Ägypten: Mursi verspricht Merkel demokratische Reformen
Ägyptens Präsident versucht in Berlin das Bild eines Reformers zu hinterlassen. Den Ausnahmezustand habe er ungern verhängt, Ziel seien Rechtsstaat und Religionsfreiheit.
Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat bei seinem Deutschlandbesuch versichert, dass er demokratische Reformen in seinem Land vorantreiben will. "Ägypten wird ein Rechtsstaat sein", sagte er nach einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel. Ein ziviler Staat, der nicht theokratischer Natur sei, der Machtwechsel zulasse und "welcher Meinung und Gegenmeinung zulässt".
Angesprochen auf die Proteste und Ausschreitungen in seinem Land verteidigte Mursi die Verhängung des Ausnahmezustands als vorübergehende Maßnahme, von der er nur "ungern" Gebrauch gemacht habe. "Sie dient der Sicherheit der Einwohner, um kriminellen Überfällen ein Ende zu setzen", sagte er. Der Ausnahmezustand solle beendet werden, sobald keine Notwendigkeit mehr bestehe.
Mursi erklärte, er wolle den Dialog mit allen relevanten Gruppen führen. Auf die Frage, ob er die Opposition in eine Allparteienregierung einbinden wolle, sagte Mursi, es gebe eine stabile Regierung. Nach den Parlamentswahlen in wenigen Monaten werde über eine neue Regierung entschieden. Der Präsident forderte angesichts der Kritik der ägyptischen Opposition ein Festhalten an den Wahlen.
In Ägypten waren bei Ausschreitungen gegen Mursi und die Muslimbrüder in den vergangenen Tagen mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. In der Nacht zum Dienstag gingen trotz einer für drei Städte geltenden nächtlichen Ausgangssperre Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Regierung zu protestieren. In Kairo gab es am Dienstag wieder Ausschreitungen, für die kommenden Tage waren weitere Demonstrationen geplant.
Merkel setzt auf wirtschaftliche Zusammenarbeit
Merkel forderte Mursi zur Einhaltung der Menschenrechte auf. Für die Bundesregierung sei es wichtig, dass zu allen politischen Kräften ein Gesprächsfaden vorhanden sei, diese ihren Beitrag leisten könnten, dass Menschenrechte eingehalten würden und die Religionsfreiheit gelebt werden könne. Aus ihrer Sicht sei eine gute, gedeihliche Wirtschaftsentwicklung ein Beitrag für stabile politische Verhältnisse. Bedingungen für wirtschaftliche Hilfe stellte Merkel aber nicht.
Mursi würdigte, dass Deutschland den Demokratisierungsprozess von Anfang an begleitet habe. Zugleich verbat er sich aber die Einmischung in interne Angelegenheiten. Die Zusammenarbeit beider Länder könne in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Politik und Wissenschaft ausgebaut werden. Der ägyptische Präsident sprach von einem "neuen Sprung der Kooperation".
Mursi will Religionsfreiheit achten
Auf der Pressekonferenz im Kanzleramt musste sich Mursi auch für Äußerungen zu Israel rechtfertigen, die er als nicht zutreffend und aus dem Zusammenhang gerissen bezeichnete. "Ich bin nicht gegen das Judentum als Religion. Ich bin nicht gegen die Juden, die ihre Religion ausüben", sagte er. "Und meine Religion verpflichtet mich dazu, an alle Propheten zu glauben, alle Religionen zu respektieren und das Recht der Menschen zur Glaubensfreiheit zu respektieren."
Mehrere internationale Medien hatten Mitte Januar über TV-Interviews von Mursi aus dem Jahr 2010 berichtet. Darin hatte er die Zionisten in Israel als "Blutsauger" und "Nachfahren von Affen und Schweinen" beschimpft. Mursi, der erste islamistische Präsident Ägyptens, sagte nun, es sei damals die Rede von religiösen Praktiken gewesen, mit denen Blut vergossen oder mit denen unschuldige Zivilisten angegriffen würden. Das akzeptiere er nicht. Jeder könne seine Religion ausüben, wie er wolle, solange es im Rahmen der Gesetze bleibe.








Mursi benutzt die hinlänglich bekannten Worthülsen der Politik, um sich nach außen als tolerant und weltoffen zu präsentieren - schließlich will er was von Europa und D. Außerdem zeigt uns sein Auftritt, dass seine Macht keineswegs so gefestigt erscheint, wie er - und seine Glaubensbrüder - es gerne hätten, er muss also zumindest im Ausland noch so tun als ob, weil ohne Hilfe der Ungläubigen kommt er nicht weit.
Gleichwohl macht er uns klar, dass uns der interne Machtkampf in Ägypten gefälligst nichts anzugehen hat ("Einmischung in interne Angelegenheiten"), da werden nämlich allein er und seine Bruderschaft dafür sorgen, dass die notwendigen Gesetze geschaffen werden, damit letztlich nur die Religion erlaubt bleibt, die danach noch gesetzeskonform ist. Schließlich soll Ägypten ja ein "Rechtsstaat" bleiben. Den Begriff scheint er allerdings nicht ganz verstanden zu haben.
geht uns in der Tat nichts an. Was mich jedoch wirklich immer wieder verwundert. Man stelle sich folgende Situation vor. In Berlin kommt es bei einer Nazidemo zu schweren Ausschreitungen mit Todesfällen. Auch Polizisten werden verletzt etc.
Wie würde dann wohl die Öffentlichkeit reagieren?
Unabhängig von den Demos. Hat sich Mursi an die Macht geputscht, oder wurde er demokratisch gewählt? Stand die Verfassung zum Referendum, oder wurde sie aufgezwungen?
Mursis Hauptproblem ist, dass er Arbeit und soziale Sicherheit versprochen hat, es jedoch in Ägypten mit der Wirtschaft steil bergabgeht (Eine Revolution in einem Land, dessen Wirtschaft auf den Tourismus angewiesen ist, macht sich nicht gut).
Anstatt sich immer nur an diesen Worthülsen zu reiben, sollte man endlich beginnen, den tiefen Konflikt in Ägypten differenziert zu betrachten. Und alle die hier so laut die Opposition loben, oder die Justiz über die sich Mursi hinwegsetzt, die seien daran erinnert. Die Richter stammen aus der Mubarack Ära, ähnlich wie eine nicht zu unterschätzende Gruppe an Oppositionsführern, die schlicht mit der Revolution ihre Macht verloren haben.
Das alles gilt es zu bedenken und darum ist es nicht so einfach, wie wir es hier immer wieder gerne darstellen. Interessant ist es im übrigen, dass die Regierung als Regime bezeichnet wurde in heutigen Nachrichten.
geht uns in der Tat nichts an. Was mich jedoch wirklich immer wieder verwundert. Man stelle sich folgende Situation vor. In Berlin kommt es bei einer Nazidemo zu schweren Ausschreitungen mit Todesfällen. Auch Polizisten werden verletzt etc.
Wie würde dann wohl die Öffentlichkeit reagieren?
Unabhängig von den Demos. Hat sich Mursi an die Macht geputscht, oder wurde er demokratisch gewählt? Stand die Verfassung zum Referendum, oder wurde sie aufgezwungen?
Mursis Hauptproblem ist, dass er Arbeit und soziale Sicherheit versprochen hat, es jedoch in Ägypten mit der Wirtschaft steil bergabgeht (Eine Revolution in einem Land, dessen Wirtschaft auf den Tourismus angewiesen ist, macht sich nicht gut).
Anstatt sich immer nur an diesen Worthülsen zu reiben, sollte man endlich beginnen, den tiefen Konflikt in Ägypten differenziert zu betrachten. Und alle die hier so laut die Opposition loben, oder die Justiz über die sich Mursi hinwegsetzt, die seien daran erinnert. Die Richter stammen aus der Mubarack Ära, ähnlich wie eine nicht zu unterschätzende Gruppe an Oppositionsführern, die schlicht mit der Revolution ihre Macht verloren haben.
Das alles gilt es zu bedenken und darum ist es nicht so einfach, wie wir es hier immer wieder gerne darstellen. Interessant ist es im übrigen, dass die Regierung als Regime bezeichnet wurde in heutigen Nachrichten.
in Deutschland gestattet wird, die von den Medien vor die Nase gehaltenen Mikrophone für ihre Propaganda zu nutzen, desto unglaubwürdiger(!!!) werden alle Äußerungen der deutschen Regierung, sich angeblich permanent für DEMOKRATIE im IN-und im AUSLAND "stark" zu machen!
Man könnte also durchaus behaupten, Deutschland bräuchte MEHR solche Besucher, um endlich zu erkennen, wie weit "runter" wir Deutschen
schon mit unseren demokratischen Ansprüchen sind!
MfG
biggerB
Mursi:
"Und meine Religion verpflichtet mich dazu, an alle Propheten zu glauben, alle Religionen zu respektieren und das Recht der Menschen zur Glaubensfreiheit zu respektieren."
Glaubensfreiheit, insbesondere im islamischen Sinne, ist mit Religionsfreiheit nicht deckungsgleich! (-> Glaubensfreiheit im Islam)
Ägypten ist nicht nur der Tummeplatz internationaler gewaltorientierter Islamisten, sondern auch der Hort fundamentalistischer Theoretiker und Prediger.
Unter diesen Umständen halte ich es für völlig ausgeschlossen, daß es in Ägypten eine "Religionfreiheit" geben kann. Im Gegenteil, seit dem Sturz des voherigen autoritären Regimes dominieren bekanntlich Fundamentalmuslime die Politik in Ägypten.
Die Forderungen des Westens, die mit den Geldzuwendungen einhergehen, werden nicht erfüllt werden (können).
Insofern werden diese Hilfgelder nur dazu dienen können um in ganz konkreten Fällen die ägyptische Regierung zum Einlenken zu bewegen. Es sind Beschwichtigungszahlungen, die der Westen leisten wird, szsg. Tribute.
Irgendwie sagt der Titel für mich alles:
Mursi verspricht Merkel...
Er sollte das dem ägyptischen Volk versprechen (und natürlich auch einhalten)!
"Und meine Religion verpflichtet mich dazu, an alle Propheten zu glauben, alle Religionen zu respektieren und das Recht der Menschen zur Glaubensfreiheit zu respektieren."
Seit wann verpflichtet ihn seine Religion zur Glaubensfreiheit Andersgläubiger? Ich kann in den islamischen Ländern keine uneingeschränkte Glaubensfreiheit erkennen.
Ich glaube ihm nicht. Ich denke er ist ein Wolf im Schafspelz. Mal sehen, wie das in 10-20 Jahren in Ägypten aussieht.
das ist die eigentliche Botschaft. Alles andere ist politsch/diplomatisches bla, bla das man nicht so genau nimmt.
Wer's glaubt wird selig. Ein gutes hat dieser Besuch. Jegliche Illusionen über den "arabischen Frühling" sind verflogen. Jetzt hat man die Wirklichkeit im Blick. Ein Juden hassender Islamist führ jetzt Ägypten. Der Krieg gegen Israel erscheint vorprogrammiert. Das ist nur noch eine Frage der Zeit.
Gemeint ist hoffentlich Freiheit von Religion.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren