Doch trotz der großen Ernsthaftigkeit dieses Inaugurationstages und der ungewissen Zukunft hielt dieser 21. Januar 2013 auch viele festliche und berührende Momente bereit. Washington war in diesen 24 Stunden eine fröhliche Stadt. Wichtigstes Thema am Morgen war die neue Frisur der First Lady Michelle Obama und welches Kleid sie wohl zum Festakt und später am Abend auf den Bällen tragen würde.

Fröhliche Stimmung auf der Mall

Hunderttausende Menschen zu Füßen des Kapitols lachten herzhaft, als sie auf den großen Leinwänden gewahr wurden, wie die beiden Präsidententöchter Malia und Sasha völlig ungezwungen und wenig ehrfürchtig laut schnatternd zur Vereidigung ihres Vaters schritten. Und alle schmunzelten, dass dieses Mal der Amtseid, abgenommen vom Präsidenten des Obersten Gerichts, ohne Versprecher und falsche Wortfolge über die Bühne ging.

Auch Amerikas Sehnsucht nach Glanz und Gloria wurde erfüllt: Sanft und nur von seiner Gitarre begleitet sang James Taylor America the Beautiful. Eindrucksvoll schmetterte Kelly Clarkson My Country, 'Tis of Thee. Und Beyoncé wärmte die Herzen mit ihrem Vortrag der amerikanischen Nationalhymne. Das Präsidentenpaar lief auf dem Rückweg zum Weißen Haus einen Teil der Paradestrecke zu Fuß. Die Sicherheitsberater mögen dagegen gewesen sein, aber das Volk war begeistert. Seine First Family soll zum Anfassen sein.

Kurz vor der Ankunft am Weißen Haus sprang auch Vizepräsident Joe Biden samt Ehefrau Jill aus der Limousine. Als sei er der Präsident, sprang Biden wie ein Jungspund fröhlich zwischen den Zuschauern hin und her, schüttelte Hände, nahm Kinder in den Arm und ließ mit sich Fotos machen. War das bereits ein erstes Zeichen, dass er vielleicht 2016 Obamas Nachfolge antreten will, obwohl er dann bereits 74 Jahre alt sein wird?

Erinnerung an Martin Luther King

Auf den Stufen des Kongresses, links unterhalb Obamas Rednerpult, saß während Obamas Amtseinführung eine Gruppe schwarzer Kriegsveteranen. Sie waren Ehrengäste. Einige von ihnen gehörten zur berühmten Tuskegee-Einheit, die im Zweiten Weltkrieg kämpfte. Der fast 87-jährige Lawton Wilkerson war damals am Ende des Krieges zum Bomberpilot ausgebildet worden, zum Einsatz kam er allerdings nicht mehr. Wieder zurück in Chicago fand er keine Arbeit als Privatpilot. Die Rassengesetze verboten es. Als es ihm endlich erlaubt wurde, war er zu alt.

Wilkerson erinnerte jetzt daran, dass dieser Montag, der 21. Januar 2013, gleich zweimal Geschichte machte. Nicht nur wurde der Afroamerikaner Obama zum zweiten Mal als Präsident vereidigt. Es war auch der Gedenktag für den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King. Ohne dessen mutigen Kampf um Gleichberechtigung und Bürgerrechte wäre Obamas Präsidentschaft nicht möglich gewesen.