NordkoreaNichts Neues bei Diktator Kim

Nordkoreas Herrscher Kim Jong Un will sich dem Süden annähern. Ist das eine Sensation? Nein, kommentiert Steffen Richter. Dennoch verändert sich das Land. von 

Kim Jong Un

Kim Jong Un, Diktator in Nordkorea  |  © REUTERS/KCNA

Es klang nach einer bahnbrechenden Neuigkeit, was Nordkoreas Jung-Diktator Kim Jong Un am Dienstag in seiner von staatlichen Medien übertragenen Neujahrsansprache verkündete. Eine Aussöhnung mit dem Süden solle es geben, zudem solle ein radikaler Wechsel in Landwirtschaft und Leichtindustrie Nordkorea zu einem "wirtschaftlichen Riesen" machen. Doch bei näherer Betrachtung war die Rede nicht sensationell, vielmehr wollte Kim zwei unterschiedliche Signale aussenden: eines für die Nordkoreaner und eines für die Brüder und Schwestern im demokratischen Süden.

Nach innen soll sein darbendes Volk – allein ein Drittel der 24 Millionen Landsleute leidet laut UN an Unterernährung – einen tatkräftigen Staatsführer erleben. Einen, der anpackt. Und nach außen soll dem wohlhabenden Süden vermittelt werden, dass Pjöngjang für eine erneute Annäherung bereit ist. Verbesserte Beziehungen zum Süden haben sich für die Führung Nordkoreas stets gelohnt, es flossen Geld und Sachwerte aus öffentlichen und privaten Kassen. Im Zuge der sogenannten Sonnenscheinpolitik des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung – er erhielt dafür im Jahr 2000 den Friedensnobelpreis – erhielt der Norden Hilfen im Wert von 450 Millionen US-Dollar.

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Doch wurde der Süden für die Annäherungspolitik und die Hilfen nicht wirklich belohnt – im Gegenteil: Kim Jong Uns Vater und Vorgänger Kim Jong Il ließ Atomwaffen zünden und Raketen abschießen, und sein Sohn tut es ihm nach. Im Dezember schickte er eine Langstreckenrakete in den Orbit

 Im Februar wird in Seoul die neue Präsidentin Park Geun Hye ihr Amt antreten, und sie hat sich im Wahlkampf bereits an verbesserten Beziehungen zum Norden interessiert gezeigt. Dafür soll Pjöngjang jedoch auf sein Atomprogramm verzichten, was man dort ablehnt. Auffallend an der Neujahrsansprache war, dass die Atomfrage nicht erwähnt wurde, die von der internationalen Gemeinschaft zu gewährenden Gegenleistungen für einen Verzicht wären im Übrigen hoch.

Das Land ist abhängig von Hilfslieferungen aus dem Ausland

So gesehen hat sich Kim Jong Uns Ansprache nicht wesentlich von Verkündungen seine Vorgänger zum neuen Jahr unterschieden. Wenn nicht in der Atomfrage, so haben sich unter Kim Jong Un dennoch ein paar Nuancen verschoben. Die Fassade des Landes verändert sich, es gibt Fotos mit in westlichem Stil gekleideten Frauen (so auch Kims Gemahlin), die Nordkoreaner durften sehen, wie der Diktator einen Pizza- und Hamburger-Laden besucht, und in der Hauptstadt gibt es mehr moderne Gebäude, Geschäfte und Restaurants.

Doch die Fassade allein reicht eben nicht, will Kim einen "wirtschaftlichen Riesen" erzeugen. Die Staatswirtschaft des Landes kann das Volk nicht richtig ernähren und ist abhängig von Hilfslieferungen aus dem Ausland, eigentlich sind mehr Privat- und Marktwirtschaft vonnöten. Der starke Mann nach Kim Jong Un, sein Onkel Jang Song Taek, besuchte daher im August vergangenen Jahres Peking und den Norden Chinas, eine Reise, bei der es ausschließlich um Fragen der wirtschaftlichen Kooperation ging.

Leserkommentare
  1. Hallo? Jemand zuhause? Das Volk in Nordkorea isst Gras (und zwar nur an guten Tagen) Ich stelle nicht die Innovationskraft, den guten Willen und die Leistungsbereitschaft in Frage - allerdings den Willen und die Bereitschaft der herrschenden *kommunistischen* privilligierten Staatsklasse dies in irgendeiner Form (sofern sie nicht unmittelbar ihren eigenen Zwecken dient) fördern zu können. Nordkorea ist am Ende jeder Liste der Pressefreiheit (http://www.reporter-ohne-...), jenseits von Gut und Böse bezüglich der Menschenrechte (vgl. Amnesty und HRW) und was die Wirtschaftskraft und Innovation betrifft vermutlich in der Liga von Eritrea.

    MercifulSister

    5 Leserempfehlungen
  2. Was bitte schoen hat Komunismus mit Nordkorea zu tun? Und ich weiss nicht was fuer Werte Familie Kim hat, aber es muessen arg merkwuerdige sein.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@Danvomit"
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    Gegenfrage: Was hat die FDP mit Liberalismus zutun?

    Ihre Suggestion ist nicht haltbar.

  3. Nein de 450 Mill. bringen nur zum Ausdruck, wie heruntergewirtschaftet das Land ist. Ob notwenigerweise Marktwirtschaft die Rettung fuer Nordkorea ist sei dahingestellt, aber wenn man vielleicht weniger in Ruestung investieren wuerde oder man die Wehrpflicht von 10 Jahren vielleicht verringert, koennte man vielleicht auch hinreichend viel Lebensmittel produzieren.

    Antwort auf "Anmerkung"
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    Oh ja, wenn die Ernte schlecht ist, kann man natürlich automatisch mehr produzieren mit steigender Arbeitskraft. Die Logik ist sinnfrei. In einer Planwirtschaft hat Geld sowieso keinen hohen Stellenwert.

    Vielleicht meinen Sie Nahrung importieren statt Waffen.

  4. Die Feindschaft der Koreaner geht genauso von Süden aus wie vom Norden. Beide Seiten sind Teil eines viel größeren Konfliktes, der sich größtenteils ausserhalb koreanischer Grenzen abspielt. Dieses Land ist geteilt zwischen Kommunismus und Kapitalismus. Geteilt zwischen Russland/China und den USA/Japan. Dieses Land macht die gleiche Teilung durch, die auch Deutschland durchgemacht hat. Nicht nur entlang geografischer Grenzen.

    Die Koreaner sollen diesen Konflikt unter sich ausmachen. Sie sollten den Einfluss von aussen ausblenden. Die USA und Japn üben erheblichen Einfluss aus auf Südkorea. Der Süden ist seit dem Koreakrieg praktisch besetzt.

    Der Norden wird in einen nicht unerheblichen Maße bedroht von der Achse USA/Japan/Südkorea. Das kann man nicht leugnen, dass die Militarisierung stark damit zusammenhängt.

    Es ist wirklich besser, die Koreaner Regeln das unter sich und verweigern sich äusserern Einflüssen. Wenn man die Menschen in Korea fragt, dann wollen sie die Vereinigung. Nun ist es an der Zeit, unter Berücksichtigung ALLER Koreaner, die Vereinigung auszuhandeln. Eine faire Verfassung, die beide Seiten ausarbeiten, könnte der Grundstein dafür sein.

    Deutschland sollte da kein Vorbild bzw. mahnendes Beispiel sein. Bei uns ist viel falsch gemacht worden.

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    • xy1
    • 02. Januar 2013 23:09 Uhr

    °Der Süden ist seit dem Koreakrieg praktisch besetzt.°
    Da deshalb die Südkoreaner keine vernünftige Wirtschaft aufbauen konnten, nagen sie zur Zeit am Hungertuch - oder irre ich mich irgendwie?

    Wie könnte eine faire, von beiden Teilen ausgehandelte, Verfassung aussehen?

  5. hat auch der Kapitalismus Werte (Chancengleichheit, Arbeitsethik, Wohlstand, Anstrengung des Einzelnen zugunsten aller), ebenso wie der Kommunismus, und all die anderen -ismen.

    Leider führen selten propagierte Werte eines Staats- oder Weltbildes dazu, daß diese langfristig auch umgesetzt werden. Und Nordkorea - als weltweites Schlußlicht der meisten Indikatoren für Lebensqualität und Entwicklung - macht da keine Ausnahme, im Gegenteil.

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    Antwort auf "@Danvomit"
  6. ...dann vermutlich einer der Wagen der (noch) aktuellen E-Klasse (W212) oder der Rost-S-Klasse W220, die man im Westen nicht mehr losbekommt.

    Antwort auf "Nur kurz zum Bild"
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    aber es sollte den dort eigentlich garnicht geben
    http://www.focus.de/polit...

  7. Schaun mer mal. Andere Online-Akteure scheinen dies ganz anders zu bewerten als die ZEIT. SPIEGEL Online berichtet z.B., dass ex-Google-CEO und Obama-Technologie-Berater Eric Schmidt für Januar einen Blitzbesuch in Pjöngjang plant. Es würde mich nicht wundern, wenn sich hier einige deutsche Journalisten wieder mal als Schlafmützen der Zeitenläufte profilieren würden.

    http://www.spiegel.de/net...

    Eine Leserempfehlung
  8. Na und, wo ist das Problem? Westliche Staatschefs äußerten sich auch immer wieder gegen Kuba und zündeten sich trotzdem genüsslich eine Cohiba an. Gar nicht zu reden von einem US-Präsidenten, der diese Produkte nicht nur zwischen seine Lippen, sondern auch ..., ach was, das schreibe ich jetzt nicht, sonst wird es ja gelöscht, obwohl wir gar nicht in Nordkorea leben.

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    Antwort auf "Nur kurz zum Bild"

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