WahlkampfNetanjahu will keine einzige Siedlung räumen

Kurz vor der Wahl in Israel will Regierungschef Netanjahu mit einer kompromisslosen Haltung in der Siedlungspolitik punkten. Damit reagiert er auch auf neue Konkurrenz.

Vier Tage vor der Parlamentswahl in Israel hat Regierungschef Benjamin Netanjahu angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs keine jüdischen Siedlungen im Westjordanland aufzulösen. Im Interview mit der israelischen Zeitung Maariv antwortete Netanjahu auf die Frage: "Können Sie versprechen, dass während der nächsten vier Jahre keine Siedlung aufgelöst wird?" mit "Ja".

"Die Tage, an denen Planierraupen Juden entwurzelten, liegen hinter uns, nicht vor uns", sagte der Ministerpräsident. "Unsere Bilanz beweist das." Seine Regierung habe keine Siedlungen aufgelöst, sondern sie ausgeweitet. "Niemand muss mir Lektionen erteilen hinsichtlich der Liebe zu Erez Israel (Land Israels) oder des Einsatzes für den Zionismus und die Siedlungen", sagte Netanjahu.

Anzeige

Damit spielte er auf die religiös-nationalistische Partei Jüdisches Haus von Naftali Bennett an, die den Siedlungsbau im Westjordanland beschleunigen will. Netanjahus ehemaligem Bürochef ist es gelungen, das Image seiner Hardliner-Partei aufzuweichen, sodass man ihr im Augenblick 14 Mandate prophezeit. Bennett will große Teile des Westjordanlands annektieren, die Errichtung eines Palästinenserstaats verhindern und den jüdischen Charakter Israels stärken.

Netanjahu kann mit Mehrheit rechnen

Umfragen zufolge kann die Partei bei der Wahl am Dienstag auf Kosten von Netanjahus Wahlliste aus Likud und Unser Haus Israel Sitze hinzugewinnen. Dennoch kann Likud-Chef Netanjahu damit rechnen, mit seinen Verbündeten wieder die Mehrheit in der Knesset zu erringen.

Der Streit um die jüdischen Siedlungen ist eines der größten Hindernisse für den Friedensprozess mit den Palästinensern. Mehr als 340.000 jüdische Siedler leben inzwischen im Westjordanland und mehr als 200.000 in Ost-Jerusalem. Die internationale Staatengemeinschaft betrachtet alle jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten als illegal und erkennt auch nicht die Annektierung Ost-Jerusalems durch Israel 1967 an.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. "Die internationale Staatengemeinschaft betrachtet alle jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten als illegal und erkennt auch nicht die Annektierung Ost-Jerusalems durch Israel 1967 an."

    Ist ja schön und gut, aber welche Bedeutung hat das für Israel?
    Konsequenzen? Fehlanzeige!

    12 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Bashu
    • 18. Januar 2013 11:59 Uhr

    Aber nur üblicherweise.

  2. Am Vorabend zum 20. Januar bin ich doch sehr erleichtert, dass keine juedischen Siedlungen mehr geraeumt werden sollen, und auch keine arabischen Siedlungen in Israel.

    Zur Erinnerung: am 20. Januar 1942 begann in Deutschland die Wannseekonferenz, bei der die Raeumung juedischer Siedlungen im deutschen Machtbereich beschlossen wurde.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Erst bei Kommentar Nr. 10. Da waren Sie heute aber nicht recht engagiert. So spät kam erst die Nazi-Keule, zugegeben in abgeschwächter Form.

    Naja, bei Ihnen ist eben der Name Programm, ich habe nichts anderes erwartet.

    Wenn Sie nicht in der Lage sind, geschichtliche Ereignisse zu abstrahiere, sondern mit Hilfe der einzigen Opferrolle versuchen die gegenwärtige Täterrollen zu relativieren, dann tut mir das zunächst leid für Sie, aber auch für Leute wie mich, die den Quark dann lesen (müssen).

    Gerade angesichts Ihres Verweises auf die schrecklichen Ereignisse, die Juden in Deutschland erlebten, finde ich es doppelt schlimm, dass jetzt die Palästinenser zu Menschen zweiter Klasse gemacht werden.

    • hadebe
    • 18. Januar 2013 12:31 Uhr

    Es brauchen keinerlei Siedlungen geräumt zu werden.

    So wie die Araber israelische Bürger sind,
    können die Israelis im Westjordanland auch Bürger eines Staates Palästina sein.
    Dies mit einer unbefristeten Wirtschaftsblockade durchzusetzen, wäre Aufgabe der Staatengemeinschaft.

    Ich für meinen Teil bin bis heute und werde auch weiterhin weder nach Israel noch nach Palästina reisen - die bekommen von mir keinen Cent!

    Hadebe

  3. Erst bei Kommentar Nr. 10. Da waren Sie heute aber nicht recht engagiert. So spät kam erst die Nazi-Keule, zugegeben in abgeschwächter Form.

    Naja, bei Ihnen ist eben der Name Programm, ich habe nichts anderes erwartet.

    Wenn Sie nicht in der Lage sind, geschichtliche Ereignisse zu abstrahiere, sondern mit Hilfe der einzigen Opferrolle versuchen die gegenwärtige Täterrollen zu relativieren, dann tut mir das zunächst leid für Sie, aber auch für Leute wie mich, die den Quark dann lesen (müssen).

    20 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ein historisches Datum"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Lieber Patrick,

    der Vorwurf der 'Nazi-Keule' ist doch voellig abwegig. Ich wollte lediglich auf die historische Bedeutung dieses Datums fuer juedische Siedlungen hinweisen. Es ist jedem belassen, seine eigenen Schluesse zu ziehen.

    Ich bin jedenfalls nicht der Meinung dass jeder, der die Siedlungspolitik Netanjahus kritisiert, ein Nazi ist. Vermutlich ist die ueberwaeltigende Mehrheit der Menschen in Deutschland, die Kritik ueben, Israel sogar sehr freundlich gesonnen. Denn Frieden im Nahen Osten kann es langfristig nur geben, wenn Araber und Juden kooperieren.

    Es ist allerdings meiner ansicht nach falsch, zu fordern, dass Menschen, die einer bestimmten Religion angehoeren, ihre Siedlungen zu raeumen haetten, waehrend andere, die einer anderen Religion angehoeren, weiterbauen duerfen. Unter diesem Gesichtspunkt kann auch berechtigte Kritik an der Siedlungspolitik Netanjahus durchaus tueckisch und diskriminierend wirken.

    gerade heute in der JP:

    “OBAMA told the 2 most pig like lobbies, AIPAC & NRA, to drop dead in same month"

    'NY Times' Kristof retweets message slurring AIPAC
    http://www.jpost.com/Inte...

    • sabu420
    • 18. Januar 2013 11:15 Uhr

    steht für Angst, Wut und einen Dickkopf wie ihn sich kein anderer leisten könnte, ohne nennenswerte westliche Kritik zu ernten. Im Prinzip wird bei der Wiederwahl das Grundfundament gelegt für weitere Jahre endloser Anfeindungen im Grenzgebiet.
    Man kann Israel nur wünschen diesen Angst-Wut-Hass Teufelskreis zu durchbrechen, um so den Weg für diplomatische und faire Verhandlungen zu ebnen.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Bashu
    • 18. Januar 2013 12:04 Uhr

    ein Netanyahu will GANZ Israel (warum sonst die aggressive Siedlungspolitik?). Eine Hamas will GANZ Palästina.

    Es gibt keine Grundlage für eine Einigung, und ich vermute Israel wird durch seine militärische Überlegenheit und Unterstützung der USA eine neue Realität schaffen. Der Westen wird ein bischen meckern, aber das kann man verkraften.

  4. ich frage mich, ob Sie es waren, die das Wort "Eretz/Erez", falsch übersetzt haben oder jemand anders.

    "Eretz Israel" bedeutet nicht "Land Israel", sondern "Groß-Israel". Kein Wunder, dass Netanjahu ein Anhänger dieser fanatischen Ideologie ist, denn auch Ben-Gurion war es. Die Anhänger dieser Ideologie sprechen sich für ein Groß-Israel aus, welches nicht nur Gaza und das Westjordanland beinhaltet, sondern auch Teile Ägyptens, des Libanons, Syriens und Jordaniens.

    Bitte informieren Sie sich über den Sachverhalt, bevor Sie mit derartigen Übersetzungen spielen und sie wie in diesem Fall sogar falsch übersetzen.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • vonDü
    • 18. Januar 2013 11:21 Uhr

    ""Eretz Israel" bedeutet nicht "Land Israel", sondern "Groß-Israel". "

    Laut meinem Wiki, heißt es korrekt übersetzt "verheißenes Land". http://de.wikipedia.org/w...

    • R. Rat
    • 18. Januar 2013 11:43 Uhr

    "Eretz" ist das hebräische Wort für "Land", damit ist die wörtliche Übersetzung "Land Israel" durchaus korrekt. Gemeint ist damit allerdings das biblische Gelobte Land, also in etwa Kanaan, und dessen Ausdehnung entspricht nicht der des heutigen Israels, somit ist Ihr Einwand natürlich nicht ganz unberechtigt.

    aber es bezeichnet eben auch das biblisch verheißene Gebiet in der Genesis.

    Erez Israel
    http://en.wikipedia.org/w...

    Und das geht vom Euphrat bis zum Nil.
    http://en.wikipedia.org/w...

    Aber das hat Nethanjahu damit sicherlich nicht gemeint. Er meinet nur Israel.

    So die zeitung "ha'arez", wörtlich "das land".
    Die konnotation ist nicht anders als wenn die schwaben vom "ländle" reden.
    Daher ist erez israel das land israel.

  5. Gerade angesichts Ihres Verweises auf die schrecklichen Ereignisse, die Juden in Deutschland erlebten, finde ich es doppelt schlimm, dass jetzt die Palästinenser zu Menschen zweiter Klasse gemacht werden.

    12 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ein historisches Datum"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Lieber Blitzschlag,

    den in Israel lebenden Arabern, und auch denen im Westjordanland, geht es im Durchschnitt bedeutend besser als denen, die derzeit in Syrien um ihr Leben fuerchten muessen, in Libanon oder in Gaza von Radikalislamisten unterdrueckt, oder auf dem Sinai von Organhaendlern gejagt und ausgeweidet werden. Nicht umsonst versuchen jedes Jahr viele tausende von Menschen aus dem islamischen Teil der Welt nach Israel zu fliehen:

    'Refugees head to Israel

    "They are chained and kept in camps in the open with no bathrooms and little water and food and treated worse than animals,"'
    http://www.cnn.com/2011/1...

    Wohlgemerkt, dies geschieht nur wenige Kilometer entfernt von Israel, auf dem zu Aegypten zugehoerigen Sinai.

    Ich moechte darum bitten, auch den Kontext zu betrachten, wenn es um die Situation der Palaestinaenser im Westjordanland geht.

  6. ...verliert er seine Wähler an seinen einstigen Zögling Naftali Bennett. Das würde er nicht riskieren.

    • vonDü
    • 18. Januar 2013 11:21 Uhr

    ""Eretz Israel" bedeutet nicht "Land Israel", sondern "Groß-Israel". "

    Laut meinem Wiki, heißt es korrekt übersetzt "verheißenes Land". http://de.wikipedia.org/w...

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Liebe Redaktion,"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, tis
  • Schlagworte Benjamin Netanjahu | Naftali Bennett | Israel | Charakter | Liebe | Ministerpräsident
Service