Amoklauf von Newtown : Obama plant breite Initiative gegen zu lasche Waffengesetze

Die von Obama eingesetzte Arbeitsgruppe will Waffenkäufe weit stärker kontrollieren als bisher angekündigt. In der Nähe von Newtown findet derweil eine Waffenmesse statt.
US-Präsident Barack Obama © Jonathan Ernst / Reuters

US-Präsident Barack Obama plant nach Informationen der Washington Post eine breite Initiative gegen lockere Waffengesetze, die über das Verkaufsverbot von Sturmgewehren weit hinausgeht. Demnach prüfe eine Arbeitsgruppe derzeit Hintergrund-Checks bei allen Waffenkäufern. Der Verkauf und Wiederverkauf von Waffen auf nationaler Ebene solle künftig beobachtet und registriert werden. Als eine weitere Maßnahme seien schärfere Strafen gegen das unerlaubte Waffentragen etwa in der Nähe von Schulen geplant. Zudem müsse jeder mit härteren Strafen rechnen, der Schusswaffen an Minderjährige abgebe, schreibt die Zeitung.

Obama hatte die Arbeitsgruppe nach dem Amoklauf in einer Grundschule in Newtown ins Leben gerufen. Die Gruppe wird von Vize-Präsident Joe Biden geführt.

Obama hatte nach dem Massaker von Newtown eine schnelle Reform des Waffenrechts angekündigt, aber keine Einzelheiten genannt. Als eine konkrete Maßnahme galt aber stets ein Verkaufsverbot für halbautomatische Sturmgewehre an Privatleute. Mit diesen kann ein Schütze innerhalb kürzester Zeit ohne Nachladen extrem viele Schüsse abgeben. Obama hatte allerdings auch gesagt, dass er den zweiten Verfassungszusatz, der das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen festschreibt, nicht antasten wolle.

Beim Amoklauf in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown hatte ein 20-Jähriger im Dezember 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen. Zuvor hatte der Attentäter zu Hause seine Mutter getötet. Nach der Tat erschoss er sich selbst.

Während die Politiker über neue Waffengesetze diskutieren, treffen sich derzeit unweit von Newtown Waffenliebhaber und Händler auf einer Messe – trotz öffentlicher Proteste. Während vier andere Waffenmessen in der Nähe von Newtown abgesagt wurden, sahen die Organisatoren in Stamford keinen Grund, die Veranstaltung ausfallen zu lassen, berichtet der Nachrichtensender ABC News. Die Organisatoren wiesen darauf hin, dass in der Messe nur antike und Sammlerstücke gezeigt würden und keine militärischen Sturmgewehre, wie der Amokläufer in Newtown eines benutzt hatte. Der Bürgermeister von Stamford, Michael Pavia, hatte zuvor aufgerufen, die Messe zu schließen.

Erneut Tote in Aurora

Gleichzeitig gab es in den USA wieder eine weitere Gewalttat mit mehreren Toten in der Stadt Aurora im US-Bundesstaat Colorado, in der vor knapp einem Jahr ein Mann bei der Vorführung eines Batman-Films in einem Kino mehrere Menschen erschossen hatte.

Bei einer Geiselnahme hatte ein Mann am Samstag zwei Männer und zwei Frauen in seine Gewalt gebracht und sich in einem Wohnhaus verbarrikadiert. Wie die Polizei mitteilte, konnte eine der Frauen fliehen. Als der Geiselnehmer nicht zur Aufgabe bewegt werden konnte, setzten die Einsatzkräfte Tränengas ein. Bei dem darauffolgenden Schusswechsel wurde der Mann getötet. Die Leichen der Geiseln wurden später im Haus gefunden. Sie seien vermutlich schon tot gewesen, bevor die Polizei am Tatort eingetroffen sei, teilte die Polizei mit.

Während dem Amoklauf in Aurora vor einem Jahr hatte der Schütze zwölf zumeist junge Menschen erschossen. 58 Menschen wurden damals verletzt, einige von ihnen schwer. Gegen den mutmaßlichen Täter, ein Student der Neurowissenschaften, läuft derzeit ein Gerichtsverfahren, bei einer Verurteilung wegen Mordes droht ihm die Todesstrafe.

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Kommentare

48 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Sehr geehrter Zeitenhieb,

solange es den US-Bürgern erlaubt ist für den eigenen Gebrauch Schusswaffen in Einzelfertigung selbst zu erstellen sofern diese nicht den Vorgaben des National Firearms Act von 1934 zuwiderlaufen.

Zudem existiert eine weit verbreitetes Wissen über die Fertigung solcher Gegenstände sowie das dazu erforderliche Werkzeug.

Wenn nicht dort angesetzt wird, liegt es nahe das oberflächlichere Lösungen Makulatur bleiben müssen.

Beste Grüße CM

Studien hierzu sind inkonklusiv und problematisch

Erst einmal: Das mit dem "nur andere einschränken" ist ja wohl ein Witz, oder? Es gibt weitaus mehr Spieler von Gewaltspielen als Waffenbesitzer. Warum sollten die alle leiden? Und jetzt kommen Sie nicht mit Gewaltbereitschaft! Die Studien hierzu sind allesamt Laborstudien, das heißt Studien, die Realbedingungen nicht entsprechen, gegen die zudem auch andere Studien stehen. Und die Art von Gewaltbereitschaft die oft als belegt angesehen wird ist lediglich eine kurzfristige - Amokläufe erfordern aber langfristige Planung. Weiterhin gibt es viel Kritik gegen die Methodik der Medienwirkungsforschung. Etwa, dass sie Wirkungszusammenhänge radikal vereinfacht und damit eigentlich verschleiert. Es wird ein direkter kausaler Zusammenhang suggeriert, der so nicht besteht - denn sonst würde jeder, der regelmäßig Gewaltmedien konsumiert, irgendwann zur Waffe greifen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen: Gewaltspiele können evtl. bei ungünstigen Persönlichkeitsentwicklungen als "Katalysator" wirken. Oder ihre Nutzung ist bei gewaltbereiten Menschen eben doch eher Wirkung als Ursache. Oder es sind Versuche der Selbsttherapie? In der Forschung ist noch viel zu tun, bis sich ernsthafte Aussagen auf diesem Gebiet treffen lassen. Und zuverlässig werden auch die nicht sein. Übrigens: Die Jugendkriminalität und Zahl der Gewalttaten hat seit Anfang der 90er eher abgenommen - Zufall? http://www.uni-konstanz.d...

Abwegig

Die Behauptung, Deutschland hätte lasche Waffengesetze finde ich doch sehr gewagt.
2011 starben in Deutschland 431 Menschen durch einen "Tätlichen Angriff", das sind 0,05% aller Sterbefälle.

http://www.gbe-bund.de/oo...

Leider werden "Todesfälle durch Schusswaffen" nicht in der Statistik erfasst. Sie dürften aber wiederum nur einen kleinen Teil der 431 Todesfälle ausmachen.

Haben sie eine Quelle für die Zahl der geschätzten Waffen?

Zum Thema:
Sollte Präsident Obama wirklich dazu im Stande sein, ein geringfügig strengeres Waffengesetz in den USA zu erlassen, dann wäre wenigstens ein Teil des Friedensnobelpreises gerechtfertigt und es käme einem kleinen Wunder gleich.

Zu hoffen, dass in Amerika Waffen verboten werden, finde ich abwegig.

Darauf wollte ich nicht hinaus...

Darauf wollte ich auch nicht hinaus. Sicherlich ist die Rate von Gewaltverbrechen durch SChußswaffen nicht hoch, und die Verbrechen sind eher eine Ausnahme. Ändert jedoch nichts an ihrer Tragik und den Diskussionen die jedes mal wieder aufs Neue nach einem Amoklauf entfachen. Trotzdem halte ich es für Fragwürdig warum hochkalibrige Waffen oder Schusswaffen im Allgemeinen in Privathaushalten gelagert werden. Warum diese nicht in einem Zentrallager verstaut werden eröffnet sich mir nicht...

Sicherlich sehen die Gesetze auch eine sichere Aufbewahrung der Waffen vor als es bei den Amokläufen der Fall war. Das beweist aber umso mehr dass das Gefahrenpotenzial durch die Verfügbarkeit von Waffen in Privathaushalten entsteht und Gesetze dort wegen mangelnder Überprüfungsmöglichkeiten nicht wie gewünscht greifen.

die Wurzelbehandlung

müsste genaugenommen schon in der Herstellung,sprich Rüstungsindustrie beginnen,die fortwährend perfidere Massenvernichtungswaffen konstruiert

aber dieser immer florierende Wirtschaftszweig ist weltweit wohl nicht mehr wegzudenken
so wird das Morden weitergehen und mit stetig wachsender Weltbevölkerung ,damit einhergehender Ressourcenverknappung an Schärfe zunehmen
von einem grundlegenden Wandel seh ich die Menschheit weiter entfernt denn je
ich hätte gerne Unrecht mit dieser Meinung

Sehr geehrter xyks,

die Problematik der gelegentlich zur Sprache kommenden Zentrallagerung wurde angesichts der letzten Sachverständigenanhörung vor einer Kommission des Bundestags zur Novellierung des WaffG einhellig als untauglicher Ansatz verworfen.

Ebenso spielt der Geschossdurchmesser für die Deliktrelevanz keine wesentliche Rolle, da es sich mittlerweile erweisen hat, das die deliktüblichen Schussentfernungen -auch bei sogen Amok-Delikten- im Nächst- bis Nahbereich bewegen.

Die "Kaliberdebatte" ist eigentlich keine und darf getrost in die Ablage "moderne Märchen" befördert werden.

Beste Grüße CM