Die brachliegende Wirtschaft Nordkoreas muss in Gang gebracht werden, und richten sollen dies erst mal gemeinsame Sonderwirtschaftszonen mit China. So wie es der große Nachbar in der frühen achtziger Jahren auch gemacht hat. Auch Peking will seinen schwachen Nachbarn stützen, weshalb man den Handel zuletzt intensivierte; zudem hat man Zehntausenden Nordkoreanern erlaubt, in den Fabriken Nordostchinas zu arbeiten. Und tatsächlich ist die Wirtschaft des Landes mit Hilfe Chinas erstmals seit drei Jahren gewachsen, wenn auch nur um 0,83 Prozent.

Wichtiger noch sind möglicherweise Meldungen über die Vorbereitungen für einfache Reformen der verstaatlichten Landwirtschaft, wonach die Bauern einen etwas größeren Anteil der Ernte einbehalten und verkaufen dürfen. Südkoreanische Medien berichten darüber seit dem Sommer. Auch dieser Schritt ähnelt dem Vorgehen der Chinesen Ende der siebziger Jahre.

Sollen aber Waren frei ausgetauscht werden, entstehen zwangsläufig weitere Freiheiten. Händler und Bauern müssen mobil sein, es braucht Telekommunikation, und auf Märkten wird nicht nur über die Waren gesprochen. Bislang wurden daher Landwirtschaftsreformen in Nordkorea abgebrochen oder verschoben. Will Kim Jong Un von seinen Ankündigungen etwas wahr machen und gleichzeitig die Ernährungslage bessern, brauchen die Bauern mehr Eigenständigkeit.

Kim Jong Uns Neujahrsrede war also eine weitgehende koreanische Angelegenheit – für Nord wie Süd –, und ihre Aussage ist in der Substanz nicht neu. Doch die wirtschaftlichen Nöte wie auch das Interesse Pekings an stabilen Verhältnissen beim verarmten Nachbarn könnten Veränderungen in naher Zukunft möglich machen.