Protestkundgebung rechter Aktivistengruppen im südkoreanischen Seoul gegen die Aufrüstung Nordkoreas, Dezember 2012 © REUTERS/Lee Jae-Won

Ein Funktionär aus dem kommunistischen Nordkorea soll in Peking zu chinesischen Offiziellen gesagt haben, dass Pjöngjang zwischen dem 13. und dem 20. Januar einen Atomwaffentest plant. Dies meldete am Wochenende die konservative Joongang Ilbo, eine der drei großen Tageszeitungen Südkoreas. Spekulationen darüber gab es bereits nach dem erfolgreichen Start einer Langstreckenrakete der Nordkoreaner Anfang Dezember vergangenen Jahres, mit der ein Satellit in den Orbit geschickt wurde.

Ein weiterer Nukleartest wäre der dritte nach den Zündungen von etwas Atomwaffenartigem in den Jahren 2006 und 2009, noch unter Kim Jong Il, dem Vater des heutigen Jung-Diktators Kim Jong Un. "Wir verschärfen jetzt die Kontrollmaßnahmen am Atomwaffentestgelände von Punggye Ri", soll der nordkoreanische Funktionär gesagt haben.

Yang Moo-Jin, Professor für Nordkorea-Studien an der Universität von Seoul, hält dagegen einen solchen Test noch in diesem Winter für unwahrscheinlich. Auch, weil die Regierung von Nachbar China – Peking ist einer der wenigen Verbündeten der international isolierten Militärdiktatur – dies verhindern wolle.

Plutonium für fünf Atombomben

Den Verdacht auf einen kommenden Atomtest bestärkt hatten zuletzt Satellitenbilder über Punggye Ri, die im Dezember vom US-Korea-Institut an der Johns Hopkins University in Baltimore veröffentlicht wurden. Der Stützpunkt würde in einem Zustand der Bereitschaft gehalten, hieß es. Und diesen Montag erst erklärte das Außenministerium in Pjöngjang laut der Nachrichtenagentur AP, Nordkorea würde seine Verteidigungsbereitschaft verstärken. Was genau verstärkt werden soll, wurde jedoch nicht ausgeführt.

Zwar stellen die Langstreckenrakete und der Satellit vom vergangenen Dezember international keine wirkliche Bedrohung dar, doch jeder derartige Start verbessert das technische Know-how der nordkoreanischen Raketenbauer. Auch gehen Experten davon aus, dass Pjöngjang noch Jahre davon entfernt ist, einen funktionstüchtigen Atomsprengkopf zu bauen. Doch immerhin soll genug Plutonium für fünf Atombomben vorhanden sein. Zudem hat das Regime mit der Anreicherung von Uran begonnen und baut es im Land auch ab.

Nordkorea gehört seit Jahrzehnten schon zu den besonders rücksichtslosen Diktaturen dieser Welt. Rund 200 Familien beherrschen die wichtigen Positionen des Landes. Das Volk leidet, es fehlt an lebensnotwendigen Dingen wie Nahrungsmitteln und Medikamenten. Notwendige Wirtschaftsreformen werden offenbar aus Angst vor Machteinbußen immer wieder hinausgeschoben. International versucht das Regime durch den Bau von Raketen und Atomwaffen ein zweifelhaftes Droh- und Abschreckungspotenzial aufzubauen, vor allem gegenüber Südkorea, den USA und Japan.