer Konvention auf der einen Seite, bewaffnete Zivilisten und religioeser Fanatismus auf der anderen Seite: die Chancen fuer Frankreich, aus dem Schlamassel noch heil herauszukommen, stehen schlecht.

    Schon im Algerienkrieg vor 50 Jahren, militaerisch eigentlich fast gewonnen, wurde Frankreich an der Heimatfront besiegt, durch Terror.

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  5. Al Quaida in Maghreb

    So benutzen es auch die Franzosen von France 24 in der englischsprachigen Grafik zur detaillierten Gefechtslage:
    http://www.france24.com/en/files/element_multimedia/image/Mali%20map%20E...

    Wegen Achim --> AKIM --> AQIM findet sich sogar eine Eselsbrücke. :-)

    Also eigentlich kann man ja beides benutzen.

    Antwort auf "Anmerkung Aqmi"
  6. Ich empfehle eine Analyse:
    http://www.boell.de/downloads/201212_Krise_in_Mali_Wiedemann.pdf; 17 Seiten

    Nicht alle Tuareg wollen die Unabhängigkeit, es gibt auch unter ihnen verschiedene Meinungen. Es gibt auch andere Regionen, die sich von Bamako vernachlässigt fühlen. Aber wenn es Waffengewalt gab, dann waren es immer Tuareg! Da haben Sie recht.

    Aber seit die Franzosen in Mali sind, kündigen die Tuareg an, dass sie die „Arbeit am Boden“ machen wollen (http://derstandard.at/1356427632686/Islamisten-in-Mali-starten-Gegenoffe...). Sie sind derzeit nicht glücklich mit den Islamisten.

    Im Gegensatz zu Afghanistan war Mali vorher eine Demokratie. Sie hat aber Schwächen und kann verbessert werden. Dabei sollte die BRD und EU helfen! Diese Aufgabe ähnelt eher der Situation Libyen, als der Situation in Tunesien oder Ägypten. Nur das Mali viel ärmer als Libyen ist.

    Hoffentlich scheitern Westerwelle und Niebel nicht. Aber die werden ja im Herbst ersetzt!

    Antwort auf "1a Rezept"

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