Militäreinsatz gegen IslamistenFranzösische Truppen rücken Richtung Nord-Mali vor

Einheiten der französischen Armee haben zwei weitere Städte des afrikanischen Landes eingenommen. Die Bundesregierung stellt unterdessen weitere Hilfe in Aussicht.

Französische Soldaten in der malischen Stadt Niono

Französische Soldaten in der malischen Stadt Niono  |  © ISSOUF SANOGO/AFP/Getty Images

In Mali sind die französischen Truppen weiter nach Norden vorgerückt. Reguläre Einheiten nahmen am Sonntag die Städte Niono im Westen und Sévaré im Osten ein, wie ein Sprecher der "Operation Serval" mitteilte. Paris forderte den westafrikanischen Staatenbund Ecowas auf, rasch die Führung beim Einsatz gegen die Islamisten zu übernehmen, während die Ecowas bei einem Sondergipfel mehr logistische und finanzielle Hilfe forderte.

Neben den Truppen in Niono und Sévaré hatte Frankreich auch Einheiten an einer Brücke über den Niger in Markala stationiert. Sevaré liegt auf der Ostseite des Nigers auf dem Weg nach Kona, wo es vergangene Woche heftige Kämpfe gegeben hatte. Niono liegt mehrere hundert Kilometer weiter westlich an der Straße nach Diabali, von wo sich die Islamisten am Samstag zurückgezogen hatten. Verschiedene Quellen berichteten von einem Rückzug auch aus anderen Teilen des Zentrums in Richtung Kidal im Norden.

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Im Rahmen der am 10. Januar gestarteten französischen "Operation Serval" sind bereits 2.000 Soldaten in Mali, darunter eine nicht näher bekannte Anzahl Eliteeinheiten. Zudem sind jeweils ein dutzend französische Kampfflugzeuge und Hubschrauber im Einsatz. Am Wochenende trafen weitere Kampfhelikopter in Bamako ein. Die Luftwaffe flog am Samstag nach Armeeangaben zwölf Einsätze, die Hälfte davon zur Aufklärung.

Bewaffnete islamistische Gruppen kontrollieren den Norden Malis und kämpfen gegen Regierungstruppen. Aus Angst vor einem neuen Rückzugsgebiet für Terroristen hat Frankreich nun in den Konflikt eingegriffen.

Bewaffnete islamistische Gruppen kontrollieren den Norden Malis und kämpfen gegen Regierungstruppen. Aus Angst vor einem neuen Rückzugsgebiet für Terroristen hat Frankreich nun in den Konflikt eingegriffen.  |  © ZEIT ONLINE

Frankreich machte am Samstag klar, dass es die Führung rasch an die Afrikaner abgeben wolle. Außenminister Laurent Fabius sagte bei dem Gipfel in Abidjan, Ziel müsse es sein, die Ecowas-Eingreiftruppe "so bald wie möglich" zum Einsatz zu bringen. Zugleich bekräftigte Präsident François Hollande aber, Frankreich werde solange in Mali bleiben wie notwendig, "um den Terrorismus zu besiegen".

Westerwelle stellt weitere Hilfe in Aussicht

Der amtierende Ecowas-Vorsitzende, der ivorische Präsident Alassane Ouattara, verlangte zum Auftakt des Gipfels "ein umfassenderes Engagement der Großmächte". In der Schlusserklärung forderte der Staatenbund seine Mitglieder auf, die zugesagten Truppenkontingente "ohne weitere Verzögerungen" bereitzustellen. Zugleich appellierte er an die Vereinten Nationen, umgehend logistische und finanzielle Hilfe für die Eingreiftruppe zu leisten.

Die Internationale Unterstützungsmission für Mali (MISMA) soll der malischen Armee helfen, den seit April von Islamisten kontrollierten Norden des Landes zurückzuerobern. Die ersten 2.000 Soldaten der Eingreiftruppe sollen bis zum 26. Januar in Malis Hauptstadt Bamako eintreffen. Bis Sonntag waren aber erst gut hundert Soldaten vor Ort. Langfristig soll die Mission 5.800 Soldaten umfassen.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte der MISMA unterdessen weitere Hilfe zu. Die deutsche Unterstützung für Mali ziele demnach in vier Richtungen. Es gehe um logistische Unterstützung sowie um eine Beteiligung an der Ausbildung der dortigen Truppen. Zudem wolle Deutschland den Einsatz finanziell unterstützen. Dazu solle es Ende des Monats eine Geberkonferenz in Addis Abeba geben. Auch werde Deutschland humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge leisten, erklärte Westerwelle.

Die Franzosen und die MISMA sollen logistische Unterstützung aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Kanada und den USA erhalten. Am Sonntag kündigte Fabius an, dass auch Russland Flugzeuge bereitstellen werde. Die beiden deutschen Transall-Flugzeuge landeten am Samstagabend in Bamako.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Kein Themenbezug. Danke, die Redaktion/jp

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    Entfernt. Kein Themenbezug. Danke, die Redaktion/jp

  2. << Zugleich bekräftigte Präsident François Hollande aber, Frankreich werde solange in Mali bleiben wie notwendig, "um den Terrorismus zu besiegen". <<

    Er kann ja auch schlecht sagen, dass er wegen den dortigen Bodenschätzen (u.a. Gold, Uran, Bauxit), die für französische Unternehmen interessant sind, Soldaten nach Mali schickt.
    Das sollte dann eigentlich die Aufgabe von Journalisten sein, dies nachzureichen.

    Statt sich um die extreme Armut und das hochkorrupte Staatswesen in Mali zu kümmern, die die Bevölkerung in die Arme religiöser Fundamentalisten treiben, die Nahrung und Sicherheit versprechen und Vorgeben, andere Motive als die der Profitmacherei zu haben, d.h. die Ursachen zu beseitigen, werden dann eben die aufständischen "Terroristen" mit Waffengewalt niedergestreckt und so die Symptome kurzzeitig mittels einiger hundert Tonnen Munition bekämpft.
    Aber wenn man dann eh schon militärisch am "Säubern" ist, kann die malische Regierung auch eben die nicht-islamistische, außerparalamentarische Opposition (u.a. diverse Tuareg-Gruppen) ausschalten.
    Kümmert ja in Europa keinen. Hauptsache, die Geschäfte können weiterlaufen.

    9 Leserempfehlungen
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    • AndreD
    • 20. Januar 2013 16:59 Uhr

    Zugleich bekräftigte Präsident François Hollande aber, Frankreich werde solange in Mali bleiben wie notwendig, "um den Terrorismus zu besiegen"

    genau das ist das Schlagwort, das benutzt wird, um finazielle Interessen zu verteidigen.

    Aber das sollten wir nicht beklagen, denn es steht schon sehr lange in der Bundeswehrdoktrin.

    Leider hilft das den armen Maliern nichts.

    Aber warum kritisiert das niemand wirklich?

    Könnte man eine Linie von Sarrazin und Friedrich zu dem Begriff Islamisten ziehen?

    ZITAT
    Statt sich um die extreme Armut und das hochkorrupte Staatswesen in Mali zu kümmern, die die Bevölkerung in die Arme religiöser Fundamentalisten treiben,

    Erst einmal sieht es doch eher so aus, dass die Islamisten viele Menschen in den Süden treiben ...

  3. 3. [...]

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    Eine Leserempfehlung
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    • hg2000
    • 20. Januar 2013 18:13 Uhr

    Um an Rohstoffe zu kommen gibt es wesentlich effizientere Möglichkeiten als Krieg zu führen (z.B. Tauschhandel mit Infrastrukturmaßnahmen wie es die Chinesen in Afrika machen). Zumalen es in einem durch Krieg und Terror destabilisiertem Gebiet effektiv relativ schwierig ist Rohstoffe abzubauen und zu exportieren.

    Vielleicht ist die Situation doch ein bißchen komplexer als Sie es sich vorstellen/wünschen.

  4. Bitte erst schreiben wenn eine Ahnung hat
    "hochkorrupte Staatswesen in Mali"

    http://www.bmz.de/mobil/w...

    3 Leserempfehlungen
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    <<< Bitte erst schreiben wenn eine Ahnung hat
    "hochkorrupte Staatswesen in Mali"
    http://www.bmz.de/mobil/w... <<<

    Ich hatte den Korruptionsindex von Transperency im Hinterkopf als ich das schrieb.
    http://www.transparency.d...
    Naja, Platz 116 von 178 (2010). Klar, könnte schlimmer sein.
    Vielleicht haben sich die Zustände nach dem Putsch letzten Jahres auch etwas gebessert.
    Vielleicht wäre statt hochkorrupt nur korrupt angebracht gewesen, ein Atribut was ich grundsätzlich den allermeisten Regierungen unterstellen würde (weniger aus blanker Bosheit oder krimineller Energie, als aus einer korrumpierenden Systemlogik und Abhängigkeiten folgend).

    Allerdings halte ich ihren Link auf das Ministerium vom eigenbedarfsliberalen Herrn Niebel für ein bisschen wenig, um mich vom Gegenteil zu überzeugen.
    "Regierung zeigt sich ent­wick­lungs­orientiert" kann aus der Feder eines FDP-sozialisierten "Leistungsträgers" auch heißen, dass die malische Regierung die Steuern für die Oberschicht reduziert, oder den Mindestlohn abschafft etc..

  5. 5. [...]

    Entfernt. Kein Themenbezug. Danke, die Redaktion/jp

  6. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen der Moderation gegenüber und diskutieren Sie den konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/jp

  7. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf undifferenzierte Polemik. Danke, die Redaktion/jp

    2 Leserempfehlungen
    • zfat99
    • 20. Januar 2013 16:43 Uhr

    ... verteidigt, wie Deutschland am Hindukusch. Und niemand ruft nach Friedensverhandlungen, Waffenstillstand und Zweistaatenlösung.

    6 Leserempfehlungen
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    • kai1
    • 20. Januar 2013 17:21 Uhr

    Ihre Forderungen sind einer klassischer Fall von bundesdeutschem sicherheitspolitischem Realitätsverlust.

    Wie sollte ein Frieden aussehen? Wie sollten Verhandlungen mit einem Gegner geführt werden, dessen Ziel keine "Zweistaatenlösung" (nach deren Einrichtung man das Schengenabkommen ohne Grenzkontrollen 1:1 nach Westafrika verpflanzen könnte?) sein kann, sondern gemäß seines ideologischen Denkens nur das GANZE Mali als Sprungbrett für eine weitergehende Islamisierung ganz West- und Zentralafrikas.
    Solche Vorstellungen sind genauso naiv wie die anfänglichen "Nation-Building"-nach westlichem Vorstellungen in Afghanistan, die genau solche Kritiker wie Sie denjenigen vorwerfen, die die Bundeswehr einst nach Afghanistan führten.

    ZITAT
    Und niemand ruft nach Friedensverhandlungen, Waffenstillstand und Zweistaatenlösung.

    Ja doch, die Al-Kaida Jünger die in Timbuktu die Grabmale zerstört haben und Dieben öffentlich die Hände amputieren sind gewiss dafür empfänglich wenn man sie freundlich bittet .....

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Guido Westerwelle | Bundesregierung | FDP | Laurent Fabius | Mali | Außenminister
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