ÄgyptenMursi holt Muslimbrüder ins Kabinett

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hat zehn Mitglieder seines Kabinetts ausgetauscht. Drei der neuen Minister gehören der Muslimbruderschaft an.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi   |  © Khaled Elfiqi/dpa

Mit Ägyptens Wirtschaft geht es steil bergab. Das liegt auch an dem Mangel an politischer Stabilität, der auf Investoren abschreckend wirkt. Deswegen macht Ägyptens Präsident Mohammed Mursi jetzt ernst: Mit einer Kabinettsumbildung will er die Wirtschaftskrise bekämpfen und gleichzeitig den Zorn in der Bevölkerung besänftigen. Dafür wurden nun nach Angaben staatlicher Medien zehn neue Minister vereidigt.

Ersetzt wurden unter anderem der Finanzminister Mumtas al-Saaed und Innenminister Ahmed Gamal El-Din. Außerdem sollen die Ressortchefs für Kommunikation, Verkehr, Strom und Umwelt ausgewechselt werden. Drei neue Kabinettsmitglieder gehörten Medienberichten zufolge der Muslimbruderschaft an, der auch Mursi vor seiner Vereidigung als Präsident angehört hatte. Die anderen sieben seien unabhängige Technokraten.

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Die Kabinettsumbildung kommt kurz vor dem Besuch einer Delegation des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dabei geht es um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und ein Milliarden-Darlehen. Ministerpräsident Hischam Kandil hatte sich vor dem Jahreswechsel zuversichtlich geäußert, die Gespräche über einen 4,8 Milliarden Dollar schweren Kredit mit dem IWF im Januar wiederaufnehmen zu können. Im November hatte der IWF das Darlehen genehmigt, dann jedoch wegen einer Reihe von Steuererhöhungen gestoppt. Die Verhandlungen darüber waren im Dezember unterbrochen worden, als es im gesamten Land Massenproteste gegen das Verfassungsreferendum gab.

Währungsreserven werden knapp

Die ägyptische Wirtschaft leidet darunter, dass die seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak vor fast zwei Jahren anhaltende politische Krise und die immer wieder aufkeimenden Unruhen zunehmend Investoren und Touristen abschrecken. Die Währungsreserven des Landes werden deswegen allmählich knapp. Das ägyptische Pfund hat seit Beginn des Aufstands gegen Mubarak 2011 zehn Prozent verloren. Allein in der vorigen Woche büßte es mehr als drei Prozent an Wert ein.

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Leserkommentare
  1. "Mursi vor seiner Vereidigung als Präsident angehört hatte. Die anderen sieben seien unabhängige Technokraten."

    Natürlich ist Mursi jetzt kein Muslimbruder mehr, sozusage vom Saulus zum Paulus ;).

    2 Leserempfehlungen
    • EU fan
    • 06. Januar 2013 15:34 Uhr

    wird es ja jetzt mit der Wirtschaft Aegyptens steil bergauf gehen!
    Koranfestigkeit ist ja bekenntermassen eine gute Qualifikation zur Bewaeltigung wirtschaftlicher Herausforderungen!

    13 Leserempfehlungen
    • Juarez
    • 06. Januar 2013 15:41 Uhr

    Da die drei neuen Minister aus der Muslimbruderschaft explizit im Titel erwähnt werden, find ich es schade, dass man nicht mehr Information über diese dem Artikel entnehmen kann.

    • RlUh
    • 06. Januar 2013 16:29 Uhr

    [...]
    Bereits 2010 kam eine Studie des Pew Research Centers zu folgenden Ergebnissen:

    Eine überwältigende Mehrheit der ägyptischen Muslime spricht sich für harte Strafen nach islamischem Recht aus:

    - Steinigung bei Ehebruch: 82%
    - Auspeitschung/Handabschlagen bei Diebstahl und Raub: 77%
    - Todesstrafe bei Apostasie (Austritt aus dem Islam): 84%

    Selbstmordattentate sind nur in den Augen von 46% der ägyptischen Muslime nicht gerechtfertigt. 54% finden sie dagegen entweder oft (8%), manchmal (12%) oder selten (34%) gerechtfertigt.
    [...]

    Gekürzt. Verzichten Sie auf pauschalisierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Von Herrn Mursi werden wir in Zukunft noch hoeren - aber ich befuerchte, es wird nichts Gutes sein.

    Gerade letzte Woche wurde dieser Mensch von Simon-wiesenthal-Zentrum als der derzeit gefaehrlichste Antisemit des Planeten identifiziert.

    Unter der Regierung Mursi ruestet Aegypten weiter auf, gerade werden neue Kampfjets eingefuehrt, waehrend gleichzeitig Oppositionelle in den Kerkern des Regimes verschwinden, um dort gefoltert zu werden.

    Es ist an der Zeit, dass wir unsere Beziehungen zu Aegypten radikal neustrukturieren.

    • RlUh
    • 06. Januar 2013 17:05 Uhr

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

  2. 5. Juhu!

    Hoch lebe Mursi und die Muslimbrüder! Oder nicht?

    Ich mein, wir sind doch die, welche die heldenhaften Freiheitskämpfer in Nordafrika und Nahem Osten so tatkräftig unterstützen. Ergo; sind Muslimbrüder jetzt unsere Freunde.

    Wir müssen sie bei der Einrichtung eines Musterstaates ala Saudi-Arabien weiterhin unterstützen.

    So was wie Grundrechte und so n Zeugs wird doch völlig überbewertet.

    11 Leserempfehlungen
  3. Von Herrn Mursi werden wir in Zukunft noch hoeren - aber ich befuerchte, es wird nichts Gutes sein.

    Gerade letzte Woche wurde dieser Mensch von Simon-wiesenthal-Zentrum als der derzeit gefaehrlichste Antisemit des Planeten identifiziert.

    Unter der Regierung Mursi ruestet Aegypten weiter auf, gerade werden neue Kampfjets eingefuehrt, waehrend gleichzeitig Oppositionelle in den Kerkern des Regimes verschwinden, um dort gefoltert zu werden.

    Es ist an der Zeit, dass wir unsere Beziehungen zu Aegypten radikal neustrukturieren.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Stillstand durch Islam"
    • RlUh
    • 06. Januar 2013 17:05 Uhr
    7. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    Antwort auf "Stillstand durch Islam"
  4. 8. Warum

    »Im November hatte der IWF das Darlehen genehmigt, dann jedoch wegen einer Reihe von Steuererhöhungen gestoppt.«

    Kann mir das jemand erklären?
    Weniger Steuern bedeutet noch mehr Schulden.
    Was will der IWF eigentlich?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • kitha
    • 06. Januar 2013 18:13 Uhr

    »Im November hatte der IWF das Darlehen genehmigt, dann jedoch wegen einer Reihe von Steuererhöhungen gestoppt.«

    "Kann mir das jemand erklären?"

    Soweit ich das mitbekommen habe, wurde das Darlehen gestoppt weil die Steuererhöhungen zurückgenommen wurden. Die Steuererhöhungen wurden gestoppt um die Massenproteste nicht weiter einzuheizen.

    Vielleicht etwas falsch im Artikel dargestellt?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Ägypten | Bevölkerung | Internationaler Währungsfonds | Medien | Darlehen
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