MilitäreinsatzFranzösische und malische Truppen kurz vor Timbuktu

Frankreichs Militäreinsatz drängt die Islamisten in Mali weiter zurück. Nun soll Timbuktu besetzt werden – die Dschihadisten haben die Stadt wohl bereits verlassen.

Fahrzeug der malischen Armee in Diabaly

Fahrzeug der malischen Armee in Diabaly  |  © Eric Feferberg/AFP/Getty Images

Französische und malische Truppen sind in Richtung Timbuktu vorgerückt. Die Soldaten seien "bald in der Nähe von Timbuktu", sagte der französische Regierungschef Jean-Marc Ayrault. Laut einem malischen Militärangehörigen haben die Truppen bereits die Stadtgrenze erreicht.

Malische Medien berichteten, dass zuvor die islamistischen Kämpfer ihren Rückzug aus Timbuktu begonnen hätten. Laut Spiegel Online befinden sich bereits seit zwei bis drei Tagen keine Dschihadisten mehr in der Stadt.

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Timbuktu liegt am Rande der Sahara und zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Islamistische Kämpfer hatten die Stadt im vergangenen Frühjahr unter ihre Kontrolle gebracht und dort zahlreiche Mausoleen islamischer Heiliger zerstört; die Vorgänge lösten weltweit Empörung aus.

Berichte über Plünderungen in Gao

Die französische Luftwaffe bombardierte in der Region Kidal im Nordosten Malis Stellungen der Islamisten. Am Samstag hatten französische und malische Truppen die strategisch wichtige Stadt Gao eingenommen. Soldaten aus Niger und dem Tschad sollten nun die Kontrolle dort übernehmen, teilte das französische Verteidigungsministerium mit. Es gab Berichte über Plünderungen in der Stadt.

Die USA sagten zu, Frankreich bei seinem Mali-Einsatz zu unterstützen. Amerikanische Tankflugzeuge sollen französische Kampfflieger mit Treibstoff beliefern, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Bislang hatte sich das US-Engagement darauf beschränkt, Frankreich mit Geheimdienstinformationen zu versorgen und eine französische Schützenpanzereinheit auf dem Luftweg nach Mali zu bringen.

Deutschland will LKW, Uniformen und Stiefel schicken

Deutschland will die afrikanischen Truppen mit Ausrüstung unterstützen, berichtete der Spiegel. Kanzlerin Angela Merkel habe dies vergangene Woche dem französischen Präsidenten François Hollande zugesagt. Es gehe dabei nicht um Waffen, sondern um Lastwagen, Stiefel sowie Uniformen für die Soldaten.

Die Islamisten haben seit April 2012 den Norden Malis unter ihrer Kontrolle. Als sie weiter in Richtung Süden vorrückten, griff Frankreich am 10. Januar militärisch ein. Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas sowie der Tschad haben ebenfalls die Entsendung mehrerer Tausend Soldaten zugesagt, was bisher jedoch nur schleppend vorankommt.

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Leserkommentare
  1. Meines Wissens haben nicht nur die "Islamisten" die Stadt verlassen, sondern praktisch alle. Was auch kein Wunder ist, wenn man bombardiert. Und rundherum sehr, sehr viel Platz ist.

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    gerne werden ihnen die Islamisten die Stadt kampflos überlassen.

  2. gerne werden ihnen die Islamisten die Stadt kampflos überlassen.

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    Antwort auf "Überschrift.."
  3. Wenn Deutschland jetzt Uniformen schickt, dann laufen wenigstens ein paar Soldaten mit der deutschen Flagge auf der Uniform herum. Hoffentlich gibt’s davon auch Bilder für die Presse. :-)

    Dann wird der 1. FC Nürnberg wohl auch seinen Trikotsponsor Areva behalten können. :-)

    Warum richten wir eigentlich mit Frankreich und Polen die schnellen Eingreiftruppen der EU ein, wenn sie nicht schneller in Mali sein können als die Franzosen? Und für welchen Zweck wurden sie eingerichtet?

    Es gab eine UN-Resolution des Sicherheitsrates. Es gab die Aufforderung des EU-Parlamentes zur Entsendung. Die Anfrage der malischen Regierung machte eine Entsendung völkerrechtlich Unangreifbar.

    Ansar Dine hatte die Verhandlungen abgebrochen, den Waffenstillstand aufgekündigt und Eroberungen begonnen. Wenn das keine Aufgabe für eine schnelle Eingreiftruppe ist, was ist es dann?

    Bremst Berlin nur wieder, weil es ein Wahljahr ist?

    10 Leserempfehlungen
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    Warum muss jetzt die Bundeswehr unbedingt in Mali eingreifen? Die Franzosen scheinen doch die Lage unter Kontrolle zu haben.Die Islamisten sind auf dem Rückzug und ihre endgültige Niederlange nur noch eine Frage der Zeit. Frankreich hat gewisse Interessen in Nordafrika - Deutschland nicht. Es reicht völlig, Frankreich verbal den Rücken zu stärken und Ausrüstungsgegenstände zu schicken.
    Nicht in jedem Konflikt der Welt muss die Bundeswehr mitmischen. Das hat nichts mit Heuchelei oder Inkonsequenz zu tun. Das ist vernünftige Realpolitik.

    französische Truppen, sondern bis auf die Luftwaffe nur Legionäre die keine Franzosen sind, wenn D auch eine Legionärsarmee aufstellt, ginge es auch mit den Einsätzen schneller, da man damit die endlosen Diskussionen der Politiker umgehen könnte und kein dt. Blut vergossen würde.

    @Thema
    So, die französischen Legionäre und die malische Armee stehen vor Timbuktu, da Hollande ja schon gesagt hat, dass er da so schnell wie möglich wieder raus will, warten die Islamisten in der Wüste ab und kommen wenn die Legionäre weg sind wieder.
    Einfach mal nach Afghanistan schauen, da wurde zehn Jahre die Scheiße aus dem Land gebombt und nun ziehen die Truppen alle langsam ab und die Islamisten kommen wieder aus ihren Löchern und übernehmen wieder.

    der "akademische Realist" hat geschrieben:

    "Die Anfrage der malischen Regierung machte eine Entsendung völkerrechtlich Unangreifbar."

    Nun ja, wenn die aktuelle Regierung gewählt worden wäre, könnte man ein derartiges Argument in die Runde werfen. Die Regierung von Dioncounda Traore ist aber am 21.03.2012 mit einem Putsch an die Macht gekommen. Führend bei dem Putsch war die CNRDRE und die besteht haupsächlich aus Offizieren, die in den USA ausgebildet wurden.

    Ist fraglich, ob man das Ergebnis eines Militärputsches als reguläre Vertretung eines Landes erkennen sollte - oder?

  4. "Die Islamisten haben seit April 2012 den Norden Malis unter ihrer Kontrolle."

    @ZEIT: eine Falschinformation wird nicht dadurch wahr, dass man sie ständig in jedem Beitrag wiederholt.

    Nicht die "Islamisten" haben den Norden Malis unter Kontrolle. Sie kontrollieren nur einzeilne Städte und kleine Regionen in Nord-Mali.

    Den größten Teil haben die Tuareg unter Kontrolle und diese Volksgruppe ist säkular. Nix mit bösen "Islamisten". Die "Nationale Bewegung für die Befreiung der Azawad" (MNLA, Tuareg) hat zusammen mit einigen islamistischen Gruppen die Unabhängigkeit des Azawads am 6. April 2012 ausgerufen.

    Später kam es zu Zerwürfnissen mit der islamistischen Gruppe Ansar Dine. http://www.heise.de/tp/bl...

    Die Taureg (die den größten Teil in Nord-Mali kontrollieren) haben der französischen Armee die Unterstützung beim Kampf gegen die Islamisten angeboten. Ein Touareg-Sprecher sagte, sie seien bereit, "die Arbeit am Boden" zu erledigen". Wurde aber abgelehnt. http://www.thueringer-all...

    7 Leserempfehlungen
  5. Nach den Verbrechen, die die französche Armee an der Elfenbeinküste begangen hat (die Fremdenlegion) würde ich als Afrikaner auch die Beine in die Hand nehmen, wenn die Franzosen auf meine Stadt anrücken:

    http://www.tlaxcala-int.o...

    "Heute früh erhielt ich einen Anruf von einem Freund von der Elfenbeinküste, der es Genozid nannte, was Sarkozys Truppen dort tun. Blut, Blut überall. Er konnte herauskommen. Aber was ist mit den anderen?"

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    Ich dachte als Privatmann dürfte man das nicht

    Eine unprofessionell gestaltete Webseite, die auf Menschen verweist, die Gaddafi preisen? Das ist Ihre Quelle?

    Wenn Sie schon einen imaginären französischen Genozid in der Elfenbeinküste (der scheinbar von noch keinem professionellen Medium entdeckt wurde) propagieren wollen, dann strengen Sie sich gefälligst mehr an.

  6. Warum muss jetzt die Bundeswehr unbedingt in Mali eingreifen? Die Franzosen scheinen doch die Lage unter Kontrolle zu haben.Die Islamisten sind auf dem Rückzug und ihre endgültige Niederlange nur noch eine Frage der Zeit. Frankreich hat gewisse Interessen in Nordafrika - Deutschland nicht. Es reicht völlig, Frankreich verbal den Rücken zu stärken und Ausrüstungsgegenstände zu schicken.
    Nicht in jedem Konflikt der Welt muss die Bundeswehr mitmischen. Das hat nichts mit Heuchelei oder Inkonsequenz zu tun. Das ist vernünftige Realpolitik.

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  7. Ich dachte als Privatmann dürfte man das nicht

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  8. französische Truppen, sondern bis auf die Luftwaffe nur Legionäre die keine Franzosen sind, wenn D auch eine Legionärsarmee aufstellt, ginge es auch mit den Einsätzen schneller, da man damit die endlosen Diskussionen der Politiker umgehen könnte und kein dt. Blut vergossen würde.

    @Thema
    So, die französischen Legionäre und die malische Armee stehen vor Timbuktu, da Hollande ja schon gesagt hat, dass er da so schnell wie möglich wieder raus will, warten die Islamisten in der Wüste ab und kommen wenn die Legionäre weg sind wieder.
    Einfach mal nach Afghanistan schauen, da wurde zehn Jahre die Scheiße aus dem Land gebombt und nun ziehen die Truppen alle langsam ab und die Islamisten kommen wieder aus ihren Löchern und übernehmen wieder.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, rav
  • Schlagworte Angela Merkel | Gao | Verteidigungsministerium | Frankreich | LKW | Luftwaffe
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