Barack Obama und Israels Premier Benjamin Netanjahu © Jason Reed/Reuters

Die Likud-Partei von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat dem US-Präsidenten nach Erscheinen eines Berichts mit Äußerungen Barack Obamas "grobe Einmischung" in den Wahlkampf vorgeworfen. Obama wolle sich dafür rächen, dass Netanjahu im US-Wahlkampf Partei für den republikanischen Kandidaten Mitt Romney ergriffen habe, zitierte Jerusalem Post Likud-Parteimitglieder.

Hintergrund des Konflikts ist ein Bericht des amerikanischen Journalisten Jeffrey Goldberg. Der hatte berichtet, dass Obama privat kritisch über Israel gesprochen habe. "Israel weiß nicht, was gut für es ist", soll er gesagt haben. Mit jeder weiteren israelischen Siedlung im palästinensischen Westjordanland führe Netanjahu sein Land weiter in die Isolation.

Bei den Bemühungen um einen Friedenskompromiss mit den Palästinensern halte Obama Netanjahu für einen "Feigling", schrieb Goldberg weiter.

Kritik auch offiziell

Die Siedlungspläne im Gebiet E1 sind Israels Reaktion auf die Anerkennung Palästinas als UN-Beobachterstaat im November vergangenen Jahres. 3.000 Häuser sollen in dem Gebiet zwischen Jerusalem und Maaleh Adumim gebaut werden. Das teilte das Westjordanland faktisch in Nord und Süd auf.

Die USA hatten die Pläne Israels auch offiziell kritisiert. Sie seien kontraproduktiv, was den Friedensprozess angehe und erschwerten die Verhandlungen über eine Zwei-Staaten-Lösung.

Kritik ungenannter Mitglieder

Obama ging nach Informationen Goldbergs sogar noch weiter: Der kleine Staat Israel, ein Land, umgeben von ihm feindlich gesinnten Ländern, werde nicht überleben, sollte es auch seine letzten Freunde – darunter die USA – vergraulen. Der Iran stelle eine kurzfristige Bedrohung für Israel dar, zitiert Goldberg den Präsidenten. Israels Verhalten schade dem Land langfristig gesehen mehr.

Ungenannte Likud-Vertreter warfen Obama daraufhin vor, er stehe unter dem Einfluss des israelischen Präsidenten Schimon Peres und des früheren Ministerpräsidenten Ehud Olmert, die Netanjahu politisch konträr gegenüberstehen.

Der Regierungschef kann Umfragen zufolge damit rechnen, bei der Parlamentswahl am kommenden Dienstag im Amt bestätigt zu werden. Das persönliche Verhältnis zwischen Obama und Netanjahu gilt nach Medienberichten aus den USA und Israel seit langem als schwierig.