Marsch auf IslamabadDemonstranten wollen Pakistans Parlament stürmen

Der Regierungsgegner ul-Qadri hat Zehntausende in Islamabad vor das Parlament geführt. Sie fordern den Rücktritt der Regierung. Die Lage auf den Straßen ist angespannt.

Unterstützer des pakistanischen Geistlichen Tahir ul-Qadri, die den Rücktritt der Regierung fordern.

Unterstützer des pakistanischen Geistlichen Tahir ul-Qadri, die den Rücktritt der Regierung fordern.  |  © Farooq Naeem/AFP/Getty Images

Auf einer Großdemonstration gegen Pakistans Regierung ist es zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas gegen Tausende Protestteilnehmer ein, die zum Parlament in der Hauptstadt Islamabad vordringen wollten. Das Militär gab zudem Schüsse in die Luft ab, um die Menge auseinander zu treiben.

Die Demonstranten waren dem Aufruf eines muslimischen Geistlichen gefolgt, der die Auflösung des Parlaments fordert. Der pakistanisch-kanadische Kleriker Muhammad Tahir ul-Qadri wirft der Regierung Inkompetenz und Korruption vor und fordert tiefgreifende Reformen vor der Parlamentswahl im Frühsommer.

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Der 61-Jährige hatte Zehntausende Anhänger auf einem zweitägigen Protestmarsch in die Hauptstadt geführt. Er stellte an diesem Dienstag der Regierung ein Ultimatum bis 11.00 Uhr Ortszeit. Bis dahin soll diese das Parlament auflösen. Unter Führung des einflussreichen pakistanischen Militärs soll dann eine Übergangsregierung eingesetzt werden.

"Die Zahl der Demonstranten steigt"

Gegen 10.00 Uhr Ortszeit hatten sich rund 25.000 Menschen vor dem Parlament versammelt, sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden. "Die Zahl der Demonstranten steigt", hieß es. Einige von ihnen hatten vor dem Tränengaseinsatz Steine auf die Sicherheitskräfte geworfen. Weitere zerstörten Scheiben von Autos, viele trugen Stöcke.

Die Demonstranten drangen bis zum Rand der sogenannten Roten Zone vor, in der sich das Parlament und andere wichtige Gebäude befinden. Diese wurde von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften abgeriegelt. Um den Demonstranten den Weg zu versperren, waren Schiffscontainer aufgestellt und Stacheldraht verlegt worden.

Einer der Organisatoren des Protests warf der Regierung vor, Gewalt provozieren zu wollen. "Wir sind friedlich", sagte Muzamal Ahmed Khan. "Die Polizei hat Tränengas eingesetzt und Schüsse ohne Grund abgefeuert."

Pakistan von Grund auf reformieren

Qadris Unterstützer sehen in seinen Forderungen einen Weg, Pakistan von Grund auf zu reformieren. Das Land leidet unter einer schwachen Wirtschaft, Energieproblemen und islamistischer Gewalt. Kritiker des Protestaufrufs werfen den Demonstranten vor, sie wollten die Parlamentswahl im Frühsommer verzögern und politisches Chaos säen.

Qadri hat viele Jahre in Kanada gelebt und kehrte gegen Ende des vergangenen Jahres zurück nach Pakistan. Bereits am 23. Dezember konnte er in Lahore 100.000 Anhänger bei einer Kundgebung versammeln. Er ist der Führer der religiösen Bewegung Minhaj ul-Quran (Der Weg des Koran) in Lahore.

Nach eigenen Angaben hat die Organisation mehr als 500 Religionsschulen in Pakistan und Vertretungen in mehr als 90 Ländern. Der frühere Abgeordnete verurteilte in einem religiösen Rechtsgutachten Selbstmordanschläge als anti-islamisch und gilt seinen Anhängern als Vertreter eines aufgeklärten und friedlichen Islam.
 

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, zz
  • Schlagworte Militär | Gewalt | Hauptstadt | Islam | Koran | Korruption
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