FahnenstreitZahlreiche Verletzte bei Krawallen in Nordirland

Politiker aus Nordirland und Großbritannien planen ein Spitzentreffen zum Flaggenstreit. In einer weiteren Krawallnacht in Belfast wurden viele Polizisten verletzt.

Ein brennendes Auto in der nordirischen Hauptstadt Belfast

Ein brennendes Auto in der nordirischen Hauptstadt Belfast  |  © PETER MUHLY/AFP/Getty Images

Bei erneuten Ausschreitungen in der nordirischen Hauptstadt Belfast sind am Samstag 29 Polizisten verletzt worden, zwei von ihnen schwer. Die Sicherheitskräfte waren nach Angaben der Behörden mit Wasserwerfern und Gummigeschossen eingeschritten, nachdem sich probritische und proirische Demonstranten mit Steinen und Flaschen beworfen hatten.

Zunächst hatten am Samstag gut 1.000 probritische Demonstranten vor dem Belfaster Rathaus friedlich demonstriert. Anschließend war es im Osten der Stadt zu Zusammenstößen mit den Nationalisten gekommen.

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Krawalle gibt es bereits seit Wochen, nun reagiert die Politik: Der nordirische Regierungschef Peter Robinson will kommende Woche gemeinsam mit seinem katholischen Stellvertreter Martin McGuinness, der britischen Nordirland-Ministerin Theresa Villiers und dem irischen Außenminister Eamon Gilmore über das weitere Vorgehen beraten. 

Auslöser ist die Entscheidung des Stadtrats Anfang Dezember, die seit einem Jahrhundert über dem Rathaus wehende britische Flagge nur noch zu bestimmten Anlässen zu hissen. Probritische Loyalisten sehen in dem Beschluss des von proirischen Politikern dominierten Rats einen Schritt hin zu einer weiteren Loslösung der Provinz von London.

Die Protestierenden wollen nach eigenen Angaben ihre Kampagne fortsetzen, bis der Stadtrat seine Entscheidung wieder rückgängig macht. Obwohl Politiker beider Seiten in den vergangenen Wochen zudem Todesdrohungen erhielten, versichern beide Seiten, dass die jüngste Gewalt den Friedensprozess in der Provinz nicht ernsthaft gefährde.

Die Ausschreitungen der vergangenen Wochen gehören zu den langanhaltendsten seit dem Karfreitagsfriedensabkommen von 1998. Damals war der 30 Jahre andauernde Konflikt zwischen probritischen Protestanten und proirischen Katholiken beigelegt worden. Einige Beobachter sorgen sich vor einem dauerhaften Wiederaufflammen des Streits.

In der nächsten Woche soll es ein Spitzentreffen geben, an dem neben dem nordirischen Ministerpräsidenten Peter Robinson und seinem katholischen Stellvertreter Martin McGuinness auch die britische Nordirland-Ministerin Theresa Villiers und der irische Außenminister Eamon Gilmore teilnehmen werden. Dabei soll nach Lösungen für die Probleme in der Krisenregion gesucht werden.

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Leserkommentare
  1. Für uns in Deutschland ist unsere Flagge vielleicht nur ein Stück Stoff, uns wird ja auch jedes Nationalgefühl untersagt und wenn es denn doch da ist, wird man schnell in eine bestimmte Ecke geschoben. Für die Engländer oder nicht die protestantischen Nordiren ist der unionjack eben nicht einfach nur ein Stück Stoff, sondern ein Zeichen ihrer Identität und die wird da gerade einfach so entsorgt. Bumms...

    Eine Leserempfehlung
    • kael
    • 13. Januar 2013 11:38 Uhr

    Nach Jahren eines "kalten Friedens" reicht die banale Frage nach der Häufigkeit einer Flaggen-Hissung aus, den heißen Glaubenskrieg wieder aufleben zu lassen.

    Nun wird es sicherlich nicht mehr lange dauern, bis sich auch die (inzwischen vergessene) IRA wieder bemerkbar machen wird. Und schon ist der Kreisel wieder in voller Drehung.

    Gibt es wirklioch niemanden aus den beiden Kirchen und aus der Politik, der diese Absurdität mitten in Europa ein für allemal beenden könnte?

  2. 2014 hat Schottland eine Unabhängigkeitswahl
    Argentinien nagt an Falkland
    Nordirland ist Nordirland
    und Großbritannien will manchmal raus aus der EU.

    Die Wirtschaft ist schwach,
    die Banken das Rückrat des Ladens,
    die Stimmung ist verhalten

    Das kann ja alles gut gehen für "Großbritannien" muß aber nicht. Kommt alles zusammen braucht es mehr al Cameron & Co aufbieten können.

    Mein Tipp: 2015 ist Großbritannien gar nicht mehr so groß.

  3. Bei Infektionen helfen Medikamente. Hierfür gibt es jedoch keine Medizin. Der "UNION JACK" ist längst zu einem Modeartikel geworden.

    http://www.amazon.de/s/re...

    AMAZON zeigt über 10.000 Artikel, die käuflich zu erwerben sind. Die Farbwahl des Fahnendesigns ist auch heute noch überaus designtechnisch modern. Die allerwenigsten Käufer haben aber irgendwelche religiösen oder politischen Zwänge im Kopf, wenn sie solche Artikel kaufen.

    Die Iren täten gut daran zu sagen, dass wir alle gemeinsam auf dieser Insel leben. Aber auch eine Entscheidung eine Fahne nur tageweise aufzuhängen, ist Schwachsinn. Sollen doch Fahnen aufgehängt werden, wie sie wollen.

  4. Ohne die Möglichkeit zur brutalen Unterdrückung ist das Ende der protestantischen Vorherrschaft unausweichlich.
    Das Verhalten Englands in ihrer 'ersten Kolonie' wird auf ewig als Schande in die Geschichte eingehen.
    Man kann hoffen, dass es dennoch gelingt, den »Fluch der bösen Tat, der, fortzeugend, immer Böses muss gebären (Schiller)« zu überwinden.

    Der Zuspruch, den die loyalistischen Demonstranten von der unionistischen Partei erhalten, scheint sich ja auch in Grenzen zu halten.
    Die Protestanten sind gut beraten, wenn sie auf Versöhnung setzen.
    Ansonsten könnte es für sie wieder sehr ungemütlich werden.

  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

  6. und hat soviel mit der Fahne auf dem Rathaus zu tun wie der Irakkrieg mit Atomwaffen.

    Ich bleibe sehr wohl beim Thema, wenn ich über den Nordirischen Tellerrand hinausschaue.

    Regionale alte Konflikte können begründet mit der Eurokrise und deren Umgang damit auftauchen, wie auch neue Konflikte entstehen lassen.

    Wäre in der Griechenland Krise nicht besonnen gehandelt worden, könnte das genauso ausgegangen sein wie hier in Irland. Wenn Irland prosperieren würde, gäbe es diese Bilder heute nicht.

    Und ich halte einen Verweis auf die Kavellerie und andere Äußerungen des Kanzlerkandiaten für äußerst wichtig um diese Auswüchse nicht zum Flächenbrand werden zu lassen.

    Dafür ist die Lage in vielen Ländern Europas zu angespannt!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Peter Robinson | Außenminister | Behörde | Flagge | Gewalt | Hauptstadt
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